Musik-Rezensionen: die besten Alben aus Pop, Jazz, Klassik
PopPop
Man’s Best Friend
Sabrina Carpenter
Wenn Taylor Swift nicht aufpasst, könnte Sabrina Carpenter in näherer Zukunft auf der Überholspur an ihr vorbeiziehen. Wie ihre Kollegin, mit der die Amerikanerin bereits getourt ist, arbeitet sich die Sängerin in ihren Texten gern an ihren Verflossenen ab – allerdings mit mehr Sarkasmus, gepaart mit provokanten Sätzen oder auch Gesten. Das Cover für ihr Album „Man’s Best Friend“ sorgte im Vorfeld für viel Wirbel und auch Verärgerung. Der Grund: Die 26-Jährige kniet vor einem Mann auf allen Vieren, er hat ihren Haarschopf gepackt. Damit habe die Künstlerin dem Feminismus keinen Dienst erwiesen, wetterte einige Frauen. Sie witterten Sexismus. Wer sich aber in Sabrina Carpenters Musik vertieft, wird unweigerlich registrieren: Ihre Songs leben vom Kontrast zwischen zuckersüßem Pop und messerscharfen Worten. Mit lieblicher Stimme teilt sie in „Manchild“ heftig gegen ihren Ex und dessen Mutter aus. „Tears“ liefert eine Synthese aus Funkelementen und K-Pop-Melodien. „Never Getting Laid“ lädt dazu ein, zu 80er-Jahre-Soul zu schwofen. „When Did You Get Hot“ zelebriert Erotik mit flirrendem Electro-Pop und laszivem Sprechgesang. „Goodbye“ hat einen Retro-Touch à la Abba. Stilbrüche sind ein Markenzeichen von Sabrina Carpenter. Musikalisch flicht sie mal eine Prise Country ein, mal R ’n’ B oder Disco ein, während sie selbstbewusst sexuelle Selbstbestimmung feiert und mit humorvollen Zeilen dem Trübsinn ein Lächeln abringt. Man muss nicht lange raten, wer ihre Heldinnen sind: Von Taylor Swift hat sie einiges gelernt, anderes hat sie sich bei Christina Aguilera abgeguckt. Der „Go Go Juice“-Sound verströmt einen dezenten Dolly-Parton-Vibe. Eklektizismus gehört bei Sabrina Carpenter eben zum guten Ton. Im Mainstream ist sie damit längst auf Erfolgskurs und definiert die Popszene durchaus mit. Ein weiterer Schritt nach vorne.
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15.09.2025 | Rezensent: Leischow, Dagmar