Elena Bashkirova und Franz-Xaver Ohnesorg. Foto: Klavier-Festival Ruhr/Peter Wieler
Elena Bashkirova und Franz-Xaver Ohnesorg. Foto: Klavier-Festival Ruhr/Peter Wieler

Jahrhundert-Schritte auf der Tastatur - 1823 - 1923 - 2023

Der Akzent 2023 würdigt den vor 100 Jahren geborenen Komponisten György Ligeti, u.a. mit der Aufführung des Klavierkonzerts mit Lorenzo Soulès (Di. 30. Mai Bochum) und der Aufführung des gesamten Zyklus der 18 Etüden durch Pierre-Laurent Aimard (Mi. 31. Mai, Bochum).

Mit einem vielfältigen Programm fächert das Klavier-Festival Ruhr 2023 den Reichtum der Klaviermusik auf. Die kommende Saison – die Abschiedsspielzeit von Intendant Franz Xaver Ohnesorg – beginnt am 24. April 2023. Bis zum 7. Juli treten in 22 Städten 79 Pianisten in 68 Veranstaltungen auf. Die internationale Pianisten-Elite wird so erneut in weltweit einmaliger Dichte an Rhein und Ruhr erlebbar sein; 29 Pianisten werden ihr Debüt geben. Schirmherr des kulturellen Leitprojekts des Initiativkreises Ruhr ist Dr. Markus Krebber, Vorstandsvorsitzender der vor 125 Jahren im Ruhrgebiet gegründeten RWE AG. Als Hauptsponsor des Klavier-Festivals Ruhr 2023 unterstreicht das international tätige Unternehmen mit seinem Engagement den hohen Stellenwert des Festivals, das nach den Worten Krebbers als „Markenzeichen der Region“ weit über sie hinaus Strahlkraft besitzt.

Im Eröffnungskonzert in der Philharmonie Essen am Montag, 24. April 2023 spielt Joseph Moog u.a. die Wandererfantasie von Franz Schubert in der Orchesterfassung von Franz Liszt gemeinsam mit dem Originalklang-Ensemble Anima Eterna Brügge unter Leitung von Jos van Immerseel. Im Abschlusskonzert in der Historischen Stadthalle Wuppertal am Freitag, 7. Juli 2023 setzt die Uraufführung eines neuen Klavierkonzerts von Philip Glass einen spannenden zeitgenössischen Akzent. Die mit Glass‘ Werk seit langem vertraute Maki Namekawa spielt gemeinsam mit dem MDR Sinfonieorchester unter Leitung des Glass-Experten Dennis Russell Davies. In seiner 28. und letzten Spielzeit führt Ohnesorg die im letzten Jahr begonnenen „Lebenslinien“ fort und begrüßt viele herausragende Pianisten, die durch ihre langjährige freundschaftliche Verbundenheit dem Klavier-Festival Ruhr in dichter Folge hochkarätige Konzerte ermöglicht haben. Drei Jahreszahlen – 1823, 1923 und 2023 – markieren Schwerpunkte im Programm und führen mit Bezug zu historischen Konstellationen dieser Jahre zu wichtigen Stationen der musikalischen Entwicklung. Dies spiegelt sich auch im festivaleigenen Education-Programm wider – zumal mit dem Werk des 1923 geborenen György Ligeti.

Der Akzent 1823 stellt das Werk Franz Schuberts in den Mittelpunkt und so fächern u.a.  Elisabeth Leonskaja (Mo. 19. Juni, Mülheim), das Duo Yaara Tal und Andreas Groethuysen (So. 21. Mai, Moers), oder Graham Johnson gemeinsam mit Sophie Rennert (Mezzosopran) (Fr. 19. Mai, Essen) und Matthias Goerne (Bariton) mit Markus Hinterhäuser (Mo. 12. Juni, Düsseldorf) die große Vielfalt der Klangsprache Schuberts auf.

