Ganz im Zeichen des Akkordeons steht die vierte Ausgabe der Serie „Jazz at Berlin Philharmonic“ aus dem Kammermusiksaal des hauptstädtischen Musiktempels, die jedes Mal einen anderen thematischen Schwerpunkt setzt. Mit feiner Nase für erfolgreiche Konzepte baut Kurator/Producer Siggi Loch hier nicht alltägliche Ensembles und Programme. Diesmal präsentiert er vier Akkordeonisten, jeweils im Duo mit einem Partner.

Zweierkombinationen aus Holzbläsern und Akkordeonspielern sind ja keine Seltenheit in der europäischen Szene, doch diese Variante taucht hier allein in Gestalt des phänomenalen Aufsteiger-Duos Vincent Peirani (Sopransaxophon) & Emile Parisienne auf. In flirrenden bis furiosen Stücken verbeugen sich die beiden vor zwei Sopranisten/Klarinettisten, die sich lange vor ihnen um den Jazz in Frankreich verdient gemacht haben: Sie spielen Ägypten-Reminiszenzen von Sidney Bechet und widmen einen Musette-Walzer Michel Portal. Ein festes Duo bilden auch Klaus Paier und Cellistin Asja Valcic, die mit einem Tango Nuevo den Reigen eröffnen. Dessen Thema freilich erinnert mehr als nur ein bisschen an Astor Piazzollas „Libertango“. Im großen Finale mit allen Beteiligten erklingt später der echte „Libertango“, hinreißend gespielt – und bildet so unversehens den Rahmen für das gesamte Programm.

Zwei Duokonstellationen wurden eigens für diesen Anlass ersonnen: Da trifft der Norweger Stian Carstensen sich nach einem Solostück Volksmusik mit dem polnischen Geiger Adam Bałdych zu rasantem Folkjazz, und der aus Madagaskar stammende Régis Gizavo, sonst eher in der Weltmusik-Szene unterwegs, zeigt mit dem Gitarristen Nguyên Lê plus Elektronik Schnittstellen zwischen den Klängen seiner Heimat und „Quetschkasten“-Musik aus Südafrika oder den Sümpfen Louisianas. Wo Jazz auf Folk trifft, ist das Akkordeon nicht fern.

Berthold Klostermann

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