Rheinische Kantorei. Bild: Thomas Kost
Rheinische Kantorei. Bild: Thomas Kost

Verborgene Wirklichkeiten beim Festival Alte Musik Knechtsteden

Frei nach dem Motto „Man hört nur, was man weiß", lädt Intendant Hermann Max das Publikum zu neun Konzerten vom 17. bis 24. September ein.

Verborgene Wirklichkeiten in der Musik hör- und sichtbar zu machen ist die große Mission, die sich als roter Faden durch 31 Jahre Festivalgeschichte in Knechtsteden zieht. Frei nach dem Motto „Man hört nur, was man weiß“ lädt Intendant Hermann Max das Publikum in neun Konzerten vom 17. bis 24. September zu einer bewusstseinserweiternden Reise ein.

Nach der erfolgreichen Premiere von MOVIMENTO – Die musikalische Radtour am Rhein wird die Festivalwoche in diesem Jahr von gleich zwei kunstsinnigen Touren durch die Region am 11. und 25. September eingerahmt. Und es gibt Festival-Nachwuchs zu vermelden: Mit „Globe Baroque – Sommeroper im Globe Neuss“ am 24. August wurde ein neues Format in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Neuss ins Leben gerufen. Der Vorverkauf für alle Veranstaltungen startet bei KölnTicket am 1. August, Mitglieder des Freundeskreises können sich schon vorab die besten Tickets sichern.

Große Chorkonzerte von Barock bis Romantik, Kammermusik im Orginalklang

Die großen Fixpunkte im Hauptprogramm sind traditionell die gewichtigen Eigenproduktionen mit den Hausensembles Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert – so auch in diesem Jahr. Prachtvollen Chorklang zum frankophilen Eröffnungskonzert gibt es am 17. September mit Telemann (Grand Motet nach Psalm 71), Bach (Orchester-Suite C-Dur BWV 1066) und Lully (Miserere). Am Dienstag, 20. September stehen italienische Einflüsse rund um Händel (Dixit Dominus), Alessandro Scarlatti (Messa di St. Cecilia) und Steffani (Stabat Mater) im Mittelpunkt. Beide Konzerte öffnen die Ohren dafür, wie eng sich Komponisten der Zeit trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Typologie ihrer Regionalstile gegenseitig anregten. Am 21. September nimmt Max sein Publikum im Vokalprogramm „Von Orlando di Lasso bis in die Gegenwart“ mit in die Hexenküche des Komponierens: In großem Bogen von Monteverdi über die Bach-Familie und Telemanns „Singgedicht im Frühling“ begegnen sich Gestern und Heute des Tonsatzes – letzteres in Uraufführungen von Auftragskompositionen von Thomas Blomenkamp, Eunyoung Jang, Claudio Huerta Honores, Oleg Krokhalev und Federico Perotti, die barocke Sujets aufgreifen und in der Musiksprache der Gegenwart vertonen. Das Abschlusskonzert mit der Rheinischen Kantorei am 24. September setzt eine bereits im letzten Jahr begonnene Spurensuche nach dem wechselnden Klangideal barocker Musik durch die Zeiten fort: Bei „Bach im 19. Jahrhundert“ treffen Hörerlebnisse der Zeit auf ihre Begeisterung für gegensatzreiche Abendprogramme, wenn die moderne Erstaufführung von Wilhelm Wilms‘ „Drie geestelyke Liederen“ für Bass und Orchester Bachs virtuosen Konzerte für 2 bzw. 3 Cembali (Kiveli und Danae Dörken und Tobias Koch), Brahms-Motetten und Herzogenbergs „Psalm 116“ begegnet.

Verborgenen Wirklichkeiten ist das Festival auch in kammermusikalischen Eigenproduktionen auf der Spur. Ein Instrumentalkonzert am 18. September gibt tiefe Einblicke in das freunschaftliche Beziehungsgeflecht zwischen Johannes Brahms, Joseph Joachim sowie Clara und Robert Schumann, prominent besetzt mit Florian Donderer (Violine) und Tobias Koch (Klavier); Constanze Backes moderiert. Rund um den 300. Geburtstag von Bachs „Wohltemperiertem Clavier I“ strickt sich die dreiteilige Reihe „Bilderbuch Bach“. Nach einem gemeinsamen Werkstattgespräch mit der Musikwissenschaftlerin Dagmar Glüxam und dem Radiojournalisten Bernhard Schrammek widmen sich die Tastenvirtuosen Tobias Koch, Menno van Delft und Michael Borgstede am 19. September der wohl berühmtesten Klavierschule aller Zeiten. Ein weiteres Kapitel schlägt die spanischen Cembalistin Amaya Fernández Pozuelo am 22. September auf. Anlässlich dieses Jubiläums ist eine neue digitale Produktion rund um die Geschichte des Tastenzyklus geplant, die ab September u.a. über die FestivalApp verfügbar sein wird.

Gäste der „Landpartie“ am 18. September und der „Gregorianischen Nacht“ am 23. September sind die Capella della Torre und das estnische Vokalensemble Heinavankar.

Bereits vor Festivalbeginn startet mit „Globe Baroque – Sommeroper im Globe Neuss“ ein neues Format in Kooperation mit dem Kulturamt Neuss. Die Premierenproduktion am 24. August wird mit Alessandro Scarlattis Kurzoper „Il giardino d’amore“ gefeiert, hochkarätig besetzt mit dem Ensemble 1700 unter der Leitung von Dorothee Oberlinger.

Per Muskelkraft zum Hörgenuss: Nach der erfolgreichen MOVIMENTO-Premiere im vergangenen Jahr starten im September 2022 gleich zwei Routen. MOVIMENTO I – Die musikalische Radtour am Rhein verläuft am 11.9. (Tag des offenen Denkmals) von Düsseldorf über Monheim nach Dormagen. MOVIMENTO II – Die musikalische Radtour an der Erft findet am 25.9. zwischen Grevenbroich und Neuss statt. Entlang von jeweils 28 Streckenkilometern präsentieren Kommunen und Kulturveranstalter auf Initiative des Festivals ein abwechslungsreiches Programm vorbei an Schlössern und Klöstern, Auen und Baggerseen mit Kurzkonzerten, Kleinkunst und Besichtigungen. Das detaillierte Programm zu beiden Touren wird am 1. Juni unter www.movimento-fahrradkonzert.de veröffentlicht.

Das „Junges Festival“ wird in diesem Jahr mit einer auf Nachhaltigkeit bedachten Produktion rund um Jacques Offenbachs „König Karotte“ in Kooperation mit der Dormagener Christoph-Rensing-Schule fortgesetzt. Rund 250 GrundschülerInnen bereitet sich in unterschiedlichen Gewerken auf die schulinterne Aufführung am 9. und 10. Juni vor und stellen ihren grünen Daumen mit der neuen GemüseAckerdemie unter Beweis. MedienvertreterInnen sind herzlich eingeladen.

www.knechtsteden.com.

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