Espanoletas KlassikRenaissanceRenaisssance

Espanoletas

Concierto Iberico

Musik der Stadtpfeifer um 1600 spielt im heutigen Musikleben kaum eine Rolle. Dabei waren die Ministriles – wie sie in Spanien hießen – meist festangestellte Künstler einer Stadt und damit die Vorläufer von Musikern der städtischen Sinfonieorchester. Anders als heute beherrschten sie virtuos mehrere Instrumente, und sie komponierten auch. Eine Blütezeit ist das sogenannte „siglo de oro“ in Spanien, das Goldene Zeitalter (1550–1660). Dieser Epoche widmet sich das 2017 gegründete Ensemble Concierto Ibérico. Mit Antonio de Cabezón, Diego Ortiz oder Antonio Martín y Coll, dem Franko-Flamen Tielman Susato oder den Deutschen Samuel Scheidt und Michael Prätorius wirft man einen Blick zurück ins Musikleben spanischer Städte. Die Ministriles traten auf freien Plätzen auf, sie schmetterten von Türmen, sie hatten in Kirchen oder Rathäusern aufzuspielen, zu Festen, aber auch, um vor Gefahren zu warnen. Wie damals spielen die Musiker dieses Albums mehrere Instrumente und das auf allerhöchstem Niveau. Da sind etwa die perfekt intonierende Zinkenistin Anna Schall, der virtuose Posaunist und Ensemble-Leiter Juan Gonzáles Martínez oder die mit warmem Ton verzaubernde Ester van der Veen auf dem Dulzian (Renaissance-Fagott) sowie die fantasievolle Perkussionistin Nora Thiele. Die Stilistik der Musik und die Instrumente formen bei den 22 Titeln einen charakteristischen Klang. Doch von Werk zu Werk ist für Kurzweil gesorgt. Sei es durch die Instrumenten-Kombinationen, durch Wechsel der Rhythmik, durch die volle Besetzung oder Ausdünnung des Tonsatzes. Ein wunderbares, genau und leidenschaftlich gearbeitetes Album.

Musik: | Sound:

Perfect Noise

27.12.2022 | Rezensent: Richter, Elisabeth