Martin Fröst

„Ich habe so viele wilde Ideen

Martin Fröst und seine musikalischen Projekte

Von Elisabeth Richter

Ganz zart und leise, wie eine tanzende Feder oder ein Laubblatt, schwingt sich die Melodie auf. Nur drei Töne, eine kleine Terz. Langsam. Wieder zurück zum Ausgangston, und dann ein Sprung nach oben, eine kleine, klagende Sexte. Erst nach knapp 20 Sekunden tupft der Kontrabass subtil ein paar stützende Harmonietöne zur Klarinetten-Melodie. Der Anfang von Domenico Scarlattis Klaviersonate d-Moll K. 32, arrangiert für Klarinette und Kontrabass. Der Anfang von Martin Frösts „Night Passages“, sein neues Album. Der schwedische Klarinettist begibt sich musikalisch auf die Spuren der Nacht. 19 Titel führen in feinfühlig abwechslungsreich choreografierter Dramaturgie in das Grenzreich von Traum und Wirklichkeit, zu verborgenen Fantasien, Erlebnissen und Wünschen.

„Nacht war für mich immer etwas, das sich ständig verändert. Es gab Zeiten in meinem Leben, da war Nacht etwas Schreckliches, ich hatte Angst, schlafen zu gehen. Jetzt ist es eigentlich das Gegenteil. Nacht ist so unglaublich vielseitig. Ich genieße das regelrecht.“ In seinen „Night Passages“ spürt Martin Fröst frühen musikalischen Erinnerungen nach. In einem Text zu dem Album erzählt er Geschichten zu einzelnen Stücken. Er ist sich etwa sicher, dass er seine Mutter die Melodie von Scarlattis d-Moll-Sonate hat singen hören, bevor er geboren wurde. Genauso Henry Purcells „Music For A While“. 

Andere Stücke führen zu großen Künstlern oder Persönlichkeiten. Deshalb gibt es „It Never Entered My Mind“ von Richard Rodgers, das der große Miles Davis spielte, den Martin Fröst im Konzert hörte. Einst war der junge Klarinettist von dem 92-jährigen Mäzen Paul Sacher eingeladen worden, ein Gedenkkonzert für die Pia­nisten-Legende Géza Anda zu geben. Fröst spielte damals auch Rameau und Händel, weshalb er sie in die „Night Passages“ aufnahm. „Dieses Album kreiert weniger eine Geschichte, es wird eher von einem transzendentalen Feeling durchzogen. Mir gefällt das. Es ist nicht: ‚Passt mal auf, ich erzähle jetzt etwas!‘.

Auch mein Booklet-Text soll keine chronologische Geschichte sein. Die ‚Passages‘ gehören nicht stringent zusammen. Man kann sie wie ein surrealistisches Chagall-Gemälde verstehen. Da gibt es kein logisches Gefühl.“ Die musikalische Reise durch die Nacht führt von Scarlatti auch zu Chick Corea, zu Bach und Händel, zu schwedischer Volksmusik, Jazz und Improvisa­tion. Darunter sind „Hits“ wie Bachs „Jesu bleibet meine Freude“, Coreas „Armando᾽s Rhumba“ oder Gordon Jenkins᾽ „Good Bye“, mit dem sich der legendäre Benny Goodman bei jedem Konzert von seinem Publikum verabschiedete. „Als ich das erste Mal in der Carnegie Hall spielte, fand dort eine Ausstellung zu Benny Goodman statt. Es gibt noch seine fantastischen Instrumente aus den 1980er-Jahren. Ich durfte auf ihnen Copland und ‚Good Bye‘ als Zugabe spielen. Es ist auch der letzte Titel auf dem Album.“


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Mai 2022

Aktuelles Album

Martin Fröst – Night Passages

Martin Fröst – Night Passages. Werke von Scarlatti, Corea, Bach, Purcel, Rodgers, Cesti, Rameau, Händel, Alfvén u. a.; Roland Pöntinen, Sébastien Dubé (2021); Sony Classical (V.Ö.: 22.4.)


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