Abbey Road Studios: ein exklusiver Besuch im legendären Studio

Die legendären Londoner Abbey Road Studios kann man für gewöhnlich nur von außen betrachten. Dank der Firma B&W öffneten sich für uns die Türen in heilige Hallen, in denen Musikgeschichte geschrieben wurde.

Abbey Road Studios

Abbey Road, das ist streng genommen nichts weiter als ein Straßenname. Er weist darauf hin, dass sich in oder an dieser Straße einmal eine Abtei befunden haben muss. Von dieser spricht aber heute niemand mehr. Bei Abbey Road denkt man unweigerlich an die gleichnamigen Studios – oder an das Album der Beatles aus dem Jahr 1969, das diesen Namen trägt und mit den dortigen Studios untrennbar verbunden ist. Die hießen allerdings damals noch gar nicht so, sondern EMI Recording Studios. Erst Mitte der 1970er-Jahre wurden sie umbenannt.

Zu der Zeit zählten Boxen der Marke Bowers & Wilkins noch nicht zum Inventar des Studiokomplexes, der zu den größten Aufnahmestudios weltweit zählt. Im Jahr 1980 war es, als ein gewisser John Bowers die imageträchtigen Tonstudios im Londoner Stadtteil City of Westminster besuchte, um seine neueste Konstruktion, den 801-Lautsprecher, vorzustellen. In der Folge gehörten die Abbey Road Studios weltweit zu den ersten, die den 801 als Monitor-Lautsprecher einsetzten – und bis heute auf die Speaker aus Worthing im englischen West Sussex setzen.

Beatles und Pink Floyd: die Instrumente der Legenden

Der historische, für die Zwecke von Tonstudios baulich angepasste Gebäudekomplex in Abbey Road Nummer 3 besteht aus drei großen Studio- und zugehörigen Abhörräumen. Nicht nur die Beatles nahmen hier unter der Ägide ihres Produzenten George Martin auf, auch Pink Floyd machte in diesen Räumen die Aufnahmen ihres Debütalbums „The Piper At The Gates of Dawn“ sowie für beinahe alle nachfolgenden Alben, darunter epochale Werke wie „The Dark Side Of The Moon“, „Wish You Were Here“ oder „The Wall“.

Instrumente, auf denen solche Alben eingespielt wurden, sind heute noch im Abbey Road Studio 2 zu sehen: das Steinway Vertegrand Upright Piano etwa, das bei Beatles-Songs wie „Penny Lane“, „A Day In The Life“ oder „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ zu hören ist. Gleich daneben steht das betagte Challen Piano, das auf „Magical Mystery Tour“ und „White Album“ der Fab Four zum Einsatz kam. Schilder weisen sogar auf Brandflecken hin; sie sollen von Zigaretten stammen, die sich einst Paul McCartney und John Lennon bei den Studio-Aufnahmen angezündet hatten.

Wie läuft eine Tour durch die heiligen Hallen ab?

All das ist bei der Studio-Tour zu erfahren, zu der Bowers & Wilkins eingeladen hatte und die wir als Medienpartner begleiten durften. Unter den gut zwei Dutzend Teilnehmern war auch André Schläppi, der Gewinner des „Goldenen Tickets“, das wir zusammen mit Sound United, dem Mutterunternehmen von Bowers & Wilkins, verlost haben. „Jeder Raum, jedes Musikinstrument und natürlich das ganze Aufnahmeequipment in den Abbey Road Studios atmen Geschichte“, zeigte sich der Schweizer HiFi-Fan höchst beeindruckt.

Die Aufnahmen, die ab den 1980er-Jahren in den Abbey Road Studios entstanden, erklingen in den Abhörräumen über Lautsprecher von Bowers & Wilkins. Mittlerweile ist man mit den 801-D4-Modellen bei der vierten Generation des ursprünglichen Modells angelangt. Das gibt einen Hinweis darauf, dass – obwohl etwa im Studio penibel darauf geachtet wird, alles möglichst originalgetreu im Zustand der Beatles-Ära zu lassen – die Zeit auch hier nicht stehen bleibt. Natürlich wird auch heute in den Abbey Road Studios aufgenommen, gemixt und gemastert.

In Studio 2 steht, neben den Instrumenten aus Beatles-Zeiten, auch das Mischpult aus der damaligen analogen Epoche als Ausstellungsstück, ein EMI TG12345. Die Toningenieurin Marta Di Nozzi, die im Rahmen der Abbey-Road-Studiotour einen Einblick in ihre Arbeit gibt, hat dagegen ganz selbstverständlich ein Laptop neben dem heutigen digitalen Mischpult stehen, Modell Neve 88 RS mit 60 Kanälen. Anhand eines aktuellen Projekts spielt Di Nozzi der Gruppe vor, wie ein Flügel mit acht verschiedenen Mikrofonen aufgenommen wurde, und erläutert, was ihr bei Aufnahme und Mischung wichtig ist.

