Daniel Barenboim | Schumann: Sinfonien Nr. 1–4; Staatskapelle Berlin

Auf ein Drittes: Nach seiner Einspielung aus Chicago in den späten 1970ern und einer Aufnahme von 2003 mit der Staatskapelle Berlin hat Daniel Barenboim nun ein weiteres Mal alle vier Sinfonien von Robert Schumann aufgenommen. ­Warum?

Man weiß es nicht, zumal wenn man die beiden Berliner Einspielungen miteinander vergleicht. Unter aufnahmetechnischen Aspekten zieht die neue Produktion klar den Kürzeren. Die aktuell (auch auf digitalen Wegen) nicht zugängliche Warner-Produktion klingt auch knapp 20 Jahre nach ihrer Entstehung deutlich klarer und präsenter, verglichen mit dem mulmig-diffusen, pauschal warmtönenden Klangbild der neuen Einspielung.

Auch musikalisch bleibt die aktuelle Veröffentlichung hinter der älteren Version zurück. Dabei ist schon die Aufnahme von 2003 kein interpretatorischer Glücksfall. Waren es damals einige diskutable Tempo-Reduktionen und Dynamik-Abweichungen von Schumanns Vorgaben, fehlt es dieser Neueinspielung über weite Strecken an Spannung. Man kann stellvertretend die beiden ersten Sätze der zweiten Sinfonie anführen oder das Finale der ersten: Zwar wählt ­Barenboim einen (oft minimal) zügigeren Zugang, doch die Binnen-Dramatik, das Lodern, wie es 2003 noch zu erkennen war, wirkt hier nochmals minimiert.
Klar, Barenboim versteht es, mit diesem so sonor und zum Farbigen fähigen Orchester schöne Linien zu formen, sanfte Streichergrundierungen zu erzeugen. Sein Verständnis von Romantik zeigt sich vor allem in einem generalisierenden Schwelgen und Rubati. Wagnerisierend die Blechstimmen im Finale der Vierten. Insgesamt wurde das Geheimnisvolle, das 2003 noch erkennbar war, hier seltsam einreduziert.

Christoph Vratz

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Daniel Barenboim | Schumann: Sinfonien Nr. 1–4; Staatskapelle Berlin

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Schumann: Sinfonien Nr. 1–4; Staatskapelle Berlin, Daniel Barenboim (2021); Deutsche Grammophon (2 CDs)

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