Bayreuth Baroque, hier das Schlusstableau aus "Carlo il calvo". Bild: Lukasz Rajchert
Bayreuth Baroque, hier das Schlusstableau aus "Carlo il calvo". Bild: Lukasz Rajchert

Römische Verhältnisse in Bayreuth

Im September entführt das Bayreuth Baroque Opern Festival 2022 an fünf Spielorten in Bayreuth mit über 16 Veranstaltungen in die schillernde Welt des Barock.

Den fulminanten Start macht die Neuinszenierung von Leonardo Vincis "Alessandro nell‘Indie" durch den künstlerischen Leiter des Opernfestivals Max Emanuel Cencic – mit einer reinen Männerbesetzung. Auch zwei konzertante Opern, ein Oratorium und viele Konzerte präsentieren das virtuose römische Barockrepertoire mit Stars der internationalen Barockszene wie Franco Fagioli, Bruno des Sá, Jeanine De Bique und Julia Lezhneva. Das Residenzorchester der diesjährigen Ausgabe ist {oh!} Orkiestra unter der musikalischen Leitung von Martyna Pastuszka.

Wenn sich am 7. September im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth der Vorhang zum Start des Opernfestivals hebt, wird Vincis Oper "Alessandro nell‘Indie" über den Indienfeldzug Alexander des Großen erstmals seit beinahe 300 Jahren wieder vollständig zu hören sein, uraufführungsgetreu in reiner Männerbesetzung mit Franco Fagioli (Poro), Bruno de Sá (Cleofide), Jake Arditti (Erissena), Dennis Orellana (Alessandro), Stefan Sbonnik (Gandarte) und Nicholas Tamagna (Timagene), es musizieren das {oh!} Orkiestra und der Chor des Bayreuth Baroque Opera Festival unter der musikalischen Leitung von Martyna Pastuszka. Das Libretto Pietro Metastasios wurde insgesamt fast 80 Mal vertont, auch Wilhelmine von Bayreuth brachte 1741 in Erlangen eine Oper basierend auf diesem populären Libretto heraus.

Das Bayreuth Baroque präsentiert 2022 drei weitere theatralisch-konzertante Aufführungen: Die Festa pastorale "Il Nascimento dell’aurora" (15.09.) des großen venezianischen Melodikers Tomaso Albinoni entstand zur Ehrung der Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel anlässlich ihres Geburtstags. Die Handlung des vermutlich 1711 uraufgeführten Werkes vermischt allegorisches, lieblich-süßes Nichts mit Anspielungen auf den Spanischen Erbfolgekrieg.

Giovanni Bononcinis "Griselda" wird erstmals seit 1733 wieder vollständig aufgeführt, mit eigens durch den Komponisten und Barockspezialisten Dragan Karolić neu komponierten Rezitativ-Texten Apostolo Zenos’. Das Dramma per musica erzählt von Gualtiero, König von Sizilien, der die Schäferin Griselda liebt, was auf Grund der Ständeordnung selbstverständlich zu Konflikten führen muss (18.09.).

Da die Oper im Rom des 17. Jahrhunderts als weltliche Gattung der päpstlichen Zensur ausgeliefert war, wurden Oratorien geistlichen Inhalts zu den bevorzugten und erfolgreichsten Werken im Kirchenstaat. Wie "Alessandro nell’Indie" wird auch das Oratorium "San Giovanni Battista" des skandalumwitterten Komponisten Alessandro Stradella in einem Kerzenschein-Konzert in reiner Männerbesetzung nach dem Vorbild der Uraufführung zu erleben sein (14.09.).

Weitere Highlights der diesjährigen Ausgabe sind Gala-Konzerte mit Bruno de Sá und Il Pomo d’Oro (16.09.), Max Emanuel Cencic feiert in Bayreuth mit Armonia Atenea, dem letztjährigen Residenzorchester, sein 40-jähriges Bühnenjubiläum (10.9.), Jeanine De Bique kommt mit Concerto Köln (08.09.) und Julia Lezhneva wird mit dem diesjährigen Residenzorchester {oh!} Orkiestra zu erleben sein (17.09.). 

Abgerundet wird das Programm von vielen weiteren Konzerten an historischen Orten in Bayreuth, darunter das im letzten Jahr so beliebte Dinnerkonzert im Sonnentempel der Orangerie in der Eremitage. Neu in diesem Jahr sind Kerzenlicht-Konzerte in Stadt- und Schlosskirche sowie erstmals drei Konzerte in der Ordenskirche St. Georgen.

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