Andrè Schuen | Schubert: Die schöne Müllerin

Nach mehreren erfolgreichen Lied-Alben bei CAvi-Music mit romantischem Repertoire-Schwerpunkt präsentiert sich Bariton Andrè Schuen nun bei einem neuen Label, dafür mit seinem gewohnten Partner Daniel Heide am Klavier. Auf dem Programm steht mit Schuberts „Schöner Müllerin“ ein Schwergewicht. Schuen geht es vom ersten Lied an nicht darum, eine plumpe Idylle zu suggerieren. Abgründe schwingen mit. Sein Vortrag ist intensiv und erfüllt von der Entschlossenheit eines erlebnishungrigen Mannes.

Er gestaltet mit großer Textverständlichkeit, lässt seine warme, nie balsamische Stimme unmittelbar strömen. Schuen deutet den Zyklus nicht auf der Folie des Biedermeier, sondern lebensnah und lebensecht, mit gewagten Ausbrüchen und vorsichtigen Zurücknahmen. Die Kunst, Kleines exemplarisch als etwas Großes darzustellen und dabei Wort und Ton in ein gut ausbalanciertes Gleichgewicht zu bringen – das gelingt Schuen auf ganzer Linie, in den ungezügelten, temperamentgeladenen Liedern des Zyklus fast eher noch als in den zarten, todestraurigen.  Irritierend dagegen wirken mehrere „h“-Brücken, die ein reibungsloses Legato unterbrechen. Warum Schuen dieses Hilfsmittel an manchen Stellen wählt, während er an anderen locker ohne sie auskommt, erschließt sich nicht.

Als Duo harmonieren Sänger und Pianist tadellos, gegenseitiges Aufeinander-Hören steht für beide Musiker an oberster Stelle. Auffällige Temporückungen findet man bei ihnen nur sehr selten und höchstens an ausgewählten Passagen, sodass von einer romantisierenden Darstellung auch unter diesem Aspekt nicht die Rede sein kann: Direktheit, Lebensnähe und Unmittelbarkeit sind von ungleich stärkerem Gewicht bei dieser insgesamt schlüssigen Einspielung.

Christoph Vratz

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Andrè Schuen | Schubert: Die schöne Müllerin

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Schubert: Die schöne Müllerin; Andrè Schuen, Daniel Heide (2020); Deutsche Grammophon

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