Die Deutsche Kammerakademie im Neusser Zeughaus. Bild: Melanie Stegemann
Die Deutsche Kammerakademie im Neusser Zeughaus. Bild: Melanie Stegemann

Koncz, Keulen, Kammerakademie

Auftakt mit musikalischen Protestnoten.

Die aus zahlreichen Ländern stammenden Orchestermitglieder der Kammerakadeie agieren international als unüberhörbare Botschafter ihrer „Heimat“ Neuss. Hier prägen sie mit Abonnementkonzerten und innovativen Sonderprojekten, Schulpatenschaften und dem besonderen Programm zur Musikvermittlung „Klassik-Education“ das Musikleben der Stadt. Sowohl Isabelle van Keulen, die künstlerische Leiterin der Deutschen Kammerakademie Neuss, als auch deren Chefdirigent Christoph Koncz haben vor wenigen Wochen ihre neuen Verträge unterschrieben und werdens in der kommenden Saison wieder auf dem Podium des Zeughauses die musikalischen Darbietungen „ihres“ Orchesters leiten.

Den Auftakt der nächsten Spielzeit markieren Christoph Koncz und die Deutsche Kammerakademie Nuess (dkn) am 9. Oktober mit drei klassischen Protesten: der Ouvertüre zu Don Giovanni und der Prager Symphonie von Wolfgang Amadeus Mozart, in denen die faszinierend düsteren Töne dominieren, und der Eroica, mit der Ludwig van Beethoven seine persönliche Vorstellung von einer neuen, freieren Welt formulierte. Isabelle van Keulen hat für ihren Saisonstart am 13. November den reinen Streicherklang der späten Romantik ausgewählt. Im Zentrum ihres Programms steht Erich Wolfgang Korngolds Symphonische Serenade op. 39 – ein wehmütiger Rückblick auf die gute alte Zeit um 1900, in der man noch unbelächelt schwelgen durfte. Als Umrahmung fungieren zwei Werke des rumänischen Komponisten und Geigers George Enescu, der damals seine ersten, recht kühnen Schritte wagte.

Am 26. Februar 2023 tritt mit dem Österreicher Andreas Ottensamer ein Gast an das Pult, der – als Klarinettist ein gestandener Musiker von Weltformat – als Dirigent zum verheißungsvollen „Nachwuchs“ gehört. Zu Recht, wie er zunächst mit zwei Sätze aus der Ballettmusik zur Oper Idomeneo von Mozart und der unerhört geistreichen „Dissertation“ des Oxforder Ehrendoktors Joseph Haydn demonstrieren wird. Im Anschluss spielt die dkn unter seiner Leitung das erzromantische Intermezzo für Streichorchester op. 8 von Franz Schreker, der seit 1912 mit seinen Opern für Furore sorgen sollte. Das letzte Wort der Matinee hat Béla Bartók mit seinem unwiderstehlichen Divertimento.

In ihrer doppelten Funktion als künstlerische Leiterin und Solistin beherrscht Isabelle van Keulen dann am 19. März das Geschehen des vierten Abonnementkonzerts. Den alpenländischen „Souvenirs“ des Knaben Felix Mendelssohn, der Schweizer Sinfonie, folgt das fünfte Violinkonzert A-dur KV 219 von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahre 1775, ein launig-virtuoser Reigen im Geschmack der Zeit, die unter anderem viel Vergnügen an den „türkischen Instrumenten“ fand. Das abschließende Souvenir de Florence op. 70, Peter Tschaikowskijs Reiseandenken aus der letzten Lebenszeit, ist dem phänomenalen Neusser Streicherapparat förmlich auf alle Saiten geschrieben ...

Mit Mozart geht es am 16. April 2023 ins fünfte Abonnementkonzert, in dem Christoph Koncz und die dkn einen bemerkenswerten Bogen spannen. Als erstes ist die originelle Salzburger Serenata notturna KV 239 zu hören, der mittels einem Zeitsprung von 200 Jahren das Tabula rasa von Arvo Pärt folgt, das den Künstler zu einer Kultfigur werden ließ. – Der auf der Bühne bereits vorhandene Flügel kommt im letzten Werk des Konzertes zu voller Geltung, denn in dem Arsenal, das Béla Bartók in seiner Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta aufmarschieren lässt, spielen die Saiten der Harfe und des Klaviers eine herausragende Rolle.

Zur Übersicht
Anzeige

FonoForum-Newsletter

Mehr frische Infos und Angebote finden Sie im FonoForum-Newsletter.

Jetzt registrieren