Musik-Rezensionen: die besten Alben aus Pop, Jazz, Klassik

Unfading JazzVocal Jazz

Unfading

Simin Tander

Als Simin Tander 2014 mit ihrem zweiten Solo-Album „Where Water Travels Home“ für bis heute nachhallende Begeisterung sorgte, da begann sie sich erst an die Muttersprache ihres früh verstorbenen Vaters, eines afghanischen Journalisten, heranzutasten. Dass die zart agierende Vokalistin auf „Unfading“ nun gleich vier Poeme auf Paschtu präsentiert, erfüllt grandios alle Hoffnungen, die man damals hegte. Die Grundstimmung ihrer filigranen Songs hat sich freilich seither verschoben und ist nun dunkler, doch nie düster timbriert. Denn die Höhenflüge ihrer schwebenden Stimme, deren schmeichelnder Schmelz von rauchigen Untertönen getragen wird, stehen in feinem Kontrast zu ihren neuen Begleitern, die delikat in tieferen Lagen schwelgen. Björn Meyer, der sonst Nik Bärtschs Ronin oder das Anouar Brahem Quartet beseelt, zeichnet am E-Bass vibrierend singende Lines zum sanft pulsenden Drumming von Samuel Rohrer. Doch die spannendsten Klangfarben kommen von einer Viola d’amore, die der Tunesier Jasser Haj Youssef mal con arco, mal pizzicato erregend der hypnotischen Vokalpracht unterlegt. Was bei „Walli de Haal Ne Wayee“ – Simin Tanders Vertonung eines Gedichts der zeitgenössischen Lyrikerin Sohayla Nasrat-Nazimi – als intimer Dialog aufblüht, während „Yar Kho Laro“, ein Filmsong der 
afghanischen Sängerin Gulnar Begum aus den 60ern, von der Band fast rockig grundiert wird. Ein feines Intermezzo innerhalb der duftigen, rhythmisch spannend strukturierten Klanggespinste, deren Intensität wahrlich „unfading“, d.h. unvergänglich und farb-
echt ist. Mit Bob Dylans „The Times They Are A-Changing“ klingt diese Zauberstunde sanft aus.

Musik: | Sound:

Jazzhaus Records / inakustik

14.10.2020 | Rezensent: Thielmann, Sven

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