Präzise statt schön: der Anspruch im Abhörraum

Der Abhörraum von Studio 2, in dem Di Nozzi zu dem Zeitpunkt arbeitet, solle den Klang nicht möglichst „schön“ machen, sondern präzise und nah am Original, fasst Andy Kerr, der Director of Product Marketing bei Bowers & Wilkins, es zusammen. „Es ist, so würde ich es sagen, nicht immer eine freundliche Version des Klangs. Es ist vielleicht eher eine ehrliche Version“, so Kerr. Dazu würden die Boxen von Bowers & Wilkins beitragen, man sei sehr empfänglich für Feedback aus dem Hause Abbey Road. Nicht ohne Grund dauert die Partnerschaft mit den Abbey Road Studios schon seit Jahrzehnten an.

Außer Marta Di Nozzi arbeiten noch 18 weitere Toningenieure und -ingenieurinnen in den Abbey-Road-Studios. Daneben gibt es noch eine Riege von zehn Mastering-Engineers. Denn einen großen Teil der Arbeit nimmt heute das (Re-)Mastering ein. Im Wandel der Zeit hat sich die Technik in den Studios von den früheren, eher klassischen Aufnahme-Set-ups zu einem hochflexiblen, digitalen Hybridbetrieb entwickelt. Heutzutage kommen in den legendären Studios neben klassischer Aufnahmetechnik auch moderne Filmton- und Postproduktions-Technik wie Dolby Atmos, 4K-Projektion, hybride Mischpulte und mehrere „Pro Tools“-Audiosoftware-Systeme zum Einsatz. Wer sich für Details zu den eingesetzten Konsolen, Lautsprechern und Mikrofonen interessiert, findet diese auf der Website der Studios, www.abbeyroad.com, detailliert aufgelistet.

Studio 2, das auf der von Bowers & Wilkins organisierten Tour besichtigt wurde, hat einen besonderen Nimbus, hauptsächlich wegen der Beatles, die hier ab Mitte der 1960er-Jahre ihre epochalen Alben aufnahmen. Es sei hier erwähnt, dass Studio 1 der weitaus größere Raum ist, in dem ganze Orchester Platz finden. Hier wurden unter anderem legendäre Soundtracks eingespielt, etwa von Star Wars, dem Herrn der Ringe, James-Bond-Filmen wie Skyfall oder auch den Harry-Potter-Filmen. Die Schiedmayer Celesta, auf der John Williams’ berühmtes, in allen acht Harry-Potter-Filmen zu hörendes „Hedwig’s Theme“ eingespielt wurde, steht jedoch neben bereits erwähnten Instrumenten in Studio 2.

Warum ist der Abbey-Road-Zebrastreifen weltberühmt?

Nicht nur die Musik schrieb hier Geschichte: Selbst der Zebrastreifen, über den die Beatles auf dem Coverbild des „Abbey Road“-Albums schreiten, wurde zur Bild-Ikone. Quasi rund um die Uhr belagern ihn Touristen, die sich dort in nachgestellter Beatles-Pose ablichten. Wir machten da keine Ausnahme, siehe Bild unten rechts.

Hier nun der Fun-Fact: Der heutige Zebrastreifen ist nicht mehr das Original. Dieses befand sich zu Beatles-Zeiten einige Meter weiter in Richtung Abbey Road N° 3. Durch verkehrsplanerische Eingriffe wurde der Übergang in den 1970er-Jahren verlegt. Aber was soll’s: der Legende der Abbey Road Studios tut das keinen Abbruch. Wir danken den beteiligten Firmen für die Einladung und die Möglichkeit, einmal an gleicher Stelle gestanden zu haben wie einst die Beatles.

Andy Kerr von Bowers & Wilkins im Interview

Andy Kerr gehört zum Team, das bei Bowers & Wilkins für die Entwicklung aller Lautsprecher, Kopfhörer und Wireless-Produkte verantwortlich ist. Wir sprachen mit ihm über die besonderen Klanganforderungen im Tonstudio.

Bowers & Wilkins stellt die Monitor-Boxen in den Abbey-Road-Studios. Worauf kommt’s hier primär an?

Am einen Ende der Wandlerkette steht das Mikrofon, das den Schall einfängt und in ein elektrisches Signal umwandelt. Am anderen Ende steht der Lautsprecher, der das elektrische Signal wieder in den Klang der Darbietung zurückverwandelt. Diese beiden Glieder sind unserer Meinung nach die wichtigsten im Aufnahmeprozess: den Klang dort präzise einzufangen und ihn hier präzise wiederzugeben. Daher sehen wir unsere Aufgabe darin, originalgetreu zu sein. Wir wollen den Klang in keiner Weise verändern.

Die Abbey-Road-Studios könnten jeden Lautsprecher benutzen, den sie wollen. Was ist Ihre Erklärung dafür, dass sie sich seit über 40 Jahren auf Bowers & Wilkins verlassen?

Sie wissen, dass wir ihnen zuhören, wenn sie bestimmte Dinge ansprechen, und dass wir ihre Meinung schätzen. Als wir die D3 herausbrachten und darin auf andere Technologien umstellten, gab es Rückmeldungen von Leuten hier im Haus, die die Hochtonwiedergabe zu aggressiv und zu hart fanden. Wir haben dann bei der D4 daran gearbeitet, das zu korrigieren. Ich denke, diese Beziehung basiert auf Vertrauen und Ehrlichkeit.

Die Boxen hier bei Abbey Road sind dieselben, die es im Handel gibt?

Ja, wir modifizieren den Lautsprecher nicht. Es ist ein Standardprodukt.



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