Musik-Rezensionen: die besten Alben aus Pop, Jazz, Klassik
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Friedrich Gulda Edition
Friedrich Gulda
Sein Mozart, vor allem aber sein Beethoven sind legendär. Friedrich Gulda (1930 – 2000) spielte die Sonaten des Salzburgers schnörkellos, unsentimental, die des Bonner Titanen mit jenem genialen Touch, den nur die Größten fertigbringen, mit einer technischen Meisterschaft, die es ihm erlaubte, inmitten virtuosen Feuerwerks musikalische Details hörbar zu machen, die bei anderen verborgen blieben. Zwei vollständige Zyklen der Beethoven-Sonaten enthält die Gulda-Edition: Der erste entstand 1950 bis 1958 für Decca, der zweite – wesentlich bekanntere – 1967 für Amadeo. Bei allen Unterschieden zeigt sich: Schon der 20-jährige Gulda war ein Beethoven-Interpret ersten Ranges, der Mittdreißiger hat das Bild allenfalls noch etwas geschärft. In den 1950ern machte Gulda für Decca weitere Aufnahmen des klassischen Klavierrepertoires, darunter die „Préludes“ von Chopin und jene von Debussy, die er in seinem durchsichtig strukturierten Stil ohne impressionistischen Nebel darstellte. Auch von dem Debussy folgte später ein Remake bei Amadeo – eine mit ihrem sehr direkt aufgenommenen Klavierklang eine der erhellendsten Wiedergaben dieser Werkgruppe überhaupt. Andere Höhepunkte von Guldas Diskografie sind vier Mozart-Klavierkonzerte mit den Wiener Philharmonikern unter Claudio Abbado (für die Deutsche Grammophon) und das komplette „Wohltemperierte Klavier“ (für Philips). Gulda wäre freilich nicht Gulda, hätte er nicht seine berühmten Exkursionen in die improvisierte Musik unternommen: die Klangexperimente mit der Performance-Künstlerin Limpe Fuchs etwa und besonders seine Auftritte im Jazzmilieu, wo er im Trio, Sextett oder Bigband mit höchst angesehenen Partnern spielte – immer pianistisch brillant und fast so, als hätte er nie etwas anderes gemacht.
Musik: | Sound:
Deutsche GrammophonListen on:
09.01.2026 | Rezensent: Friesenhagen, Andreas