Luftbild Kloster und Kirche St. Mang, Hohes Schloss in Füssen. Bild: Robert Klinger
Luftbild Kloster und Kirche St. Mang, Hohes Schloss in Füssen. Bild: Robert Klinger

Vielsaitiger Treffunkt in Füssen

Das Festival "vielsaitig Füssen" findet 2022 zum 20. Mal statt. Aus diesem Anlass wurde Matthias Kirschnereit – gewissermaßen als Geschenk zu seinem 60. Geburtstag – mit der künstlerischen Leitung betraut. Danach wird er den Stab an den Cellisten Julian Steckel weitergeben.

Über ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit das Kulturamt Füssen und die Mitglieder des Verdi Quartetts nach einem Konzert beim Wein zusammen saßen und die Idee eines Festivals entwickelten, bei dem die Geschichte des Lauten- und Geigenbaus im Mittelpunkt stehen und Füssen somit als Ursprungspunkt der ersten europäischen Lautenmacherzunft beleuchtet werden sollte. Seit der Gründung des Festivals 2003 wurde eine vielsaitige Tradition geschaffen, die mit dem Erreichen des „Erwachsenenalters“ beinahe zwangsläufig nach dem Beginn eines neuen Kapitels verlangte – eines Kapitels freilich, das selbst in vielen erfolgreichen Jahren vorbereitet wurde.

Verrückte Freunde, die bei gemeinsamen Augenblicken durch musikalische Prismen Zwischenräume entdeckten und in Staunen versetzten: Es wäre ein schönes Spiel, all die Devisen, mit denen das Festival vielsaitig im Laufe seines langjährigen Bestehens und Wirkens ein immer größeres Publikum angezogen hat, zu einer Wortschlange zu knüpfen und diese zwischen den höchsten Punkten der einzigartigen Füssener Silhouette als phantastische Girlande auszuspannen – damit auch niemand übersehe, dass das weithin beliebte Festspiel im Spätsommer seinen zwanzigsten Geburtstag feiert.

Und sage niemand, dass eine solche Zierde nicht auch zu dem Motto passte, das Matthias Kirschnereit, der diesjährige künstlerische Leiter des Festivals im Zusammenspiel mit dem Kulturamt der Stadt ersonnen hat: HORIZONTE nämlich werden sich vom 31. August bis zum 10. September auftun, wenn die inzwischen längst liebgewonnene Tradition in eine neue Ära einmündet, bewährte Konzepte und Veranstaltungsformate wie die Meisterkurse oder der Treffpunkt Geigenbau sich mit einem aktuellen Programm verbinden, das sich nicht auf kleinere kammermusikalische Besetzungen (vom Trio bis zum Quintett oder Sextett) beschränkt, sondern als krönenden Abschluss auch das erste Gastspiel des Württembergischen Kammerorchesters vorsieht und so ungewöhnliche Klangperspektiven eröffnet.

Der Weg bis dahin ist mit hochkarätigen Konzerten reich bestückt. Die Stargeigerin Lena Neudauer im Trio mit dem Cellisten Julian Steckel und Matthias Kirschnereit, dazu mit dem Leonkoro und dem Aris Quartett zwei erlesene Ensembles für intelligente Gespräche zu viert, das dänisch-lettische Carion Quintett mit seinen aufsehenerregenden Bläserdebatten und der sagenhafte Flötist Maurice Steger – und endlich das schwedisch-kubanisch-deutsche Tingvall Trio als Repräsentant eines modernen Jazz, in dem melodische Elemente die Hauptrolle spielen.

Eine Besonderheit beim Festival vielsaitig Füssen ist der „Treffpunkt Geigenbau“: Vorträge sowie eine Ausstellung von Streich‑ und Zupfinstrumentenbauern aus der Region ermöglichen den Gedankenaustausch und das Probespiel auf den unterschiedlichsten Meisterinstrumenten. Die Geigenbaumeister gehen konkret auf Fragen ein und gewähren Einblicke in die Herstellung und die Geheimnisse des Instrumentenbaus. Das sind einige der prismatischen Augenblicke, in denen das zwanzigste Festival vielsaitig Füssen die Zwischenräume zwischen den musikalischen Schubladen verrückt und den Weg frei macht zu neuen Horizonten.

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