Musik streamen: die 5 besten Alternativen zu Bluetooth

Mit Bluetooth kann Musik einfach, aber komprimiert gestreamt werden – welche Alternativen es gibt, zeigen wir hier.

Will man Musik auf die HiFi-Anlage oder Lautsprecher bekommen, ist Bluetooth oft eine naheliegende Option. Schließlich wird das Protokoll so ziemlich überall unterstützt und ist ausgesprochen einfach zu benutzen. Doch will man die Beste Qualität aus seiner Musik herausbekommen, sind einige Alternativen, die wir hier vorstellen, Bluetooth nach wie vor überlegen.

Was sind die Probleme von Bluetooth?

Bluetooth ist quasi synonym für einfache und unkomplizierte Datenübertragung. Doch auch wenn sich das Format stetig weiterentwickelt und verbessert, hat es bei der Musikübertragung nach wie vor den Nachteil, dass es die Daten dafür umwandelt und im Zuge dessen meist komprimiert. Dadurch gehen Signalanteile verloren, was man vor allem bei Hi-Res-Streaming und einem Fokus auf Klangqualität vermeiden sollte.

Zudem ist Bluetooth eine direkte Übertragung von Sender (Handy) zu Empfänger (Abspielgerät). Diese kann instabil sein und funktioniert im Zweifel nicht im ganzen Haus. Zudem überträgt Bluetooth eben auch alles, auch einen eingehenden Anruf, auf die Anlage.

Will man trotzdem Musik auf seine Anlage oder seine Smartspeaker bekommen, gibt es aber zahlreiche Alternativen, die alle, mit Ausnahme vom Apple-Protokoll Airplay, über das heimische Netzwerk (LAN/WLAN) arbeiten. Doch auch da gibt es verschiedene Optionen, die alle Vorteile gegenüber Bluetooth haben, aber teils auch eigene Nachteile.

AirPlay: Apple-Exklusiv und ohne HiRes

AirPlay leidet im Prinzip unter einigen ähnlichen „Problemen“ wie Bluetooth, da es auch eine Verbindung aus Sender und Empfänger aufbaut, anstatt über das Netzwerk zu streamen. Zudem ist es Apple-exklusiv, als Sender stehen nur iPhone, iPad und Mac-Computer bereit. Als ein schneller Weg, Musik auf die Anlage zu bekommen, ist AirPlay aber trotzdem genauso gut wie Bluetooth geeignet, wenn nicht sogar besser: Denn die Übertragung ist hier auf allen kompatiblen Geräten mit bis zu 44,1 kHz möglich, also verlustfrei, wenn auch nicht ohne Umwandlung.

Nur Hi-Res gibt es per Apple-Standard nicht, dafür wiederum erlaubt AirPlay auch die Multiroom-Wiedergabe von Audio, noch ein Pluspunkt gegenüber Bluetooth. Die fehlende Hi-Res-Fähigkeit ist primär ein Problem für Kunden von Apple Music, welches ja Hi-Res anbietet. Aber die Firma will eigentlich, dass man im eigenen System bleibt und AirPlay nutzt – hier können Kabelverbindungen Abhilfe schaffen. Wer Apple Music auf einem Android-Handy nutzt, darf wiederum Google Cast nutzen.

Multiroom und HiRes mit Google Cast

Eine einfache und von Diensten unabhängige Möglichkeit, Musik auf die Anlage zu streamen, ist Google Cast (früher Chromecast). Im Gegensatz zu AirPlay und Bluetooth ist das Google-Protokoll „echtes“ Netzwerk-Streaming; das Handy dient nur zum Steuern, während der Empfänger die Musik aus dem Netzwerk streamt. Mit Cast sind zudem Hi-Res (bis zu 24 Bit/96 kHz) und Dolby Atmos möglich sowie Multiroom.

Um es nutzen zu können, braucht es eine Einrichtung, die ein Google-Konto voraussetzt. Danach muss meist in der Geräte-App eines Streamers den Bestimmungen von Google zugestimmt werden oder die Einrichtung über die Google Home-App erfolgen. Sind diese Hürden genommen, ist Cast aber sehr vielseitig, Hi-Res-fähig und in den meisten Fällen verfügbar. Ein weiterer Vorteil: Google Cast ermöglicht, herstellerübergreifend Multiroom-Systeme aufzubauen.

Connect-Protokolle von Spotify, Qobuz und Tidal

Nutzer von den Streamingdiensten Spotify, Tidal und Qobuz freuen sich: Für sie gibt es jeweils eine eigene Möglichkeit, Musik auf die Anlage zu bekommen, denn diese Dienste haben alle ihr eigenes Connect-Protokoll. Diese sind untereinander unabhängig, tragen nur – mutmaßlich der Verständlichkeit halber – denselben Namen und funktionieren größtenteils gleich. Mit Connect lässt sich aus der jeweiligen App eines Streamingdienstes direkt auf ein Endgerät streamen, ohne AirPlay oder Google-Einrichtung. Damit sind die Connect-Protokolle der meist einfachste Weg, Musik auf die Anlage zu bekommen: in der Nutzung so einfach wie Bluetooth, sofern Handy und Gerät im gleichen Netzwerk sind.

