Sabine Devieilhe

La Reine Sabine“

Sabine Devieilhe wird in Frankreich als regierende Königin des Soprans respektiert und verehrt – und beweist mit gleich drei Neuveröffentlichungen, was sie kann.

Von Kai Luehrs-Kaiser

Das kleine i macht den Unterschied. ­Sabine Devieilhe – erst ein unauffälliges i, dann ein kleines l, schließlich auch ein Dehnungs-h – wird in Frankreich unverhohlen als „regierende Königin“ der Sängerinnen akzeptiert. Warum? Keine streift lässiger selbst höchste Stratosphären. Niemand sonst verbindet so formvollendet Jugend mit höllischer Hochseil-Virtuosität.

Man könnte denken, diese geborene Pariserin pflege athletische Ideale – und singe infolgedessen sportlich jung. In Wirklichkeit kommt sie vom Tanz her. „Als junges Mädchen habe ich viel ‚Modern Dance‘ gemacht“, erzählt sie. „Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich keinerlei Furcht vor dem Dacapo in der Barockmusik empfinde. Wiederholungen sind im Tanz überhaupt kein Problem.“

Barockmusik empfindet sie als Zentrum ihres Repertoires. Und darin liegt gleich ein Hauptunterschied zu jener Vorgängerin, mit der sie in Frankreich notorisch oft verglichen wird. So häufig, dass sie es selber schon nicht mehr hören mag. „Niemand hat die Olympia so wundervoll gesungen wie Natalie Dessay“, gibt Sabine Devieilhe zu. Auch darstellerisch sei Dessay „ganz toll“ gewesen. „Sie besaß viel Feuer – und keinerlei Furcht. Ich dagegen bevorzuge es, gesund und sicher wieder nach Hause zu kommen, wenn ich mit der Arbeit fertig bin.“ Devieilhe bevorzugt das Selbstbild eines französischen „girl next door“. Und wird uns hoffentlich länger erhalten bleiben als jene zu früh selbsterkorene (und verglühende) Traviata.

Geboren 1985 in Paris, betrachtet Devieilhe die Rolle der Lakmé in der Oper von Léo Delibes als ihre liebste Rolle, in der sie möglichst lange auftreten will. „Nächstes Jahr werde ich sie erstmals in der Fassung mit Dialogen singen, an der Opéra-comique, wo das Werk uraufgeführt wurde“, so Devieilhe. Damit wäre sie dann da gelandet, wo zuvor eine große Traditionslinie französischer Koloratursopranistinnen abzureißen drohte: beim (teilweise romantischen) sogenannten Nachtigallen-Repertoire. Neu an Sabine Devieilhe dürfte demnach auch weniger die mörderische Geläufigkeit sein, mit der sie ihre Partien singt. Sondern die Tatsache, dass ihr Sopran überhaupt nicht spitzig, dünn oder nach dem sonst üblichen Zitronenspritzer klingt. Diese Stimme verströmt Rundheit, Brio und eine gelassene Form der Virtuosität.

„Man fühlt sich unsagbar frei, wie beim Fliegen“, so Devieilhe über das Singen sehr hoher Töne. „Auch die Spannung des Publikums, die bei höheren Tönen steigt, ist stimulierend.“ Die Ungewissheit, ob man den Ton treffen werde, führe bei Zuhörern zu einem leichten Gefühl von Nervosität. „Und dann zur Erleichterung, wenn die vermeintliche Hürde genommen wird. Ich finde das großartig.“ Genau das überträgt sich wohl auch auf das Publikum.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Januar 2022

Aktuelle CDs

Sabine Devieilhe – Bach/Händel

Sabine Devieilhe – Bach/Händel. Stephane Degout, Thomas Dunford, Pygmalion, Raphael Pichon (2020); Erato

Bei unseren Partnern erhältlich:

Bestellen bei JPC
Download bei qobuz

Rameau: Achante et Cephise

Rameau: Achante et Cephise; Cyrille Dubois, Judith van Wanroij, Les Ambassadeurs, La Grande Ecurie, Alexis Kossenko (2020), Erato
(2 CDs)

Bei unseren Partnern erhältlich:

Bestellen bei JPC
Download bei qobuz

Mozart: Mitridate Re di Ponto

Mozart: Mitridate Re di Ponto; Michael Spyres, Julie Fuchs, Elsa Dreisig, Paul-Antoine Benos-Dijan, Cyrille Dubois, Adriana Bignagni Lesca, Les Musiciens du Louvre, Marc Minkowski (2020); Erato (3 CDs)

Bei unseren Partnern erhältlich:

Bestellen bei JPC
Download bei qobuz

FonoForum-Newsletter

Mehr frische Infos und Angebote finden Sie im FonoForum-Newsletter.

Jetzt registrieren