Bremer Philharmoniker. Bild: Caspar Sessler
Bremer Philharmoniker. Bild: Caspar Sessler

Neues Domizil, neue Ausrichtung und neue Ziele

Aufbruchstimmung bei den Bremer Philharmonikern: Räumlich bewegt sich das Orchester seit dem Umzug in das jüngst erschlossene Bremer Tabakquartier in neuen Dimensionen. In einer eigenen Halle, die mit mehr als 400qm und 373 Sitzplätzen sowohl als Proben- wie als Veranstaltungssaal genutzt werden soll, sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

„Wir möchten ungeahnte Perspektiven bieten, Zusammenhänge aufzeigen, festgefahrene Denkstrukturen hinterfragen, vielleicht auch mal irritieren – das von uns zusammengestellte Programm bietet einen Soundtrack zu den großen Themen unserer Zeit“, verspricht Generalmusikdirektor Marko Letonja. So liegt ein thematischer Schwerpunkt bei den Philharmonischen Konzerten auf den durch den Klimawandel bedrohten Schönheiten und bewahrenswerten Besonderheiten unseres Planeten. Mit dem „Earth Cry“von Peter Sculpthorpe setzt Letonja mit dem Australier William Barton am Didgeridoo Anfang Oktober gleich zu Beginn der Konzertsaison ein Ausrufungszeichen - und mit Strawinskys „Sacre du Printemps“ direkt ein zweites hinterher. Was für ein Start in die neue Spielzeit! Es folgen Bremens ehemaliger GMD Markus Poschner mit Zulchan Nassides „Traces to Nowhere“, John Nelson mit Beethovens Symphonie Nr. 9 und der berühmten „Ode an die Freude“, Claude Debussys Klanggemälde „La mer“ unter dem Dirigat von Ivan Repušić und der betörende „Siren´s Song“ von Peter Eötvös sowie voller Weltschmerz Gustav Mahlers „Das Lied von der Erde“ mit Letonja am Pult. Elena Schwarz dirigiert die von der Natur inspirierten ätherischen Klangwelten „Hava“ von der finnischen Komponisten Lotta Wennäkoski. Und schließlich nochmal Letonja beim großen Saisonfinale mit Jonny Greenwoods „Norwegian Wood Suite“, Christian Lindbergs „Golden Eagle“ und Gustav Holsts „Planeten“.

Kaum ein Komponist litt unter politischen Restriktionen und Repressionen so sehr wie Dmitrij Schostakowitsch. Unter Stalin befand er sich quasi im kaum zu ertragenden Dauerspagat zwischen künstlerischer Selbstverwirklichung und dem Gulag. Marko Letonja lenkt im Februar mit dem Festival „Phil intensiv – Schostakowitsch!“ den Fokus auf einen von einem diktatorischen Regime unterdrückten Komponisten, stellvertretend für Millionen Menschen, die in Unfreiheit und Krieg leben müssen.

In der Halle 1 im Tabakquartier wird es möglich sein, Veranstaltungen zu realisieren, die die Nähe zum Publikum und direktes Reagieren der Konzertbesucher:innen zulassen und benötigen. „Vielleicht sind es nicht mehr nur die großen Säle, in denen klassische Sternstunden erlebt werden können, vielleicht gibt und braucht es auch manchmal andere Formate und Locations, um musikalisch Themen zu setzen oder umgekehrt: durch konkrete Themen die Begegnung mit Klassik zu genießen“, so Christian Kötter-Lixfeld. Die neue Konzertreihe PhilX, ein musikalischer Spaziergang durch Woltmershausen mit dem Titel „Pusdorf Pictures!“ oder ein aus Orchesterreihen konzipiertes Blechbläserfestival bieten dazu im Tabakquartier vielfach Gelegenheit - genreübergreifend, experimentell, ungezwungen. Auch der Besuch öffentlicher Proben wird wieder möglich sein und das Partizipieren an Entstehungsprozessen erlauben. „Was mit unseren Afterwork-Konzerten begann, lässt sich mit innovativen Projekten fortschreiben und ausweiten,“ ist der Intendant überzeugt: eine Image-Politur der Klassikbranche. „Und dazu gehört vielleicht, nicht nur betriebswirtschaftlich auf Auslastungszahlen und sogenannte Blockbuster zu schauen, die große Säle füllen, sondern anzuerkennen, dass sich ein gesellschaftlicher Wandel auch im Kulturleben vollzieht. Wir sind Teil davon. Wir müssen und wollen mit unserem Publikum interagieren.“

Die Bremer Philharmoniker tun dies in der kommenden Spielzeit nicht nur mit einer Reihe renommierter Gastsolist:innen wie Marc-André Hamelin, Annette Dasch, Dimitry Ivashenko oder Christian Lindberg und Dirigent:innen wie Andrew Gourlay, Elena Schwarz oder Marzena Diakun, sondern ebenso mit vielen vielversprechenden Musiker:innen, die noch nicht im Rampenlicht stehen. Die Violinistinnen Clara Jumi Kang und Ji Young Lim gilt es ebenso zu entdecken wie den Cellisten Taeguk Mun oder den Pianisten Dejan Lasić. „In vielen unserer Konzertprogramme der kommenden Spielzeit finden sich auch Namen von Komponist:innen, die es bei der Omnipräsenz der großen Musik-Giganten wie z.B. Mozart, Beethoven und Tschaikowsky bislang eher schwer hatten, ihren Platz im Konzertrepertoire zu finden – zu Unrecht!“, findet Marko Letonja. Es sei höchste Zeit, dies zu ändern und Komponist:innen wie z.B. Karol Szymanowski oder Dora Pejačević, aber auch zeitgenössische Kompositionen von Unsuk Chin oder Jonny Greenwood einem breiten Publikum vorzustellen. „Es gibt sehr viel Spannendes zu entdecken“, verspricht der Generalmusikdirektor.

Ausreichend Gelegenheit dazu gibt der Konzertkalender des Orchesters mit 28 Philharmonischen Konzertterminen, sechs Afterwork-Konzerten, viermal PhilX, zehn Sonderkonzerten, zahlreichen Kammermusiken und abwechslungsreichen Familienkonzerten sowie Festivals, Klimaworkshops mit Konzerten und den Opernvorstellungen im Theater Bremen. Die Glocke, der Bremer Dom, das Theater am Goetheplatz, das Rathaus, der Wallsaal, das Haus im Park und vor allem die Halle 1 im Tabakquartier bieten dem Orchester eine Bühne und Bremer:innen lebendige Orte des Erlebens und des Reflektierens, des Entspannens und des Dialogs.

 www.bremerphilharmoniker.de

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