Musik-Rezensionen: die besten Alben aus Pop, Jazz, Klassik

Alban Berg Ensemble Wien KlassikBarock

Alban Berg Ensemble Wien

Alban Berg Ensemble Wien

Keine geringere Institution als die Alban-Berg-Stiftung selbst verlieh dem Alban Berg Ensemb­le Wien den klingenden Namen. Gegründet wurde es 2016 von den vier Streichern des Hugo-Wolf-Quartetts sowie von Ariane Haering (Klavier), Silvia Careddu (Flöte) und Alexander Neubauer (Klarinette). Das Programm für ihr Debütalbum hätten sich die sieben Musiker stringenter und stimmiger kaum aussuchen können. Drei fast zeitgleich (um 1910) entstandene Werke erklingen hier in Bearbeitungen für Kammer­ensemble. Das Arrangement der Kammersymphonie stammt aus der Feder von Schönbergs Schüler Anton Webern; die Werke von Mahler und Strauss hat der britische Komponist Martyn Harry eingerichtet. In dem 1918 auf Initiative von Arnold Schönberg gegründeten „Verein für musikalische Privat­aufführungen“ war es damals gängige Praxis, selbst riesig besetzte Werke (auch) aus didaktischen Gründen in „schlanken“ Fassungen zu spielen. So gesehen, steht das Ensemble mit seinen Darbietungen in einer illustren
Traditionslinie. „Eine Bearbeitung erlaubt im Idealfall einen geschärften Blick auf das Werk, sie wirkt wie ein Brennglas für Struktur und Polyfonie der Stimmen“, erklärte Cellist Florian Berner dem Verfasser dieser Zeilen gegenüber. In der Tat, selten hat man die Werke so luzide und emotional hochspannend, so bis in den allerletzten Winkel hinein ausgeleuchtet gehört. Zur großen Überraschung gerät die „Rosenkavalier“-Suite von Richard Strauss. „Trotz Melodienüberfluss und Walzerseligkeit ist dieses Stück mit seiner Wehmut und raffinierten Doppelbödigkeit ebenso auf der Höhe der Zeit“, sagt Florian Berner. Quod erat demonstrandum.

Musik: | Sound:

Deutsche Grammophon

14.10.2020 | Rezensent: Schäfer, Burkhard

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