Musik-Rezensionen: die besten Alben aus Pop, Jazz, Klassik
KlassikBarock
Beethoven’s World: Salieri, Hummel, Vorisek
Reinhard Goebel,Mirijam Contzen,WDR Sinfonieorchester,Herbert Schuch
Es war eine gute Idee von Reinhard Goebel, den zahlreichen Veröffentlichungen im Beethoven-Jahr nicht noch einen weiteren Sinfonien-Zyklus hinzuzufügen, sondern sich konsequent mit den (zu) wenig gespielten Zeitgenossen des Jubilars auseinanderzusetzen. Und wie groß die stilistische Spannbreite von deren Werken sein kann, zeigt diese dritte Folge von „Beethoven’s World“ aufs Schönste. Das früheste Werk, ein 1804 komponiertes Doppelkonzert für Violine und Klavier des damals 26-jährigen Franz Hummel, zeigt den Komponisten als gelehrigen Schüler Mozarts. Was dem Werk an stilistischer Eigenständigkeit fehlen mag, macht es durch Frische der Thematik und Unbekümmertheit des Ausdrucks wett – beides mustergültig in Szene gesetzt von den Solisten Mirijam Contzen und Herbert Schuch. Salieris „La Follia“-Variationen dirigiert Reinhard Goebel regelmäßig. Wie nicht anders zu erwarten, hat er die komplette Version eingespielt (mit 26 statt 25 Variationen), und er bleibt dem Werk nichts schuldig – weder seine für die Entstehungszeit (1815) außergewöhnliche Farbenpracht noch den theaterhaften Gestus. Den Höhepunkt bildet die D-Dur-Sinfonie des früh verstorbenen Böhmen Jan Václav Vorisek – ein Meisterwerk, das bereits in die Romantik vorausweist. Viele frühere Aufnahmen des Werks sind nicht mehr erhältlich, doch Reinhard Goebel braucht ohnehin keine Konkurrenz zu fürchten. Er erweist sich als kompetenter, vor allem aber inspirierter Sachwalter des Werks – mit einer temperamentvollen, spannungsgeladenen, aber nie ruppigen Interpretation der lohnenswerten Partitur; das WDR Sinfonieorchester erweist sich dabei als idealer Partner.
Musik: | Sound:
Sony ClassicalListen on:
14.10.2020 | Rezensent: Schulz, Thomas