Musik-Rezensionen: die besten Alben aus Pop, Jazz, Klassik
PopPopElectro-Pop
Virgin
Lorde
Schon nach wenigen Takten ist klar: Lorde kehrt mit ihrem neuen Album zum Elektro-Pop zurück. Dabei ist vor allem der metallische Scheppern der Synthesizer bemerkenswert. Gewiss ist es kein Zufall, dass der Opener ausgerechnet „Hammer“ heißt. Unheilschwangere Beats flirren umher, während die neuseeländisch-kroatische Sängerin verkündet: „Some days, I’m a woman, some days, I’m a man, oh.“ Spätestens mit diesem Satz kristallisiert sich heraus, worum es auf „Virgin“ geht: um Identitätsfindung. Auch wenn die 28-Jährige weiterhin weibliche Pronomen für sich benutzt, scheint sie doch irgendwie zwischen den Stühlen zu sitzen. An manchen Tagen fühlt sie sich feminin, an anderen maskulin. Vertieft wird diese Erfahrung in „Man Of The Year“: Musikalisch präsentiert sich dieses Stück im ersten Teil als filigrane Ballade, verfeinert mit der akustischen Gitarre, bevor es Fahrt aufnimmt und schließlich im Synthie-Pop mündet. Eine intensive Klangreise! Im Text geht es um nicht weniger als einen Schlüsselmoment: Zum ersten Mal erfährt Lorde, wie es sich anfühlt, wenn sich das Maskuline plötzlich seinen Weg aus ihr heraus bahnt. Ganz am Schluss deklariert die Musikerin mit der Nummer „David“ ihre Unabhängigkeit, sie scheint endlich bei sich angekommen zu sein. Von der Tristesse geht da eine Tür auf zur Selbsterkenntnis, getragen zunächst von Lordes purem Gesang, den später elektronische Elemente untermalen. Man staunt darüber, wie diese Künstlerin immer wieder Gegensätze vereinigt und dabei auch noch Atmosphäre schafft. Manchmal treffen rohe Beats auf warme Streicher oder Gitarren, stets gehen solche Experimente auf. Spätestens bei diesem Album begreift man, warum Lorde längst ein Weltstar geworden ist. All ihre neuen Songs sind herausragend, sie lassen den langweiligen Mainstream einfach links liegen. Ein großes Geschenk!
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UniversalListen on:
08.07.2025 | Rezensent: Leischow, Dagmar