Gidon Kremer

„Wir sind nur Diener der Musik

Er gehört seit Jahrzehnten zu den facettenreichsten Persönlichkeiten der klassischen Musikszene. Im Wandel der Zeit ging Gidon Kremer unbeirrt seinen ganz eigenen Weg. Er hält Ideale hoch und äußert sich immer wieder auch kritisch zum Musikbetrieb. Am 27. Februar wird der Künstler 75 Jahre alt.

Von Norbert Hornig

Sie feiern Ihren 75. Geburtstag. Da ist man geneigt Bilanz zu ziehen. Wie gehen Sie mit diesem Datum um?
Ich versuche, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. Ich plane meine Konzerte, meine Projekte, aber nicht mein Ende. Das heißt nicht, dass ich beschlossen habe, ewig zu leben. Ich versuche das Beste zu schöpfen aus der Zeit, die mir noch geschenkt ist. Wir wissen alle nicht, wie viel uns geschenkt ist. Vielleicht ist es auch gut so. Aber es ist klar, dass man alles meiden soll, was einem fremd ist, was oberflächlich ist, was im Laufe von 75 Jahren wenig Sinn gemacht hat. Ich will eher versuchen, zu den Werten weiter zu stehen, die mir immer wichtig waren und so lange mir die Kraft gegeben ist, aus dieser Neugierde, aus diesem Wunsch Dinge mit anderen zu teilen, mit Kollegen, mit Partnern, mit Publikum zu schöpfen – und den Weg weiter zu gehen, ohne mir selber im Weg zu sein.

Sie haben viele Jahre am Moskauer Konservatorium bei David Oistrach studiert, der eine Art Idealtyp des „klassischen Geigers“ war. Sie sind dann einen ganz eigenen Weg gegangen. Hatten Sie deswegen Probleme mit Oistrach?
Er hat in mir zuerst auch einen Antityp gesehen und wollte, dass ich ihm nur folge. Aber dann hat er sehr viel Respekt gezeigt für all das andere, was ich auch auf der Agenda hatte. So habe ich auch gelernt, dass ein großer Künstler auch großzügig sein kann und nicht nur alles auf seine Art umsetzen will. Letztlich hat er mir geholfen und mich ermuntert, meinen eigenen Weg zu suchen und zu gehen. Dafür kann ich ihm nur dankbar sein.

Ihre Karriere ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Gibt es Dinge, auf die Sie mit besonderer Dankbarkeit, Befriedigung oder auch mit Stolz zurückblicken?
Das ist sehr schwer einzuschätzen. Ich habe etwa jahrzehntelang meine Aufnahmen nicht angehört und eigentlich gar nicht gewusst, was ich da eingespielt habe. Nur, dass ich versucht habe, das Beste zu geben. In dieser Covid-Phase habe ich begonnen, mich mit meinen eigenen Aufnahmen auseinanderzusetzen. Das entstand ganz spontan, und ich habe tatsächlich interessante Erfahrungen damit gemacht und festgestellt, dass ich doch so einige Spuren hinterlassen habe mit den rund 140 CDs, von denen ich bisher nur einen kleinen Teil angehört habe. Der Strich unter der Rechnung ist aber noch nicht gemacht. Ich könnte ein paar Dinge nennen, würde aber vieles vergessen. Die Zusammenarbeit mit wunderbaren Partnern, Dirigenten, Solisten oder Kammermusikern hat mich enorm bereichert. Bernstein oder Harnoncourt, Martha Argerich, Oleg Maisenberg oder meine Kremerata Baltica – ich weiß nicht, wo ich anfangen soll und nicht, wo ich enden soll. Musik habe ich sehr viel erforscht, teilweise erfolgreich, manchmal auch weniger. Mir war alles wichtig, was ich in mein Repertoire aufnehmen konnte. …


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe März 2022

Aktuelles Album

Weinberg – Sonaten für Violine solo Nr.1-3

Weinberg: Sonaten für Violine solo Nr.1-3 (2021); ECM (V.Ö. 18.2.)


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CD-Hinweise

Pärt – Tabula Rasa

Pärt: Tabula Rasa; Keith Jarrett, Alfred Schnittke u. a., Staatsorchester Stuttgart, Dennis Russel Davies u. a. (1984); ECM

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Schumann: Sonaten für Violine & Klavier Nr.1 & 2

Schumann: Sonaten für Violine & Klavier Nr.1 & 2; Martha Argerich (1985); DG

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Gidon Kremer – Eight Seasons

Gidon Kremer – Eight Seasons. Vivaldi, Piazzolla; Kremerata Baltica (1999); Nonesuch


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Gidon Kremer – The Warner Collection

Gidon Kremer – The Warner Collection (Complete Teldec, EMI & Erato Recordings). Diverse Komponisten; Andrei Gavrilov, Mstislav Rostropovich, Martha Argerich u. a.; Berliner Philharmoniker u. a. (1976-2006); Warner (21 CDs)


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