Michael Korsticks

Die glorreichen Acht

Nach Michael Korsticks gefeierter Einspielung sämtlicher Klaviersonaten Beethovens und einem Projekt mit den Violinsonaten ist nach langem Warten nun eine Edition mit Beethovens Klavierkonzerten erschienen – mit acht statt fünf Werken.

Von Christoph Vratz

Es hat relativ lange gedauert, bis diese Einspielung mit den Beethoven-Konzerten zustande gekommen ist. Warum?
In der Tat bin ich noch nie mit einem Projekt so lange schwanger gegangen wie mit diesem. Dafür gibt es mehrere Gründe: Dieter Oehms, für dessen Label ich die Sonaten aufgenommen habe und auch die Konzerte machen wollte, ist in den Ruhestand gegangen. Also brauchte ich nun ein Label, bei dem die CD als physisches Produkt nach wie vor eine zentrale Rolle spielt. Außerdem ist so ein Vorhaben heute kaum noch zu finanzieren.

Irgendwann kam aus heiterem Himmel die Anfrage eines potenziellen Sponsors: Wieso hat Korstick die Konzerte noch nicht aufgenommen? Und dann ging alles ganz schnell. Dass ich dieses Projekt nur mit Constantin Trinks als Dirigent realisieren wollte, war für mich sowieso von Anfang an klar, ich kenne und schätze ihn schon sehr lange. Dann kam Corona und entpuppte sich als Hindernis und Chance zugleich. Dem ORF-Sinfonieorchester, Trinks und mir sind mehrere Tourneen weggebrochen, und so entstanden Lücken im Terminkalender, die wir mit diesen Aufnahmen füllen konnten.

Nun fällt schon auf dem Cover auf: „Klavierkonzerte 0–7“. War das von Anfang an geplant?
Und ob! Ich wollte unbedingt eine Gesamtaufnahme aller Werke für Soloklavier und Orchester aus einem Guss vorlegen, auch das von Beethoven begonnene, aber nicht vollendete sechste Konzert, das ich 2017 beim Klavier-Festival Ruhr nach einer neuen Edition erstaufgeführt hatte, schon aus philologischen Gründen. Das Jugendkonzert WoO 4 hatte ich zuvor nie gespielt wegen des Problems einer fehlenden Instrumentierung von Beethovens Hand.

Die Neuorchestrierung von Ronald Brautigam wollte mir stilistisch nicht ganz passend erscheinen, daher habe ich bei Hermann Dechant in Bonn eine komplett neue Instrumentierung angeregt, bei der auch die Orchesterbesetzung vergrößert ist, während das thematische Material ausschließlich auf Beethovens Originalmotiven basiert. Also eine echte Ersteinspielung.

Bei der Klavierfassung des Violinkonzerts habe ich oft das Gefühl, dass mehr in ihr steckt, als man in der Regel zu hören bekommt. Was braucht es, um die Qualität dieser Version als eigenständig aufzuwerten?
Ich hatte dieses Stück schon immer in meinem Konzertrepertoire. Es klingt nicht von allein, wie man so schön sagt, im Gegensatz beispielsweise zum fünften Konzert. Das hängt vor allem mit der hohen Lage zusammen, die auf der Geige nun mal anders klingt. Als Pianist lässt sich das nur dann überzeugend spielen, wenn man die Klangmöglichkeiten des Klaviers wirklich ausreizt. Es braucht den großen, romantischen Ton. …


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe August 2022

Aktuelles Album

Beethoven: Klavierkonzerte Nr. 0–7, Rondo WoO 6

Beethoven: Klavierkonzerte Nr. 0–7, Rondo WoO 6; Michael Korstick, ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Constantin Trinks (2020–21); cpo/jpc (4 CDs)


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