Sheku Kanneh-Mason | Muse

Das britische Geschwisterpaar Sheku und Isata Kanneh-Mason präsentiert sich erstmals gemeinsam als Duo auf einem Album. „Muse“ lautet der ausgewählte Titel. Entschieden haben sich Sheku und Isata für die Cellosonaten von Samuel Barber und Sergei Rachmaninow, dazu gibt es von beiden Komponisten kleinere Einzelstücke.

Keine Frage, der Enthusiasmus, die Leidenschaft beider für diese Musik ist nicht zu überhören, doch stellt sich die Frage, ob diese Energie nicht so sogartig wirkt, dass sie den Blick für mehrere Details verstellt. Es kann nicht an mangelnder Vertrautheit mit den ausgewählten Werken liegen, denn die Sonaten haben bereits vor den Aufnahmesitzungen einen festen Platz in ihren gemeinsamen Konzertprogrammen eingenommen.

Beispiel: Wenn sich in Rachmaninows Sonate im zweiten Drittel eine groß angelegte Steigerung entwickelt, kulminiert sie hier in einem geradezu mitreißenden Schwung, doch ihre Ursprünge, ihr Beginn im Leisen bleibt seltsam vage und undifferenziert. Auch die wogenden Bewegungen in der Klavierstimme des Finalsatzes der Barber-Sonate zeugen von Verve und einem jugendlichen élan vital, nicht aber von hoher Transparenz. Das wirkt stellenweise etwas pauschal, wie auch einige dynamische Entscheidungen, die die Kanneh-Masons hier treffen. Gerade die feinen Abstufungen in den leisen Regionen bleiben mehrfach undifferenziert.

So spannend die programmatische Zusammensetzung dieses Albums ist, so viel Sturm und Drang hier hörbar wird und so prächtig beide Interpreten als Duo miteinander harmonieren, es mangelt insgesamt an strukturierendem Feinschliff, an Substanz im Geheimnisvoll-Andeutenden.

Christoph Vratz

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Sheku Kanneh-Mason | Muse

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Muse. Barber, Rachmaninow; Sheku Kanneh-Mason, Isata Kanneh-Mason (2021); Decca

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