Musik-Rezensionen: die besten Alben aus Pop, Jazz, Klassik
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Tributes
Marius Neset,The Danish Radio Big Band,Miho Hazama
Aus Kopenhagen stammt Marius Neset, der dort – gerade 18 Jahre alt – unter der einfluss- reichen Ägide des grandiosen Django Bates zu einem der beeindruckendsten Jazzer der aktuellen skandinavischen Szene heranreifte. Dass er nach 16 prägenden Jahren in der dänischen Hauptstadt 2019 mit seiner jungen Familie in die norwegische Heimat zurückkehrte, dürfte ihm da schwergefallen sein. Doch den Abschied versüßte sich der weltweit gefeierte Saxofonist gemeinsam mit der imposanten Danish Radio Big Band in klanggewaltigen, audiophil eingespielten „Tributes“ an die nordische „Bicyle Town“. Unter ebenjenem Titel nimmt er zum Auftakt mit einem aberwitzigen Solo seine Zuhörer mit auf eine rasante Tour de Force, die technische Virtuosität, rhythmische Vielfalt und melodische Musikalität aufs Stimmigste paart. Dass in dem brodelnden, oft wilde Haken schlagenden Verkehr niemand aus der Spur gerät, dafür sorgt mit sicherer Hand die gerade mal 33-jährige Miho Hamaza als neue Chefdirigentin der DR Big Band. Gesegnet mit einem unglaublichen Gespür für Agogik, Dynamik und Klangschärfe, erweist sich die Japanerin als kongeniale Exekutivkraft der musikalischen Fantasien des 35-jährigen Norwegers, der etwa bei „Tribute“ in nur fünf Minuten quer durch die Musikgeschichte jagt und dabei grandios von Mahler über Queen bis Wayne Shorter seine wesentlichen Einflüsse explosionsartig aufblitzen lässt. Getragen werden die farbenfrohen, detailreich schillernden Inventionen von den auch solistisch exzellenten Radio-Jazzern, die in souveräner Brillanz Marius Nesets „Tributes“ zu kostbarer Klangkunst veredeln – hochemotionales Kopfkino.
Musik: | Sound:
ACT / EdelListen on:
14.10.2020 | Rezensent: Thielmann, Sven