Tuulikki Bartosik. Foto: Ingridient
Tuulikki Bartosik. Foto: Ingridient

Estland, Musikland, weiblich

Mit seinem Estland-Schwerpunkt präsentiert das Usedomer Musikfestival auch zahlreiche Komponistinnen aus dem nördlichsten baltischen Land.

Bereits im ausverkauften Eröffnungskonzert werden Zuhörer Zeugen eines Werkes der Estin Liis Jürgens (geb. 1983), die zugleich auch Harfenistin des Baltic Sea Philharmonic ist – ein Orchester, gegründet vom Usedomer Musikfestival, das junge Musiker aus allen Ostseeländern vereint. Ihre Komposition The Dream of Tabu-tabu wurde vom Orchester und Kristjan Järvi im März 2022 in Antwerpen uraufgeführt und ist von der estnischen Natur, den Menschen, Komponisten und der Kultur inspiriert. The Dream of Tabu-tabu wurde vom Orchester in Auftrag gegeben – ein Beispiel dafür, wie das vom Usedomer Musikfestival gegründete Baltic Sea Philharmonic seine Musiker darin bestärkt, sich kreativ auszuleben.

Am Sonntag präsentiert das Usedomer Musikfestival mit der estnischen Akkordeonistin Tuulikki Bartosik eine Strandkonzertpremiere. Die Musikerin und Komponistin ist vielseitig und ihre Werke bringen Vieles zusammen: die Natur und alle Geschichten des Lebens, unterschiedliche Orte der Welt und das warme Gefühl ein Mensch zu sein. Ihre innovativen und lebendigen Eigenkompositionen, die mit den neoklassischen Werken des Franzosen Eric Satie aber auch mit der hypnotischen und minimalistischen Musik des Amerikaners Philip Glass, verglichen wurden, spielt sie am Sonntag, 15 Uhr am Strand von Seebad Ahlbeck. Zuhörer können dann im transparenten Konzertzelt, den Blick über das Meer schweifen lassen, wenn sich Bartosiks Klänge mit dem Rauschen der Wellen vereinen. Die Künstlerin möchte ihre Zuhörer zur Reflexion über die tieferen Schichten des Lebens und des Seins verleiten, dabei verwendet sie Akkordeon, Stimme und Elektronik. Im Usedomer Konzert spielt sie aus ihrem neuesten Album „Tempest in the teapot“ (Sturm im Teetopf). Neben Tuulikki Bartosik werden mit der Querflötistin Monika Matthiesen oder der Folkmusikerin Mari Kalkun weitere komponierende Solokünstlerinnen beim Usedomer Musikfestival auftreten.

Einer der großen estnischen Komponistinnen, Ester Mgi widmet sich der Rektor der Musik- und Theaterakademie Estlands, Ivari Ilja am Sonntag, 19:30 Uhr in der Klosterkirche Krummin, ganz in der Nähe einer der schönsten Naturhäfen der Insel Usedom. Er gilt als großer Musikbotschafter der estnischen Klavierkunst. In Tallinn und Moskau ausgebildet, führte ihn seine Karriere als Solist und auch als Liedbegleiter in die ganze Welt. Sein Klavierabend ist der intimen Stimmungskunst der estnischen Klassik und der geschliffenen Lyrik von Chopin gewidmet. Werke von Ester Mägi erklingen auch in späteren Konzerte des Usedomer Musikfestivals, so am 3. Oktober zum Tag der Deutschen Einheit mit dem Signum Quartet.

Weitere Konzerte, von tausendjähriger Folklore, über klassisch-romantische Sinfoniekonzerte bis hin zu Jazz und Experimentalkunst der Gegenwart laden an die schönsten Konzertorte des Eilandes ein. Kaiserzeitliche Hotels, stimmungsvolle Kirchen und romantische Schlösser oder auch Mecklenburg-Vorpommerns größtes Industriedenkmal, das Kraftwerk Peenemünde verwandeln sich dann in Konzertkulissen, vor denen die große Vielfalt estnischer Musik stimmungsvoll inszeniert wird.

www.usedomer-musikfestival.de

Interessantes aus unserem Archiv:

Neeme und Paavo Järvi: https://www.stereo.de/fonoforum/archiv/1998/7/die-anwaelte-estlands-17512 

Usedom: https://www.stereo.de/fonoforum/archiv/2018/9/von-wegen-nachsaison-68941

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