Craig Taborn | Shadow Plays

Ständig nimmt Craig Taborn viele verschiedene Instrumente und Klänge im Kopf wahr, die er umzusetzen sucht. Das Klavier als Orchester, wobei der Ansatz bei aller Eklektik immer ein pianistischer ist.

Taborn transzendiert die Möglichkeiten des Flügels, dabei ist er sich selbst der erste und beste Zuhörer. Es gibt derzeit im Jazz kaum einen vielseitigeren Pianisten als Craig Taborn aus Detroit, der 1997 mit 27 Jahren nach New York kam und parallel Klavier und Synthesizer erforschte: „Ich höre immer die Möglichkeiten von allem. Die Strategie ist, die Dinge eben nicht miteinander in Einklang zu bringen.“

Auf dieser erstaunlichen Soloaufnahme vom 2. März 2020 aus dem Wiener Konzerthaus ist ihm das gelungen wie noch nie. Der 17-minütige Opener „Bird Templars“ fasziniert durch seine Klangarchitektur, wächst in den Himmel wie ein Wolkenkratzer, in dem nachts alle Fenster erleuchtet sind. „Die Architektur ist strukturell, aber nicht unbedingt narrativ.“

Taborns Ansatz ist ein poetischer, assoziativer – der Pianist entwickelt die Dinge aus dem Moment heraus und nennt es „die weite Klangwelt, die ich ständig höre“. Jedes Detail, jede Phrase, jeder Inspirationsschub haben Katalysatorwirkung für das große Ganze, und wie dies alles organisch ineinanderfließt, ist schier unglaublich. Formsinn, Dynamik, Anschlag, Eloquenz, Logik und Präzision sind frappierend. Taborn fokussiert aufs „instant composing“, schafft wunderbar fließende Übergänge, wobei auch der Straight-Ahead-Jazz (in „Conspiracy Of Things“) nicht zu kurz kommt. In „Concordia Discors“ und „A Code With Spells“ fließt und sprießt seine Vitalität, worauf im 18-minütigen Titelstück seine Techno-Phase anklingt. Kein Zweifel – hier spielt die Oberliga.

Karl Lippegaus

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Craig Taborn: Shadow Plays; Craig Taborn (p); ECM/Universal

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