Musik-Rezensionen: die besten Alben aus Pop, Jazz, Klassik

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Tal Arditi

In Berliner Jazz-Zirkeln sorgt seit zwei, drei Jahren ein Gitarrenaufsteiger für Furore, den man gehört haben sollte: der junge Israeli Tal Arditi. Zur Gitarre griff er aus Begeisterung für Jimmy Page, sein erstes Jazzalbum war „Tenor Madness“ mit Coltrane/Rollins. Mit achtzehn kam er, das Jazzdiplom frisch in der Tasche, nach Berlin und machte sich bald einen Namen in der Clubszene. „Portrait“, das Debütalbum seines Trios (live in seinem Lieblingsclub
„A-Trane“), repräsentiert, wie er sagt, seine Erfahrungen in der Hauptstadt. Jetzt reichert der 22-Jährige das Bild mit fein abgetönten Farben an – „Colors“: „Ein Maler malt zuerst ein Porträt“, erläutert er, „und fügt dann die instrumentalen Elemente hinzu. Das war die Idee.“ „Farben“ malt der einstige Rockfan Arditi mit Effektpedalen (Delay, Reverb, Tremolo), einer ausgefallenen Anschlagtechnik (Plektrum plus Fingernägel), Mehrstimmigkeit, kontrapunktischen Verläufen und einem ganz eigenen Mix stilistischer Einflüsse. Klar, dass Rockmusik dazugehört, wobei der hallige „Twang“-Sound, den er gerne und wiederholt einsetzt („z.B.: „Hope“, „RDT World“), eher den Surf-Rock eines Duane Eddy oder Dick Dale in Erinnerung ruft als den Blues- und Hard- rock eines Jimmy Page. Bei brasilianischer Musik hat Arditi sich die komplexe Harmonik Toninho Hortas und Milton Nascimentos abgelauscht, beim Singer/Songwriter-Stil gewisse Pickingtechniken abgeschaut. Mit Lukas Traxel (Kontrabass) und Tobias Backhaus (Drums) steht ihm ein bestens eingespieltes Rhythmusteam für seine bisweilen vertrackten Stücke zur Seite. Das Album aber beendet er solo auf der Akustischen („Heartache“).

Musik: | Sound:

Berthold / Cargo

14.10.2020 | Rezensent: Klostermann, Berthold

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