Musik-Rezensionen: die besten Alben aus Pop, Jazz, Klassik

Crown Of Roses PopSonstigesSinger-Songwriter

Crown Of Roses

Patty Griffin

Ein frühreifes Wunderkind der Singer-Songwriter-Zunft war Patty Griffin nicht. In dem Gewerbe versuchte sie sich erstmals, nachdem ihre Ehe in die Brüche gegangen war und sie ein gewisses Talent in besagter Disziplin entdeckte. Ihr großes Glück war zweifellos, dass sie für jedes der Langspielprojekte – auch das mit dem Grammy ausgezeichnete Gospelalbum „Downtown Church“ – kongeniale Produzenten und hervorragende Tonmeister fand. Die Zusammenarbeit mit denen gestaltete sich nicht zuletzt deswegen so problemlos, weil sie für jedes neue Album Songs von konstant hohem Niveau mitbrachte. Sechs Jahre nach dem Meisterwerk „Patty Griffin“ und vier nach der Outtakes-Sammlung „Tape“ präsentiert „Crown of Roses“ ganze acht neue Kompositionen, die erste typisch für ihr Selbstverständnis als Songwriter in den Versen „It don’t mean a thing if you can’t feel your heart / You might lose everything / Spend years in the dark“. Die Pandemie inspirierte möglicherweise die apokalyptischen Visionen der folgenden Songs, „Born In A Cage“ über eine Welt, in der die Vögel sehr rasch komplett verschwinden, „The End“ über eine Welt, mit deren Landschaften sie fremdelt. In „Long Time“ ist die Welt ein Tal der Verzweiflung. Die Songs erzählen keine Geschichten, sie skizzieren knapp Porträts von Menschen wie in „Way Up To The Sky“ das einer Mutter „with too many kids to handle“. Andere sind wie „The End“ auf der Suche nach ihrer wahren Bestimmung und Sinn – oder auf der Suche nach der endgültigen Heimat, von der sie in „All The Way Home“ gesteht, die habe sie noch nie gekannt. Wie die meisten ihrer Platten bislang lässt sich auch dieser neue Songzyklus stilistisch praktisch nicht auf einen Begriff reduzieren, der die unverhohlen ambitionierte Songpoesie knapp und präzis charakterisieren würde.

Musik: | Sound:

PGM Recordings

10.07.2025 | Rezensent: Schöler, Franz

Enable Notifications OK No thanks