Musik-Rezensionen: die besten Alben aus Pop, Jazz, Klassik

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Pulp

Pulp sind immer wieder gut für ausufernde Songs. Jedes ihrer elf Lieder übersteigt die Drei-Minuten-Marke. Der quirlige Opener „Spike Island“ ruft Erinnerungen an die 90er-Jahre wach. Damals war die Band um Frontmann Jarvis Cocker ein leuchtender Stern am Britpop-Himmel. Aber auch nach ihrer zweiten Wiedervereinigung weiß sie noch zu glänzen. Unverkennbar ist, dass die Musiker immer wieder Streicher in ihre Stücke einbauen. Dabei geraten sie erstaunlicherweise kein einziges Mal in das Fahrwasser des Kitsches. Wenn Jarvis Cocker seiner alten Flamme „Tina“ gedenkt, beschwören nervöse Streicher eine unheilschwangere Atmosphäre herauf. Gitarrenriffs und ein treibendes Schlagzeug schubsen „Grown Ups“ in Richtung Alternative-Rock, während der Sänger über das Erwachsenwerden philosophiert. „My Sex“ hat einen lasziven Touch, im lieblichen „A Sunset“ übernimmt Brian Enos Familie den Chorgesang. In „Background Noise“ kreischen die Synthesizer. Das meditative „Partial Eclipse“ scheint am Schluss in den Orbit abzudriften. „Farmer’s Market“ geht zurück zu der Zeit, als Cocker seine Frau kennengelernt hat. Gerade in dieser Nummer demonstriert er, was sein bebender Bariton alles kann: Mal flüstert er, mal sprechsingt er, plötzlich entlockt er seinem Gesang eine Expressivität, die ihresgleichen sucht. Unterdessen wächst ein elektronisches Klavier mit den Streicharrangements zusammen. In „Hymn Of North“ befasst sich Cocker damit, dass sein Sohn allmählich flügge wird: „So don’t forget you’re not alone“ gibt er ihm mit auf den Weg. Was als Ballade startet, schlägt einen Haken zur Opulenz und mündet in einer massiven Wall of Sound. Zwischen Britpop, Artr- und Alternative-Rock weiß Pulp auf seiner Spielwiese zu brillieren. Man hat die Musik für die Gegenwart aufbereitet, ohne dabei alte Fans zu verschrecken.

Musik: | Sound:

Rough Trade

07.05.2025 | Rezensent: Leischow, Dagmar

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