Gruppenbild vom Münchner Böhm-Wettbewerb mit Böhm, aber ohne Flöte. Bild: Robert Fischer
Gruppenbild vom Münchner Böhm-Wettbewerb mit Böhm, aber ohne Flöte. Bild: Robert Fischer

Mit Böhm-Flöte wettbewerbsfähig

Alle drei Jahre findet der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Böhm-Flöten-Wettbewerb an der Hochschule für Musik und Theater München statt. Der Wettbewerb wird gemeinsam von der Theobald-Böhm-Gesellschaft e.V. und der Hochschule für Musik und Theater München in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Flöte e.V. veranstaltet.

Der diesjährige Wettbewerb fand vom 7. bis zum 10. März 2022 statt. Die Preisträger wurden im Abschlusskonzert am Donnerstag, den 10. März 2022 ausgezeichnet. Angemeldet hatten sich in diesem Jahr insgesamt 71 Musiker aus 21 Ländern – so viele wie noch nie seit 2006.

Ins Finale zogen ein Metka Črnugelj (Slowenien), Eva Faganelj (Slowenien), Jeongyeon Lee (Südkorea), Wuhao Yu (China). Alle vier hatten sich während der Vorspiel-Runden durch ihr souveränes Spiel, das ein großes Verständnis für die vorgetragenen Werke offenbarte, und eine herausragende Interpretation abgesetzt.

Mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde am Ende Metka Črnugelj. Der 2. Preis ging an Jeongyeon Lee, die auch gleichzeitig den »Sonderpreis für die beste Teilnehmerin unter 20 Jahren« erhielt. Beide Musikerinnen ragten durch eine profilierte Gestaltung und variable Klangfarben, mit einer effektvollen und artikulierten Interpretation heraus. Auch die dynamische Tiefe der Musik überzeugte die Jury. Der 3. Preis ging an Eva Faganelj. Preisträger in der Kategorie »Sonderpreis für Altflöte in G« wurde Tommaso Binini (Italien).

Der Böhm-Wettbewerb blickt auf eine lange Tradition zurück: Dem Münchner Instrumentenbauer Theobald Böhm war es 1864 gelungen ein neu durchdachtes Klappenwerk auf zylindrischem Rohr zu entwickeln. Er verfeinerte es immer weiter mit dem Ziel, den Flötisten mehr Virtuosität, eine erweiterte Dynamik und neue Klang-Nuancen zu ermöglichen, wie sie der hochromantische Musikstil des 19. Jahrhundert verlangte. Diese zukunftweisende Veränderungen des Instrumentes, kurz »Böhmflöte« genannt, revolutionierte zugleich das bauliche System aller Holzblasinstrumente. Wenn heute die Querflöte als das meist gespielte Blasinstrument gilt, so schuldet man dies ohne Zweifel der klugen Erfindung von Theobald Böhm, der selbst auch ein hervorragender Musiker und Komponisten gewesen ist.

Der Wettbewerb unterscheidet sich von anderen Flötenwettbewerben dadurch, dass in erster Linie die romantisch-virtuosen Kompositionen und Bearbeitungen von Theobald Böhm im Fokus des Wettbewerb-Repertoires stehen, um die Erinnerung an Böhms vielfältiges Œuvre zu erhalten. In der ersten Runde bildeten dieses Jahr neben einer seiner Etüden, eine Bearbeitung eines Lieds von Schubert für Flöte in C oder Altflöte in G sowie eine der zwölf Fantasien für Flöte solo von Telemann den Mittelpunkt. In der zweiten Wettbewerbsrunde standen neben einem Werk von Böhm zeitgenössische Stücke von Paul Hindemith, Bohuslav Martinů und Sergei Prokofjew für Flöte und Klavier und ein modernes Werk für Flöte solo von Eugène Bozza und Sigfrid Karg-Elert zur Auswahl. In der dritten Runde standen Böhms Souvenir, Opus 32, das Andante, Opus 33, Andante et Polonaise, Opus 3 und Grande Polonaise, Opus 16b für Flöte und Klavier im Fokus.

Die Preisgelder für die ersten drei Gewinner (5.000, 3.000, 2.000 Euro) stellten die Stiftung Otto Eckhart, Yamaha Europe sowie die Dr. Castringius-Stiftung zur Verfügung. Weitere Sonderpreise gab es für die beste Interpretin / den besten Interpreten auf der Altflöte in G, und für den besten Teilnehmer unter 20 Jahren.

Der nächste Theobald-Böhm-Wettbewerb wird wieder 2025 ausgeschrieben.

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