50 Jahre Knosti: Besuch bei den Profis für Vinyl-Zubehör

Vinyl-Fans kennen Knosti und die Plattenwaschmaschine Disco-Antistat der Firma gut. Zum 50. Jubiläum besuchte STEREO den Hersteller.

Knosti

Über das Schallpatten-Comeback muss man eigentlich nichts sagen, genauso wenig darüber, dass auch davor bei Musikfans noch zahlreiche Scheiben aus der Vinyl-Hochzeit schlummerten. Mitten in dieser Zeit – 1976 – startete in Oberbayern die Firma Knosti, deren Plattenreiniger Disco-Antistat bis heute ein Kultprodukt der Analog-Szene ist. Zum anstehenden 50. Jubiläum besuchten wir die Firma im 5.000-Einwohner-Örtchen Burgheim.

Hier sitzt Knosti seit 1992, gegründet wurde die Firma von Hermann Knoblich – bis heute Chef und Mastermind und vorher im Schallplatten-Vertrieb bei MPS und BASF tätig – im Nachbarort Neuburg an der Donau. Ein großer Teil der Räumlichkeiten belegt die Lagerhalle, auch Büros und die Entwicklung sind hier. Stolz tragen die Plattenwaschmaschinen und so ziemlich alle Produkte von Knosti das Label „Made in Germany“.

Die Entwicklung von Knosti seit 1976

Was kurz hinter dem Eingang des Gebäudes verdeutlicht wird, ist, wie wichtig Anpassungsfähigkeit für Knosti ist. Hier wird nämlich eine Auswahl an Knosti-Produkten – „Audio Video Zubehör“, wie früher der Claim war – präsentiert, für Vinyl, CD und mehr. Ohne immer neue Ideen und Anpassungen hätte es für die kleine Firma sicher öfter Probleme geben können. Immerhin startete Knosti in der Vinyl-Hochzeit mit Schallplatten-Zubehör wie der „Archifix“-Box und kurz darauf die Disco-Antistat. Der folgende Formate-Kampf ist bekannt: Kassette, CD, VHS, DVD. Vinyl ist quasi tot, bis auf bei einigen Audiophilen, Fans und DJs. Heutzutage sind sie alle auf dem Rückschritt oder verschwunden, während Schallplatten ein beachtliches Comeback feiern.

Also galt es über die Jahrzehnte, neues Zubehör zu entwickeln. Organisatoren für Tapes, CD-Schutzhüllen (die sich immer noch gut verkaufen!), DVD-Boxen. Nicht jedes Produkt wurde zum Hit, aber einige der pfiffigen Ideen wurden millionenfach verkauft, auch dank der Präsenz etwa bei großen Handelsketten. Als der Markt für diese Produkte schwerer wurde – große Händler stießen die Produktgruppen ab, die Nachfrage bei CDs sank, Konkurrenzdruck –, war der Vinyl-Boom der 2010er fast schon eine „Rettung“ für Knosti.

Rückkehr zur Plattenwaschmaschine Disco-Antistat

Denn man konnte sich wieder mehr auf den schon lange zum hifidelen Kultobjekt avancierten, günstigen Plattenreiniger der Marke konzentrieren. Bis heute gibt es die erste Version der „Disco-Antistat” quasi unverändert, die ähnlich beliebte, leicht teurere Version 2 hat unter anderem eine Kurbel zur einfacheren Bedienung.

Selbst die vollautomatische, Ultraschall-reinigende Version „Ultrasonic” ist mit 1.249 Euro nicht billig, überzeugte uns aber in ihrem Test mit einer gründlichen und schnellen Reinigung und ist wiederum auch nicht so teuer wie andere Waschmaschinen. Unter anderem, weil man auf Lufttrocknung setzt und so ein Bauteil spart.

Wie produziert Knosti seine Produkte?

Zudem sind die Geräte wie fast alles von Knosti aus Kunststoff, produziert im Spritzgussverfahren. Dabei wird Plastik in eine präzise vorbereitete Form gepresst. Einzelne Komponenten – wie die Wanne der Waschmaschine – werden schnell und günstig hergestellt, der Knackpunkt sind Formen dafür. Jede einzelne kostet einige Zehntausend Euro, wenn nicht mehr.

Das Team von Knosti selbst besteht im Kern aktuell aus sechs Personen, inklusive Mastermind Knoblich. Die Herstellung der Einzelteile erfolgt bei sorgfältig ausgesuchten Partnerfirmen in den verschiedensten Teilen Deutschlands. Das Kunststoff-Spritzgussverfahren übernimmt eine Spezialfirma in Eichenzell bei Fulda, mit der Knosti seit seiner Gründung zusammenarbeitet. Die Elektronik für den Disco-Antistat Ultrasonic etwa wird in Nürnberg gefertigt, für das Thema Holz (z.B. die Holzversion der Archifix-Box) hat man eine Partnerfirma im Bayerischen Wald.

