Musik-Rezensionen: die besten Alben aus Pop, Jazz, Klassik
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Ella: The Lost Berlin Tapes (Live)
Ella Fitzgerald
Zuächst wecken Ella Fitzgeralds bislang unveröffentlichte „The Lost Berlin Tapes“ falsche Hoffnungen. Dabei handelt es sich nicht um weitere Takes ihres sensationellen Auftritts, der im Februar 1960 rund 12.000 Besucher in der Berliner Deutschlandhalle zu Begeisterungsstürmen hinriss und auf dem Album „Mack The Knife – Ella In Berlin“ dokumentiert wurde. Das ein Jahr später am gleichen Veranstaltungsort aufgezeichnete „Ella Returns To Berlin“ war nicht ganz so erfolgreich wie der Vorgänger. Um in der Berlin-Chronik der Vokal-Diva zu bleiben: Jetzt können sich ihre Fans über den auf Platte erschienenen, verschollen geglaubten Auftritt freuen. Er wurde im März 1962 im Sportpalast mitgeschnitten und lässt keine Wünsche offen. Das beruht auf Ella Fitzgeralds Talent, mit Präzision und Klarheit stimmungsmäßig unterschiedlichste Songs aus dem Great American Song Book, Jazz-Standards und Popsongs mit unvergleichlicher Intonation, lässigem Einsatz ihres nahezu drei Oktaven umfassenden Stimmumfangs, fantastischem Rhythmusgefühl und originellen Scat-Einsätzen zu interpretieren. Bei ihrem abermaligen Berlin- Konzert war sie in Höchstform. Mit dem voll auf ihr Temperament abgestimmten Trio – dem Pianisten Paul Smith plus Rhythmiker – absolvierte sie, beginnend mit einer prächtigen Version von „Cheek To Cheek“ bis „Wee Baby Blues“ zum Abschluss, ein Programm voller Überraschungen. Ihr lautmalerisches Intro von „Cry Me A River“ ist brillant, mit „Clap Hands, Here Comes Charlie“ erinnerte sie an den Swing-Drummer Chick Webb, in dessen Orchester ihre Karriere begann, und das „Hallelujah, I Love Him So“ war für Ray Charles bestimmt. Ein magisches Konzert.
Musik: | Sound:
Verve / UniversalListen on:
14.10.2020 | Rezensent: Filtgen, Gerd