Bei Tidal sowie Qobuz erlaubt das jeweilige Connect auch die Übertragung von Hi-Res sowie bei Tidal Dolby Atmos, sofern das Empfangsgerät es unterstützt. Spotify und Qobuz wiederum sind Tidal bei der Nutzung dank eines praktischen Features leicht überlegen. Bei diesen beiden Diensten werden nämlich zusätzlich zum Steuergerät (Handy) und Empfänger (Streamer) auch alle anderen Geräte synchronisiert, bei denen der zugehörige Account angemeldet ist. Das bedeutet in der Praxis, dass man den Streamer am Computer steuern kann, obwohl man die Wiedergabe am Handy gestartet hat, oder man kann vom Handy die Wiedergabe auf dem Tablet starten.

Einziger Nachteil: Multiroom ist über die Connect-Protokolle direkt nicht möglich. Außer über einen Umweg. Wenn man zum Beispiel mit Google Home oder anderen Multiroom-Systemen eine Gruppe aus mehreren Geräten erstellt, kann diese wiederum als Connect-Endpunkt dienen.

Auch wenn diese Protokolle in unserer Erfahrung super funktionieren: Probleme mit Connect (keine Verbindung, Geräte werden nicht erkannt, Wechsel zwischen Geräten klappt nicht …) werden quasi immer dadurch behoben, die App des Streamingdienstes neu zu starten

App eines Streamers verwenden

Bei vielen Musikstreamern oder WLAN-Speakern muss man meistens zumindest für Einrichtung, Updates und Optionen wie Equalizer, die vom Hersteller bereitgestellte App nutzen. Aber auch Musik kann oft über die Geräte-Apps wiedergeben werden, da sie oft verschiedene Streamingdienste eingebaut haben (bis auf Spotify, das immer auf Connect verweist).

Die App eines Geräteherstellers hat den Vorteil, dass sie ein komplettes Zuhause für alle Funktionen bietet, um Musik abzuspielen, und für Einstellungen braucht es keinen App-Wechsel. Zudem kann man in vielen Apps auch die Musik mehrerer Streamingdienste in einer gemeinsamen Playlist mischen oder direkt am Startbildschirm anwählen, was auch praktisch sein kann. Hat ein Hersteller ein eigenes Multiroom-System (z. B. Bluesound, u., WiiM oder auch Sonos), wird dieses auch über die Geräte-App konfiguriert.

Die Benutzeroberfläche einer Streamingdienst-App ist hingegen meist besser und praktischer aufgebaut als die simulierte Version in einer Geräte-App und bietet schnelleren Zugriff auf Sonderfunktionen. Auch muss man sich bei Gerätewechsel nicht an ein neues System gewöhnen und bleibt immer Streamingdienst-intern, etwa auch, wenn man unterwegs am Handy mit Kopfhörern Musik hört. Ist sowohl eine Geräte-App als auch eine Streamingdienst-App (z.B. mit Cast / Connect) verfügbar, ist das am Ende eine Geschmacksentscheidung.

Unabhängig mit UPnP/DLNA

UPnP (Universal Plug and Play) und DLNA sind Standards für die Verbindung von Geräten in einem Netzwerk. Für Musikstreaming können die Protokolle von Herstellern genutzt werden, um es einem Streamer zu ermöglichen, auf einen Server im Netzwerk zuzugreifen. Dafür nutzt man die Geräte-App des jeweiligen Players.

Ist ein Gerät ein UPnP-Endpunkt, kann es darüber auch Musik empfangen. Dafür braucht es ein Drittanbieter-Programm, das diese Funktion unterstützt, etwa Computer-Wiedergabe-Softwares oder Handy-Apps wie BubbleUPnP oder Mconnect. Darin wählt man den Player aus und streamt Musik auf ihn, etwa Dateien auf dem Handy oder Musik eines eingebauten Streamingdienstes.

Alternativen zu Bluetooth: abschließende Hinweise

Mit all diesen Bluetooth-Alternativen kann Musik hochwertiger übertragen werden als über das weit verbreitete Protokoll, aber sie sind alle auch auf den Heimgebrauch ausgelegt. Ist kein Netzwerk vorhanden, kann man sie auch nicht nutzen. Demnach ist Bluetooth auch nach wie vor das Mittel der Wahl zur Versorgung von Kopfhörern und natürlich Bluetooth-Lautsprechern – sie sind für das Musikhören unterwegs gemacht und unterstützen eben nur Bluetooth.

Als da vielleicht einzige Alternative bleibt die Übertragung von Musik per Kabel. Das mag im Vergleich altmodisch erscheinen, sollte aber erstmal hohe Verlässlichkeit versprechen. Und verbindet man Quelle und Empfänger korrekt, also digital, etwa per USB, kann so auch HiRes-Musik übertragen werden.



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