Nina Noeske. Bild: Thomas Müller
Nina Noeske. Bild: Thomas Müller

Weibliche Sicht auf die Musikgeschichte

„Um Liszt kommt man nicht herum“: Prof. Dr. Nina Noeske wird in Weimar Professorin für Musikwissenschaft mit dem Schwerpunkt 19. Jahrhundert.

Das gemeinsame Institut für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und der Friedrich-Schiller-Universität Jena freut sich über eine fachkompetente und forschungsbegeisterte Neubesetzung. In der Nachfolge von Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt wurde Prof. Dr. Nina Noeske zum 1. Oktober 2022 zur Professorin für Musikwissenschaft mit dem Schwerpunkt 19. Jahrhundert berufen. In den vergangenen acht Jahren hatte Nina Noeske eine Professur für Musikwissenschaft mit Gender-Schwerpunkt an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg inne.

„Ich kann ich mir kaum einen besseren Ort zum Lehren und Forschen vorstellen“, sagt die frisch Berufene über ihren neuen Wirkungskreis. „Meine Schwerpunkte zum 19. und 20. Jahrhundert, die ich bereits in meiner Dissertation und Habilitation thematisch vertieft habe, lassen sich in Weimar hervorragend weiterführen, ergänzen und ausbauen.“ Als Vorteil betrachtet Nina Noeske das Kooperationsmodell zwischen der Weimarer Musikhochschule und der Universität Jena: Dass neben den künstlerischen Studiengängen auch das Fach Musikwissenschaft angeboten werde sei keine Selbstverständlichkeit. Sie sieht weitere Kooperationsmöglichkeiten u.a. mit der Bauhaus-Universität Weimar, dem Goethe- und Schiller-Archiv sowie auch der Klassik Stiftung Weimar mit ihrem Liszt-Haus – und somit „riesige Chancen für Forschung und Lehre“.

Ein Forschungsschwerpunkt Nina Noeskes wird auf dem 19. Jahrhundert liegen, wobei Liszt und sein Kreis sowie die dazugehörigen Netzwerke und Schüler*innenkreise, aber auch die von dort ausgehenden Ideen und Konzepte ein wichtiger Anknüpfungspunkt sein werden. „Um Liszt kommt man nicht herum, wenn man sich mit kompositorischen, ästhetischen, musikpolitischen Tendenzen des 19. Jahrhunderts beschäftigt“, sagt die Professorin. „Ich halte ihn nach wie vor für eine der inspirierendsten Musikerpersönlichkeiten, in der sich verschiedene, nicht nur musikalische Strömungen vereinen.“

In den vergangenen 20 Jahren habe sich die musikwissenschaftliche Forschungslandschaft sehr verändert, sagt Nina Noeske: „Das bedeutet es werden auch aktuelle kulturwissenschaftliche Ansätze, eine Musikgeschichtsschreibung jenseits der ‚Höhenkämme‘, Gender-Aspekte u.a. zum Zuge kommen. Ästhetische und musikphilosophische Fragen, die Untersuchung von Werturteilen im Laufe der Geschichte, Korrespondenzen und Querverbindungen zwischen den Künsten, Berührungspunkte zwischen Musik und Politik, aber auch methodologische Fragen zur Musikgeschichtsschreibung im dritten Jahrtausend treiben mich sicherlich auch die kommenden Jahre um. Zweifellos wird neben dem 19. auch das 20. Jahrhundert u.a. mit einem Schwerpunkt auf der DDR und Osteuropa, auf Filmmusik und der Musik der Gegenwart – mitunter bis hin zum Pop-Bereich – eine Rolle in meiner Forschung und Lehre spielen.“

Nina Noeske studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Musikpraxis in Bonn, Weimar und Jena. Sie promovierte 2005 am Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena über „Neue Instrumentalmusik in der DDR“. Im Anschluss arbeitete sie dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Die Neudeutsche Schule“ und war dann von 2007 bis 2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungszentrum „Musik und Gender“ an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. 2012 vertrat sie Professuren in Hannover und an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Von 2012 bis 2014 lehrte und forschte sie als Assistenzprofessorin an der Universität Salzburg. Im Jahr 2014 nahm sie – unmittelbar im Anschluss an die Habilitation in Hannover zum Thema „Diskursanalyse der Liszt’schen ‚Faust-Symphonie‘“ – einen Ruf auf die Professur für Musikwissenschaft mit einem Gender-Schwerpunkt an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg an. Dort wurde sie u.a. Mitherausgeberin von MUGI (Musik und Gender im Internet). Seit 2018 co-leitet sie außerdem das Projekt „Musikgeschichte Online: DDR“.

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