Sonderfall ist die „Ultrasonic”-Variante des Disco Antistat. Diese wird komplett von Hand in Burgheim aus den jeweiligen Einzelteilen zusammengebaut. Diesen Schritt will man für ein hohes Level der Qualitätssicherung „in-house“ erledigen, von routiniertem und fachkundigem Personal. Das Ergebnis: Man gibt voller Vertrauen drei Jahre Garantie und hat äußerst selten Reparaturfälle. Falls es doch dazu kommt, kann das erfahrene Team die Waschmaschinen schnell reparieren. Ein weiterer Vorteil von „Made in Germany“: So ziemlich alle Einzelteile, etwa einer Plattenwaschmaschine, liegen im Lager bereit, damit Kunden diese nachbestellen können.

Auch wenn 50 Jahre ein beachtlicher Meilenstein sind, scheint Knosti nach vorne zu denken. Erstmal wird 2026 das Jubiläum noch mit ein paar Aktionen gefeiert, allen voran die Jubiläums-Version der Ultrasonic-Maschine: streng auf 50 Exemplare limitiert, nummeriert und präsentiert in einer Holzkiste. Über neue Ideen und Produkte will Knoblich nichts verraten – nur, dass eben auch Neues in Entwicklung ist und die Ideen dafür aus allen Richtungen kommen – und manchmal ganz zufällig entstehen.

Interview mit Knosti-Gründer Hermann Knoblich über seine Plattenwaschmaschine und die Zukunft

Wie kam es überhaupt zur Plattenwaschmaschine?

Knoblich: Das kam aus der Zeit vom Nass-Abspielen von Schallplatten. Damals gab es ein Reinigungsmittel, das lief über einen eigenen Tonarm mit auf der Platte, damit die statische Aufladung durch die Nässe beseitigt wurde. Auch nach dem Abtrocknen haben sich Feuchtigkeitsreste auf der Platte befunden. Wenn man dann die Platte noch mal trocken abspielen wollte, hat’s furchtbar geknistert. „Einmal nass abspielen, immer nass abspielen.“ Da dachte ich: Das darf doch nicht sein, ich will die Platte trocken abspielen. Das war die Entscheidung, wir müssen ein Reinigungsgerät erfinden, was die Möglichkeit hat, dass ich die Platte richtig sauber kriege und wieder abwaschen kann. Das war die Erfindung vom Schallplattenwaschgerät. Da kam vorher niemand drauf.

Was macht die Knosti-Waschmaschine besonders?

Knoblich: Bei uns wird die Schallplatte nicht im Gerät getrocknet. Wir sind bei der Methode geblieben, dass man die Platte aus dem Bad nimmt und sie zum Trocknen in den Ständer stellt. Es ist ganz einfach: Eine Trocknung im Gerät ist nichts anderes als ein Gebläse. Deren Geräusch ist störend, etwa wenn ich nebenbei noch eine Schallplatte hören will. Unser Gerät ist flüsterleise, das war mir immer wichtig. Dazu gibt es die Gefahr, dass durch das Gebläse eventuell Staubpartikel auf die Platte kommen. Wir gehen deswegen davon aus, dass es besser ist, wenn die Platte an der Luft trocknet. Wir haben durch die Reinigungsflüssigkeit ein Antistatikum, sodass bei der Lufttrocknung kein Staub haften bleibt. Dazu kommt: Der Reinigungsvorgang dauert bei uns zwischen einer und fünf Minuten. Dann nehme ich die Platte raus, stelle sie auf den Trocknungsständer und kann die nächste Platte reinigen, anstatt auf die Trocknung zu warten. Wenn der Ständer voll ist, ist auch meist die erste Platte wieder trocken, das dauert nach Luftfeuchtigkeit zwischen sieben und zehn Minuten.

Wie geht es für Knosti weiter?

Knoblich: Wir wollen den Handel im Ausland erreichen. Wir sind in Deutschland, glaube ich, sehr gut bekannt. Im Ausland sind wir noch deutlich unterrepräsentiert. Es gibt Länder wie die USA, da ist die Schallplatte deutlich weiter als bei uns. Oder denken Sie an Indien, da wird es sicher ein paar Millionen Leute geben, die auch Schallplatte lieben und pflegen wollen. Da hilft es enorm, dass es heute technische Mittel gibt, die wir früher eben nicht hatten, sei es Software oder Informationsmöglichkeiten per E-Mail oder Social Media.

Wie wichtig sind dann klassische Formate wie Messen?

Knoblich: Wir sind ziemlich „Messe-faul“, auch wenn wir in den 80ern auf allen Messen waren. Dann war irgendwann für uns Schluss, weil wir unser Geld lieber in Produkte stecken, in neue Spritzgussformen und neue Innovationen. Aber auf der „High End“ in München war einer unserer großen niederländischen Händler, der einen Stand hat und unsere Produkte sehr ausführlich zeigte. Und das auch auf der „High End“ in Wien machen wird.



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