Das macht schon der Fluch im Albumtitel deutlich, der auf die patriotisch-kitschige Bilderwelt von Malerikone Norman Rockwell (1894-1978) verweist. Explizit tritt die mittlerweile gebrochene Beziehung zu „God’s own country“ auch in mehreren Stücken über Lana Del Reys Wahlheimat Kalifornien hervor. In „Mariners Apartment Complex“, dem knapp zehnminütigen „Venice Bitch“ und „California“ kratzt die Künstlerin am Image des Westküsten-Sonnenstaats und dessen Verlockungen. „The Greatest“ schließlich handelt unverblümt von der neuen US-Wirklichkeit im Zeitalter des Klimawandels („LA’s in flames, it’s getting hot“).
Mit Grammy-Gewinner, Produzent und Co-Autor Jack Antonoff (Sara Bareilles, Lorde, Taylor Swift) hat die Sängerin die passende Klanggestaltung für ihre „Amerikastudien“ ausgetüftelt. Ihre Musik hat nach wie vor eine ausgeprägte filmische Qualität, doch diesmal wurde ihr Soundmix aus Softrock, Psychpop und Breitwandballaden in den meisten Fällen betont spärlich instrumentiert. Vom konventionellen Songformat bewegt sie sich hin zu epischen Melodramen, zu komplexeren Strukturen.
Harald Kepler
Lana Del Rey | Norman Fucking Rockwell!
Der Mythos USA lässt Lana Del Rey nicht los. Doch während sie auf früheren Platten in nonchalanten Nostalgiereferenzen die Mode der 50’s und 60’s, den Glamour von Hollywoods Vergangenheit und überhaupt die Existenz unter Stars and Stripes verklärte, nimmt auf dem vorzüglichen sechsten Studioalbum der „American Dream“ nun eine entschieden dunklere, desillusionierte, bisweilen sogar dystopische Ausprägung an. Ihr Verhältnis zum „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ hat wohl einen Riss bekommen.

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Lana Del Rey Norman Fucking Rockwell! Polydor/Universal