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Turbinenhalle der Jahrhunderthalle Bochum. Bild: Jahrhunderthalle
Turbinenhalle der Jahrhunderthalle Bochum. Bild: Jahrhunderthalle

Ruhrtriennale zwischen Podcast und Industriecharme

Von Donnerstag, 11. August bis Sonntag, 18. September 2022 lädt die Ruhrtriennale zu künstlerischen Entdeckungen in einer Vielzahl von ehemaligen Industriehallen der Städte Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck ein.

Vielstimmige internationale Positionen im Musiktheater, Schauspiel, Tanz, Performance, Konzert, Installation, Literatur und Dialog verhandeln gegenwärtige Themen, suchen nach der Kraft des Blickwechsels, von Wandel, Übergang, Transzendenz und Entgrenzung. Das jährliche Festival der Metropole Ruhr ist die zweite Ausgabe unter der auf drei Jahre angelegten Intendanz der Schweizer Theaterregisseurin Barbara Frey.

Die eröffnende Musiktheaterkreation „Ich geh unter lauter Schatten“, in der Regie von Elisabeth Stöppler und verortet in der Jahrhunderthalle Bochum, fragt nach dem, was das Leben mehr bestimmt als seine Endlichkeit. Der Komponist Gérard Grisey schickt mit seinen „Vier Gesängen, die Schwelle zu übertreten“ nichts weniger als die Menschheit über die ominöse Schwelle, vier Darstellerinnen öffnen Türen zu verwandten Geistes- und Klangwelten. Utopische Neukonstruktionen sind auch für die zweite Musiktheater-Produktion zentral: der inszenierte Instrumentalzyklus „HAUS“ der Komponistin Sarah Nemtsov.

Die Theaterregisseurin Barbara Frey setzt als Festivalintendantin die Zusammenarbeit mit dem Burgtheater Wien und dessen herausragendem künstlerischem Ensemble fort. Arthur Schnitzlers „Das weite Land“ ist ein Fest für Schauspieler:innen. In der Jahrhunderthalle Bochum zur Premiere gebracht, zeichnet Barbara Frey darin eine Gegenwartsbeschreibung unseres Zusammenlebens. Weitere Produktionen des diesjährigen Schauspielprogramms erkunden Vergangenheit und Zukunft von Zusammenkunft, darunter das energetisierende „Respublika“. Angesiedelt zwischen Techno, Film, Tanz, Performance und Installation, steht hier die Erprobung zukünftiger Formen von Begegnung im Mittelpunkt.

Die mit großer Vorfreude erwartete multidisziplinäre Filminstallation „Euphoria“ von Julian Rosefeldt ist eine ebenso intensive Betrachtung gesellschaftlicher Gegenwart, sucht den Weg dahin zu fassen. Der Videokünstler und Filmemacher begeisterte bereits 2016 das Publikum der Ruhrtriennale mit „Manifesto“. Die raumgreifende Tour de Force durch die Geschichte der Wirtschaftstheorie ist in Halle 5 auf Zollverein in Essen zu erleben.

Kraftvolle Positionen des internationalen zeitgenössischen Tanzes zwischen persönlicher, politischer und historischer Auseinandersetzung stellen die jüngsten Arbeiten der Choreografinnen Ligia Lewis, Lia Rodrigues und Wen Hui dar. Das Zusammenspiel von privaten, öffentlichen und politischen Sphären von Sexualität befragt die ikonografische Arbeit „to come (extended)“ von Mette Ingvartsen. Blickwechsel und Entgrenzung beschäftigen den transmaskulinen Performancekünstler Samira Elagoz – ausgezeichnet mit dem Silbernen Löwen der diesjährigen Biennale in Venedig.

Vielgestaltig ist das Konzertprogramm: Der in der Bochumer Jahrhunderthalle stattfindende sinfonische Abend „Vergessene Opfer“ lässt mit Werken von Galina Ustwolskaja, Franz Liszt, Olivier Messiaen und Luigi Nono Schmerz zu Klang werden, intoniert durch die Duisburger Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Elena Schwarz. Die Gladbecker Maschinenhalle Zweckel beheimatet mit „Schwerkraft und Gnade“ Kompositionen von Lili Boulanger, Francis Poulenc und Igor Strawinsky, interpretiert von Chorwerk Ruhr und den Bochumer Symphonikern unter der musikalischen Leitung von Florian Helgath. Die archaische Wucht der Werke von Iannis Xenakis – 2022 jährt sich sein Geburtstag zum 100. Mal – wird in „Organicum“ erlebbar, neben naturinspirierten Werken jüngerer Komponist:innen eindrucksvoll durch das Klangforum Wien unter der musikalischen Leitung von Patrick Hahn interpretiert.

Mit der Fortsetzung der Literatur- und Dialogreihe vertieft der Schriftsteller Lukas Bärfuss gemeinsam mit Gästen Fragen nach der Natur des Menschen – darunter die Schauspielerinnen Angela Winkler und Sandra Hüller sowie Klaus Staeck, der u.a. dafür bekannt geworden ist, dass er das politische Plakat zur Kunstform erhob.

Anfang und Abschluss setzt die Musik: Die Ruhrtriennale eröffnet am 11. August mit den „Mysteriensonaten“ von Heinrich Ignaz Franz Biber zeitgleich an drei Spielorten und verbindet die Städte Duisburg, Bochum und Essen zu einem dezentralen Resonanzraum. Den Schlussakkord stimmt – nach einem die Nacht andauernden Rave – am Sonntagmorgen des 18. Septembers der Akkordeonist Thomas Hojsa in der Pappelwaldkantine an der Jahrhunderthalle Bochum an.

Auch das: Die Ruhrtriennale blickt 2022 auf 20 Jahre ihres Bestehens. Anlässlich des runden Geburtstages und als Warm-up für das fünf Jahre später anstehende 25-Jährige wird die Festivalgeschichte durch eine Online-Kampagne sichtbar gemacht. Zudem reflektieren die Festivalmachenden Perspektiven der Industriekultur am 8. September in Kooperation mit der 10. Kulturkonferenz Ruhr gemeinsam mit einer Vielzahl von Protagonist:innen aus Kunst, Kulturpolitik und Verwaltung.

Digitale Videoformate und Audioangebote, u.a. Konzert-Mitschnitte und Podcasts in Zusammenarbeit mit Medienpartnerschaften sowie Einführungen zu vielen Produktionen, flankieren die Veranstaltungen.

Geplant sind 36 Produktionen und Projekte, darunter sieben Eigen- und Koproduktionen, fünf Uraufführungen, eine europäische und fünf deutsche Erstaufführungen. Das Festival, das 2022 an acht verschiedenen Orten in den Städten Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck stattfindet, beteiligt mehr als 500 Kunstschaffende aus über 30 Ländern.

Mit aktuell rund 32.000 Karten geht die Ruhrtriennale in den Verkauf, ergänzt durch Veranstaltungen mit freiem Eintritt.

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