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Ensemble Modern | Kurt Weill: Mahagonny

Ensemble Modern | Kurt Weill: Mahagonny

Diese CD ist eine Unverschämtheit! Eine Frechheit! Ein Übermut! – Wann ist die unwiderstehliche Unternehmungslust, von der die Menschen in Mahagonny angetrieben werden, auch so unwiderstehlich musiziert worden? Tollkühn stürzen sich die Bläser ins Vergnügen, dreist schrammen die Streicher an den Dissonanzen entlang, süß flötet der Sopran von seiner Sucht nach Whiskey, frech kreischen die Spielhöllenburschen. Das ist Gesellschaftskritik, die unbändigen Spaß macht.


Wie schon bei der sensationellen Dreigroschenoper von vor 20 Jahren hat das Gespann Ensemble Modern/HK Gruber auch hier zum ersten Mal die kritische Ausgabe der Kurt Weill Foundation eingespielt. Das Vorspiel zum Benares-Song ist von brennend-intensiver Tiefe – Weills Musik wird in alle Richtungen ausgelotet, in jeder Silbe durchleuchtet. Die entsetzliche Langeweile und Traurigkeit des Lebens wird zelebriert und verspottet zugleich. Man verachtet diese wüsten Menschen und liebt sie im selben Moment, weil sie einen so unverwechselbaren musikalischen Ausdruck haben. Was wir hören, ist Musik fürs 21. Jahrhundert, nichts könnte aktueller klingen.
Mit dem gleichen Furor stürzen sich die Interpreten in die Stücke, die von Weills Pariser „Marie Galante“ übrig blieben – eine Resteverwertung von solcher Art, konzipiert von Kim H. Kowalke, macht satt! Ute Gfrerer findet mit dem Gesangsquartett von amarcord auch den rechten Ton für die Qual und die Sehnsucht nach einem anderen Leben. Die Musiker des Ensemble Modern dürfen zum Schluss noch elegant die Kleine Dreigroschenmusik spielen, jene Suite, die Otto Klemperer im Foyer der Krolloper wesentlich ruppiger uraufführte. Selten so lustvoll-explosive Entspannung erlebt.

Bernd Feuchtner

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Musik:
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5,00

Weill: Mahagonny. Ein Songspiel, Chansons des Quais, Kleine Dreigroschenmusik; Ute Gfrerer, Winnie Böwe, amarcord, Ensemble Modern, HK Gruber (2016/17); Ensemble Modern Medien

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