Wiener mit Salonen und Michaud. Foto: Peter Fischli, Lucerne Festival
Wiener mit Salonen und Michaud. Foto: Peter Fischli, Lucerne Festival

Luzern zeigte sich divers

Das Lucerne Festival zieht Bilanz: 70.000 Besucher kamen zu den Veranstaltungen des musikalischen «Diversity»-Sommers 2022.

An diesem Wochenende ging das Sommer-Festival 2022 zu Ende, es stand unter dem Motto «Diversity». Die 86 Veranstaltungen lockten an 35 Festivaltagen insgesamt 70.000 Besucher aller Altersgruppen ins KKL Luzern, in die Lukaskirche und in die Hochschule Luzern – Musik, Kriens. Allein 11.000 kamen zu den 17 Gratis-Veranstaltungen, den neun Veranstaltungen der «40min»-Reihe, zu den Weltmusik-Gruppen von «In den Strassen» und zur beliebten «Lakeside Symphony», dem Public Viewing auf dem Luzerner Inseli.

Das Festival erreichte in diesem Jahr mit 33 Sinfoniekonzerten eine Auslastung von 74 Prozent, darüber hinaus waren vier Konzerte mit internationalen Jugendsinfonieorchestern im Angebot. Einen besonders hohen Zuspruch erzielten die Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche: Zusätzlich zu den Familienkonzerten fanden fünf Schulvorstellungen und diverse Schulbesuche der Weltmusikgruppen sowie von Debut-Künstler statt, dort nahmen rund 5.700 Schüler aus der Region Luzern teil.

«Die Begeisterung des Publikums, das die Konzerte unseres Sommer-Festivals nach den eingeschränkten Corona-Jahren besucht hat, ist überwältigend, obwohl die Zahlen noch eine corona-bedingte Zurückhaltung zeigen», kommentiert Intendant Michael Haefliger. «Nachdem wir im Sommer 2020 fast alles absagen mussten und 2021 nur gut die Hälfte der Plätze verkaufen konnten, erreichen wir nun 2022 bei vollem Ticketangebot eine zufriedenstellende Gesamtauslastung von 72 Prozent. Wir befinden uns auf dem Weg aus der Pandemie zurück in die Normalität. Schön war zu beobachten, dass sehr viele Besucher ganz spontan an die Abendkasse kamen, um Karten zu kaufen.»

Das letzte Festival-Wochenende bietet noch weitere hochkarätige Konzerte mit internationalen Orchestern und Stars: Heute, am Freitag, dirigiert Franz Welser-Möst das Cleveland Orchestra, morgen kehrt Jakub Hrůša noch einmal zurück nach Luzern, für einen Abend mit den Bamberger Symphonikern mit Werken von Gustav und Alma Mahler und Richard Wagner. Am Sonntag setzt das britische Chineke! Orchestra unter der Leitung von Kevin John Edusei und dem Cellisten Sheku Kanneh-Mason ein abschliessendes musikalisches Statement zum Thema «Diversity». Auf dem Programm steht unter anderem das Cellokonzert Nr. 2 von Dmitri Schostakowitsch und William Levi Dawsons klangmächtige African American Folk Symphony.

Das Thema «Diversity» spiegelte sich in vielfältiger Weise im Programm des fünfwöchigen Sommer-Festivals und habe alle Generationen von Besuchern begeistert, teilt die Festivalleitung mit. Zahlreiche Artists of Color prägten das Programm: Das Chineke! Junior Orchestra spielte gleich zu Anfang des Festivals, als «artistes étoiles» waren die Sopranistin Golda Schultz und der Multi-Instrumentalist und Komponist Tyshawn Sorey zu erleben, der bei der diesjährigen Academy eine Schlüsselrolle spielte. Auch die jungen Künstler der sechs Debut-Konzerte in der Lukaskirche hatten einen multiethnischen Hintergrund und präsentierten Werke von Black Composers. Frauen standen im Fokus, acht Dirigentinnen traten auf, Werke von 24 Komponistinnen von der Romantik bis zur Gegenwart, darunter 16 schwarze Komponistinnen wie Florence Price, der die Schweizer Tagesschau einen Beitrag widmete. Die Gründerin der Chineke! Foundation Chi-chi Nwanoku hielt am 12. August die Eröffnungsrede des Festivals zum Thema «Diversity», und Anne-Sophie Mutter spielte mit dem Lucerne Festival Orchestra ein Violinkonzert von Joseph Bologne, Chevalier de Saint-Georges. Alan Gilbert dirigierte eine konzertante Aufführung von «Porgy & Bess» mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester und dem NDR Vokalensemble.

