Musik-Rezensionen: die besten Alben aus Pop, Jazz, Klassik
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Mondenkind
Michael Wollny
Nach einer beeindruckenden Reihe von Alben als Leader und einer über fünfzehnjährigen Karriere als Recording Artist überrascht Michael Wollny jetzt mit seiner ersten Piano-Solo-Einspielung. Der Titel bezieht sich auf einen Protagonisten aus Michael Endes „Die unendliche Geschichte“. Michael Wollny war im Vorfeld der Aufnahme-Session aufgrund der Lockdown-Auswirkungen mit dem eigenen Alleinsein konfrontiert. Das führte ihn zum Nachdenken über Menschen in Grenzsituationen. Für sein ambitioniertes Projekt ließ sich Wollny von dem historischen Geschehen der Apollo 11-Mission inspirieren. Während der 1969 erfolgten Monderkun- dung umkreiste der Pilot Michael Collins mehrfach allein das Gestirn, wobei er jeweils 46 Minuten und 38 Sekunden keinen Blick- und Funkkontakt zur Erde hatte. Diese Zeitangaben absoluter Einsamkeit wählte der Pianist für sein aktuelles Werk. Bis auf zwei Klassikadaptionen „Sonatine Nr. 7/2. Satz“ von Rudolf Hindemith und „Schließe mir die Augen beide“ von Alban Berg und drei Singer/Songwriter-Stücke, gehen die zehn weiteren Themen auf Wollny zurück. Schon die flirrenden Motive in „Lunar Landscape“, mit dem das mit geheimnisvollen Tönen angereicherte Konzeptalbum beginnt, stimmen auf den weiteren Verlauf ein. In „Talk“ wechseln die Stimmungen von melancholischen zu heiteren Piano-Figuren. Behutsam schreitet der Pianist in „Sagée“ durch sein Repertoire ungewöhnlicher Sound-Konstellationen und kreiert eine Musik, die nur manchmal wie in „Spacecake“, von ihrer inneren Ruhe abweicht.
Musik: | Sound:
ACT / EdelListen on:
14.10.2020 | Rezensent: Filtgen, Gerd