Der Akzent 1923 widmet sich den musikalischen Entwicklungen in diesem Jahr der politischen Erschütterungen, ein Jahr das gekennzeichnet war u.a. durch die Besetzung des Ruhrgebiets und die rasante Geldentwertung. Vier eigens von Prof. Dr. Tobias Bleek, Leiter des Education-Programms des Klavier-Festivals Ruhr, kuratierte Veranstaltungen vergegenwärtigen Musik aus dem Jahr 1923 und beleuchten, wie sie ins Leben dieser aufgewühlten Zeit eingebettet war. Hierfür konnten die Bochumer Symphoniker unter Tung-Chieh Chuang und die Pianistin Tamara Stefanovich (So. 4. Juni, Bochum) ebenso gewonnen werden wie Kooperationsprojekte mit dem Museum Folkwang und dem Ruhr Museum: Musik und bildende Kunst der 1920er Jahre werden im Essener Folkwang Museum (Sa. 29. April) miteinander in Beziehung gesetzt, u.a. durch themenbezogene Führungen und einem Rezital von Yaara Tal. Frank Chastenier (Sa. 6. Mai, UNESCO Welterbe Zollverein Essen) gestaltet mit seinem Trio im Anschluss an eine Podiumsdiskussion einen Abend unter dem Titel „When I see twenty-three“. Einen Höhepunkt findet der „1923“-Schwerpunkt mit einer Aufführung von Charlie Chaplins Film The Kid, zu der Helge Schneider Filmmusik live am Klavier improvisiert (Mo. 5. Juni, Lichtburg Essen).

Der Akzent 2023 würdigt den vor 100 Jahren geborenen Komponisten György Ligeti, u.a. mit der Aufführung des Klavierkonzerts mit Lorenzo Soulès (Di. 30. Mai Bochum) und der Aufführung des gesamten Zyklus der 18 Etüden durch Pierre-Laurent Aimard (Mi. 31. Mai, Bochum). Ligetis Werk steht auch im Zentrum des aktuellen Education-Projekts: Schülerinnen und Schüler aus Duisburg-Marxloh präsentieren in einem Gesprächskonzert ihre choreografische Arbeit zu Musica ricercata (Mi. 1. Juni, Essen). In einem Liederabend bringt die Mezzosopranistin Sarah Maria Sun bisher unveröffentlichte frühe Lieder des Komponisten zur Uraufführung. Zu „Ligetis Welten“ finden sich Schülerinnen und Schüler aller fünf Schulen aus Duisburg-Marxloh zusammen (Mi. 14. Juni, Duisburg). Nicht zuletzt kulminiert der Akzent 2023 in der Uraufführung zweier Auftragskompositionen des Klavier-Festivals Ruhr: Sir András Schiff spielt das für ihn komponierte Solowerk Novembernacht von Luca Lombardi (Di., 27. Juni, Bochum) und das MDR Sinfonieorchester unter Dennis Russell Davies mit Maki Namekawa am Flügel hebt das neue Klavierkonzert von Philip Glass aus der Taufe (Fr. 7. Juli, Wuppertal).

Mit den „Lebenslinien“ knüpft das Festival an seine langjährig gewachsenen, persönlichen Freundschaften und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit bedeutenden Künstlern an. Und so werden u.a. Martha Argerich, Alfred Brendel, Grigory Sokolov, Krystian Zimerman, Arcadi Volodos, Igor Levit, Hélène Grimaud, Marc-André Hamelin, Jean-Yves Thibaudet, Daniil Trifonov, Evgeny Kissin, oder die Jazzmusiker Till Brönner, Fred Hersch, Gerald Clayton, Chilly Gonzales und Götz Alsmann die letzte Spielzeit von Intendant Prof. Franz Xaver Ohnesorg künstlerisch bereichern.

Kit Armstrong – eine musikalische Zeitreise

Schon vor dem Auftakt der Festival-Saison lädt das Klavier-Festival Ruhr zu einer musikalischen Zeitreise durch fünf Jahrhunderte Klaviermusik mit dem jungen Pianisten und Musikforscher Kit Armstrong ein. Er nimmt in fünf Konzerten am Samstag, 11. und Sonntag, 12. März im Anneliese Brost Musikforum Ruhr in Bochum sein Publikum mit auf eine Tour durch fünf Jahrhunderte Klaviermusik, beginnend mit dem „Goldenen Zeitalter“ zwischen 1520 und 1620 und endend mit der Epoche „zwischen allen Kulturen“ zwischen 1920 und 2020.

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