Onute Grazinyte | Arvo Pärt: Lamentate

Dass sich der estnische Komponist Arvo Pärt von außermusikalischen Inhalten inspirieren lässt, ist in seinem Schaffen, abgesehen von religiösen Themen, eher die Ausnahme. Im Falle von „Lamentate“, zu deutsch: „Klaget“, war es eine monumentale Skulptur des Bildhauers Amish Kapoor, die mit 150 Metern Länge und der Höhe von zehn Stockwerken alle Dimensionen sprengt.


„Marsyas“ hat Kapoor sein Werk überschrieben und spielt damit an auf einen Satyr aus der griechischen Mythologie, der Apollo zum musikalischen Wettstreit forderte, verlor und daraufhin von dem Gott grausam zu Tode gebracht wurde. Diese blutrünstige Geschichte hat Pärt zu einem zehnsätzigen Opus für Klavier und Orchester angeregt, das er selbst als Klagelied, „nicht für Tote, sondern für uns Lebende“ bezeichnet. Pärt arbeitet hier, wie in den meisten seiner Werke seit den späten 1970er-Jahren, mit einfachsten Mitteln. Tonleiter und Dreiklang verschmilzt er in der für ihn typischen Weise zu meditativen, in sich ruhenden Klangbändern. Diese Musik hat so gar nichts Monumentales wie die riesige Skulptur, die den geistigen Ausgangspunkt des Werkes bildet. Der Orchestersatz ist äußerst schlicht gehalten und auch der Klavierpart kommt denkbar unpianistisch daher.
Vielleicht bildet er gerade deshalb für eine Virtuosin wie die junge litauische Pianistin Onutė Gražinytė in seiner Reduktion eine echte Herausforderung. Abgerundet wird das Album von einer Reihe kleinerer Werke für oder mit Klavier. Den Ausgangspunkt bildet dabei das kurze Stück „Für Alina“, in dem Pärt seinen von ihm selbst so bezeichneten „Tintinnabli-Stil“ 1976 erstmals erprobte. In seiner Einfachheit und Eindringlichkeit zeigt dieses dreiminütige Klavierstück die musikalische Welt Pärts gewissermaßen in Reinkultur.

Martin Demmler

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Pärt: Lamentate; O.ėGražinyte, Lithuanian National Symphony Orchestra, M. Pitrenas (2019/2020); Accentus

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