Musik-Rezensionen: die besten Alben aus Pop, Jazz, Klassik

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La traversée

Matthieu Bordenave,Patrice Moret,Florian Weber

Es war nichts weniger als die kammermusikalische Annexion des Jazz: 1961 gründete der Klarinettist Jimmy Guiffre ein Trio mit Paul Bley am Flügel und Steve Swallow am Bass. In der Folge erschienen drei legendäre Alben. Was Guiffre hier installierte, war von feinster musikalischer Durchhörbarkeit, ein schwereloses Musizieren, das zwar die rhythmische Textur des Jazz übernahm, aber doch genremäßig ein Zwitterwesen blieb. Auf diese klangliche Spur hat sich nun der französische Saxofonist Matthieu Bordenave mit seiner neuen Aufnahme „La Traversée“ gesetzt. Mit dabei sind der wunderbare Pianist Florian Weber und der volltönende schweizerische Bassist Patrice Moret. Das Album ließ Bordenave im Studio ohne allzu festgezurrte Konzepte und Ideen entstehen. Das ist hörbar gelungen, denn die Musiker geben sich gegenseitig Raum. Auch wenn im Vergleich zu Guiffre auffällt, dass hier noch weitere Eindrücke kons-
tituierend sind: Bordenave liebt Messiaen und Dutilleux, Komponisten der Neuen Musik, deren musikalische Komplexität hier freilich eher als Schemen auftaucht, in einer kleinen Sentenz beispielsweise, die die Musiker fort- und fortspinnen. Und dann ist für Bordenave nach eigenen Angaben noch Warne Marsh wichtig. Der hatte einst mit Lee Konitz gearbeitet. Einem weiteren Kronzeugen geblasener Leichtigkeit. Das alles ist hier zu hören in einem impressionistisch farbigen Kaleidoskop. Und so scheint der Titel des Albums sinnfällig. Diese Musik entstand an der Kreuzung verschiedenster Einflüsse und Genres, ohne sich wirklich festlegen zu wollen. Anders hätte eine solch exquisite Musik auch nicht zum Klingen gebracht werden können.

Musik: | Sound:

ECM / Universal

14.10.2020 | Rezensent: Urbach, Tilman

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