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23.09.2017

Beendet Tidal den Loudness war?

Eelco Grimm auf der Technologiebühne

Ein weiteres interessantes Thema auf der Technologiebühne der High End: Eelco Grimm von Grimm Audio begann seine Präsentation mit der steilen These, dass Musik-Streaming-Dienste wie Tidal den jahrzehntelangen „Loudness War“ beenden werden, also die gnadenlose Dynamik-Kompression, um Musik möglichst laut klingen zu lassen. Wie das? Weil Streaming auf dem Vormarsch ist und die Streaming-Dienste in den Metadaten jedes Tracks Informationen zur Lautheits-Normalisierung übertragen, auch bekannt als „Replay Gain“. Das bedeutet: Stark komprimierte Songs werden bei der Wiedergabe im Pegel entsprechend abgesenkt – sofern in der Player-Software die Lautstärke-Normalisierung aktiviert ist. Damit verlieren sie aber ihren vermeintlichen Lautstärke-Vorteil und klingen jetzt erst recht dünn und platt. Mithin verlieren die Labels bei der Produktion das Interesse an der starken Dynamikkompression und werden uns künftig wieder Musik mit mehr dynamischen Pegelspitzen servieren. Grimm hat im Auftrag von Tidal das Thema Lautheits-Normalisierung untersucht und kommt zu folgendem Resümee: Die Streaming-Dienste sollten die Normalisierung in ihren Apps standardmäßig aktivieren (was Spotify und Youtube bereits tun, Tidal und Apple Music aber nicht), und er empfiehlt für die stationäre Nutzung einen Lautheits-Zielwert von -18 LUFS ("LUFS" ist der Lautheitswert gemäß EBU). Am Smartphone könnte das aber zu leise sein, weshalb er dort einen Wert von -14 LUFS empfiehlt. Tidal hält sich genau an diese Werte, während Apple Music auf Smartphones auf -16 LUFS normalisiert, Youtube auf -13 LUFS und Spotify auf -12 LUFS. Es sei allerdings nicht sinnvoll, jeden einzelnen Track auf diesen Wert anzupassen, denn schließlich soll ein Chor mit großem Orchester lauter klingen als Solo-Gesang mit Gitarre. Man solle deshalb jene Lautheitsunterschiede, die Künstler und Toningenieur bei der CD-Abmischung gewählt haben, beibehalten. Also Album-basiert statt Track-basiert normalisieren. Das führe zu einem subjektiv ausgewogenen Lautstärkeempfinden – auch wenn Streaming-Nutzer meist querbeet via Playlist Musik hören und eher selten ganze Alben am Stück. Die komplette Präsentation von Eelco Grimm – wie auch die anderen Vorträge von der Technologiebühne – können Sie in Kürze auf www.highendsociety.de abrufen.

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