PopPop
Sains et saufs
Zaz
Wenn Zaz ihre Emotionen in ihren Songs einfängt, ist das einfach nur schön. Die Französin schwelgt nicht bloß in Erinnerung, sondern analysiert, wie das, was sie erlebt hat, sie zu dem Menschen gemacht hat, der sie heute ist. Ob der Tod ihres Vaters oder persönliche Krisen, alles ist in ihre Stücke eingeflossen. Die nachdenklich-introspektive Single „Je pardonne“ bemüht sich um Versöhnung. Nicht nur mit anderen möchte Zaz ins Reine kommen, vor allem auch mit sich selbst. Sie singt: „Ich vergebe, um zu vergessen / um zu atmen / um aufzuhören, in meinen Wunden zu lecken.“ So gelingt es ihr, die Turbulenzen des Lebens mit einem Lied zu glätten. Musikalisch nimmt die Sängerin ihren Platz zwischen Chanson, Pop, Folk und Jazz ein. Verschleppte Pianoklänge eröffnen die Ballade „J’imagine que tu sais“. Allein in dieser Nummer tritt Zaz‘ Stimmgewalt deutlich hervor – ungezügelt, expressiv, emotional, mal laut, mal leiser, immer unverwechselbar. Im dynamischen „Mon cœur tu es fou“ schwellen die Gitarren an, die Mittvierzigerin beklagt, dass sie nicht weiß, was sie will. In „Aux Pays des Merveilles“ regiert anfangs Melancholie, bevor der Sound einen Haken zum Epischen schlägt. Das traurige „Que des liens“ ist ohne Frage ein Abschiedslied, das einen zu Tränen rühren kann. „On peut comme ça“ hat einen fiebrig-unruhigen Rhythmus, zuweilen sprudeln Jazzanleihen hervor. „La flamme“ modernisiert den Chanson, es kommt flotter als gewohnt daher. „Sains et saufs“ zelebriert im Midtempo Vielfältigkeit mit folgenden Sätzen: „Wir passen nicht in Schubladen / Wir sind nicht gemacht, um im Käfig zu leben. / Wir sind nicht gleich, wir sind verrückt.“ Zaz trägt ihr Herz eben auf der Zunge, daran hat sich zum Glück auf ihrem sechsten Album nichts geändert. Bis heute ist sie eigenwillig und unangepasst – gerade das zeichnet sie aus.
Musik: | Sound:
Tôt ou tard11.08.2025 | Rezensent: Leischow, Dagmar