Musik-Rezensionen: die besten Alben aus Pop, Jazz, Klassik

Blue Morpho PopFolkPsychedelic-Folk

Blue Morpho

Ed O’Brien

Bei Radiohead an der Gitarre jahrzehntelang schon zuständig für das atmosphärisch effektvolle Ambiente, war Ed O’Brien gleichwohl nie ein typischer Vertreter des Ambient-Genres. In ihrem Impressionismus kam die Komposition „Brasil“ auf seinem Solodebüt „Earth“ dem noch am nächsten. Laut einer Kritikerin „herzzerreißend“ klang dort das zu akustischen Gitarren und im Duett mit Laura Marling gesungene Liebeslied „Cloak Of The Night“. Das war die konventionellste Produktion des ganzen Albums mit ihrer Mischung aus Alternativ-Rock und Punk/Funk, Folk und Bossa Nova. Die sehr persönlichen Texte betrachtete O’Brien als sein Gospelalbum, die Confessiones das erste einer geplanten Trilogie. Die Songs zu „Blue Morpho“ sind kaum weniger intim in ihren privaten Bekenntnissen, geschrieben in einer Phase tiefer Depressionen. Der Titelsong ist ein eine Meditation über den Morpho, einen in tropischen Regionen von Mittel- und Südamerika vorkommenden Schmetterling mit an der Oberseite blaumetallisch gefärbten Flügeln. Im Lauf von vier Jahren komponiert, dann produziert von dem für seine Arbeit mit Paul McCartney, Adele und Florence and the Machine bekannten Paul Epworth, sind manche der Songs, wie der Songtitel „Incantations“ signalisiert, magische Beschwörungen, die Psych-Folk-Etüden wie „Solfeggio“ von OÆBrien öfter impressionistisch und dabei instrumental sehr effektvoll arrangiert. Synthetische Klänge, Bass und Schlagzeug dominieren in den Abmischungen mehr als akustische oder E-Gitarren. Das Lob vieler Kritiker für sein Solodebüt hat er sich bei den neuen Aufnahmen definitiv nicht zu Herzen genommen. Die fanden nämlich, dass er sich dort ganz besonders als unerwartet guter Sänger profiliert habe. Epworth verfremdete sie bei den Aufnahmen zu „Blue Morpho“ oft ganz beträchtlich.

Musik: | Sound:

Transgressive

11.05.2026 | Rezensent: Schöler, Franz

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