Musik-Rezensionen: die besten Alben aus Pop, Jazz, Klassik
KlassikModerne
Vaughan Williams: Symphony No. 5 in D Major – Finzi: Clarinet Concerto, Op. 31
Michael Collins,Philharmonia Orchestra
Ralph Vaughan Williams widmete seine 1943 uraufgeführte fünfte Sinfonie dem von ihm verehrten Jean Sibelius. Eine vertonte Widmung gewissermaßen, denn der langsame Satz mit seinem einleitenden Englischhorn-Solo wirkt wie eine musikalische Fortführung von Sibelius’ Orchesterlegende „Der Schwan von Tuonela“. Mit Frederick Thurston, einem der herausragenden britischen Klarinettisten seiner Zeit, hat auch Gerald Finzis Klarinettenkonzert einen Widmungsträger. Das Werk wurde von Thurston unter Finzis Leitung 1949 in Hereford uraufgeführt. Der wunderschön pastoral-lyrisch geführte Klarinettenpart bewegt sich über einem meisterhaft eingesetzten Streichorchester. Als Klarinettist zählt Michael Collins zu den prominentesten Vertretern seines Fachs, in den letzten Jahren hat er sich auch als Dirigent einen Namen gemacht. Zu Recht, wie die vorliegende Produktion zeigt. In Vaughan Williams fünfter Sinfonie gelingt es ihm vor allem, die unter der scheinbar ausgeglichenen Oberfläche angesiedelten harmonischen Spannungen und Dissonanzen plastisch herauszuarbeiten und das bestens disponierte Orchester mit großem, rundem Gesamtklang aufspielen zu lassen. Besonders reizvoll ist dabei die liebevolle Herausarbeitung der solistischen Bläsergruppen. In Finzis Klarinettenkonzert zeigt sich beim Vergleich mit seiner Aufnahme aus dem Jahre 1987, wie sich Collins seiner Linie über fast vier Jahrzehnte treu geblieben ist: Mit delikatester Tongebung gelingen ihm selbst heikelste Bindungen ins hohe Register. Bewundernswert, wie er zudem in den schier endlosen Melodiebögen des zweiten Satzes die Spannung hält.
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14.10.2020 | Rezensent: Arnold, Holger