Das Lucerne Festival Orchestra präsentierte insgesamt sechs Konzerte, Chefdirigent Riccardo Chailly dirigierte die beiden ersten Programme, beim dritten Konzert mit Werken von Gustav Mahler sprang Jakub Hrůša sehr spontan ein. Er dirigierte ein weiteres Konzert mit tschechischem Repertoire, Solisten des Lucerne Festival Orchestra traten mit Pianist Kit Armstrong auf, und an einem sechsten Abend übernahm der Konzertmeister Raphael Christ die musikalische Leitung.

18 der international renommiertesten Sinfonieorchester und Star-Solisten waren auch in diesem Sommer wieder am Vierwaldstättersee zu erleben: Aus den USA reisten das Cleveland Orchestra mit Franz Welser-Möst und das Philadelphia Orchestra mit Yannick Nézet-Séguin an, das London Symphony Orchestra war mit Sir Simon Rattle zu Gast. Zu hören waren die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Kirill Petrenko und Daniel Harding, die Wiener Philharmoniker wurden von Esa-Pekka Salonen dirigiert, das Budapest Festival Orchestra von Iván Fischer, das Concertgebouw Orchestra von Philippe Herreweghe, das West-Eastern Divan Orchestra von Daniel Barenboim, das Luzerner Sinfonieorchester von Michael Sanderling und das Helsinki Philharmonic Orchestra von Susanna Mälkki. Cecilia Bartoli trat mit den Musiciens du Prince – Monaco und Jakub Hrůša mit den Bamberger Symphonikern auf. Das Mahler Chamber Orchestra gastierte mit Isabelle Faust und Antoine Tamestit. Vor der offiziellen Eröffnung am 12. August spielten im Rahmen von «Music for Future» fünf Jugendorchester, das Youth Symphony Orchestra of Ukraine setzte am 8. August unter der Leitung von Oksana Lyniv ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine.

Neben den «artistes étoiles» Golda Schultz und Tyshawn Sorey sorgten weitere Solisten für künstlerische Highlights, darunter Avi Avital, Lisa Batiashvili, Augustin Hadelich, Juan Diego Flórez, Sol Gabetta und Kristian Bezuidenhout, Lang Lang, Igor Levit, Anne-Sophie Mutter, Víkingur Ólafsson, Bertrand Chamayou, Tabea Zimmermann, die Preisträgerin des «Credit Suisse Young Artist Award 2020» Valentine Michaud und die Sänger Angel Blue, Günther Groissböck, Camilla Nylund, Andrè Schuen und Klaus Florian Vogt.

Die Lucerne Festival Academy, die wieder über drei Wochen stattfand, begrüsste über 90 junge Profi-Musiker und vier «Conducting Fellows» aus insgesamt 26 Ländern. Acht junge Komponisten – sechs Frauen, zwei Männer – nahmen am Kompositionsseminar des künstlerischen Academy-Leiters Wolfgang Rihm und Dieter Ammann teil. Dieter Ammanns Klavierkonzert Gran Toccata erklang mit Andreas Haefliger am Klavier im Rahmen des räsonanz – Stifterkonzerts. Rihms 70. und Ammanns 60. Geburtstag wurden am 3. September mit einem Konzert des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) unter der Leitung von Sylvain Cambreling gefeiert, dort spielte das LFCO unter anderem Rihms Werk Sub-Kontur. Am 4. September gastierte das Orchester mit diesem Programm auch in der Kölner Philharmonie. Für Kinder und Familien wurden neue Produktionen der «Schurken» und der Taschenoper Lübeck angeboten. Das Festival «In den Strassen» erfüllte die Stadt Luzern vom 23. bis 28. August mit Musik von sechs internationalen Musikgruppen.

Luzern war auch in diesem Sommer Spielstätte von insgesamt 19 Uraufführungen, diese waren in Programmen von fünf «Contemporary»-Konzerten als auch von zwei Sinfoniekonzerten und von drei Konzerten der Reihe Debut integriert. Dazu zählte das Werk Air für Violine und Orchester von composer-in-residence Thomas Adès, das er für Anne-Sophie Mutter im Rahmen der «Roche Commissions» komponiert hatte, aber auch zwei Werke des diesjährigen «artiste étoile» Tyshawn Sorey. Das Herz der Sparte «Contemporary» bildete wie gewohnt die Lucerne Festival Academy mit dem Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO). In diesem Sommer wurde es ausserdem vom JACK Quartet, dem Quatuor Diotima und dem ensemble recherche ergänzt.

Als Kooperationen des Festivals mit dem Luzerner Theater wurden Bartóks einzige Oper, Herzog Blaubarts Burg, und die Musiktheater-Performance «STYX Tours. Ein Rendezvous mit dem Tod» präsentiert.

 

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