Ein Blick auf Ascona. Bild: Switzerland Tourism/Christof Sonderegger
Ein Blick auf Ascona. Bild: Switzerland Tourism/Christof Sonderegger

Ascona lockt - auch mit Musik

Herausragende Namen, ein bunter Strauss von Veranstaltungen und eine faszinierende Musikauswahl: Mit elf Konzerten, die vom 27. August bis 8. Oktober 2022 in den Kirchen San Francesco (Locarno) und Collegio Papio (Ascona) stattfinden, verspricht die 77. Ausgabe der Musikwochen Ascona erneut musikalischen Hochgenuss.

Es gibt nur wenige internationale Musikgrössen, die seit 1946 nicht den Weg an den Lago Maggiore gefunden hätten. Die 77. Ausgabe – die zehnte unter der Verantwortung ihres künstlerischen Leiters und Pianisten Francesco Piemontesi – setzt diese Tradition auch 2022 fort. Ein besonderes Highlight der Musikwochen wird wieder das Open-Air-Konzert auf der Seepromenade Asconas sein. Die Veranstaltung findet am 27. August zur Eröffnung des Festivals statt. Zu Gast sein wird die wirklich außergewöhnliche schottische Perkussionistin und Grammy-Preisträgerin Evelyn Glennie, die bereits in jungen Jahren ihr Gehör verlor und das Publikum dennoch regelmässig mitreisst, und zwar meistens barfuss, um die Musik über die Vibrationen wahrzunehmen.

Ihre Konzerte sind immer unvergessliche Erlebnisse! Die Rückkehr der großen Maria-João Pires Zwischen 1985 und 2005 war sie bereits sechsmal in Ascona. Gemeinsam mit einem der besten Kammerensembles der Welt, dem Kammerorchester Basel, das bei diesem Projekt zudem mit dem herausragenden Trevor Pinnock als Dirigent zusammenarbeitet, wird Pires zum Auftakt der diesjährigen Kirchenkonzerte am 2. September ein Meisterwerk von Mozart präsentieren: das Konzert für Klavier und Orchester in A-Dur, KV 488.

Francesco Piemontesi wirkt dieses Jahr gleich bei drei Konzerten mit. Zunächst am 6. September gemeinsam mit dem Chamber Orchestra of Europe unter der Leitung von Robin Ticciati. Auf dem Programm des tief in die Romantik eintauchenden Abends steht neben der Sinfonie Nr.1 von Brahms das Konzert in a-Moll für Klavier und Orchester op. 54 von Schumann. Am 16. September folgen dann zwei weitere Konzerte der Reihe «Piemontesi & Friends». Sie stehen ganz im Zeichen der Musik von Brahms und bieten in Begleitung der beiden herausragenden Solisten Francesca Dego und Daniel Müller-Schott ein Wechselspiel zwischen Klavier, Violine und Cello.

Neben Kammerkonzerten und einzelnen Instrumenten gewidmeten Solokonzerten haben die Musikwochen stets auch große Orchester präsentiert. So darf sich das Publikum dieses Jahr besonders auf den 26. September freuen, wenn Ivan Fischer das Budapest Festival Orchestra dirigieren wird. Berühmt ist es für seine außergewöhnlichen Programme und den innovativen musikalischen Ansatz seines Leiters, der es 1983 aus häufig noch sehr jungen, noch nicht in Routinen gefangenen Musikerinnen und Musikern gebildet hat. Mit seinem in Locarno präsentierten Programm wird das Orchester den Bogen von Wagners Siegfried-Idyll über Ligetis groteske und exzentrische Misteri del Macabro bis hin zur monumentalen Sinfonie Nr. 3 Beethovens spannen, der sogenannten Eroica.

Die Musik Georg Friedrich Händels ist von einzigartiger Herrlichkeit. Wer diese Musik liebt, sollte die Darbietung des einzigartigen Freiburger Barockorchester unter dem Dirigenten René Jacobs am 22. September auf keinen Fall verpassen. Seinen ersten Auftritt bei den Musikwochen überhaupt wird es mit zwei mythologisch inspirierten Kantaten sowie zwei Instrumentalstücken bestreiten. Dazu gehören das dritte Konzert für Orchester und Orgel und die Ouverture der Oper Agrippina, deren Uraufführung in Venedig 1709 ein Riesenerfolg war, so dass nicht weniger als 27 Wiederholungen folgten.

Die Strenge und Disziplin, mit der sie Klassiker zu neuem Leben erweckt, gepaart mit einer schrillen, ganz und gar mediterranen Unvorhersehbarkeit, macht sie immer beliebter (und gefragter). Die Rede ist von Beatrice Rana mit einem unwiderstehlichen Programm: Zur Eröffnung die schwermütigen Akkorde des Trauermarschs von Chopin und als Nachspiel die prophetische Hammerklaviersonate von Beethoven.

Der verblüffende katalanische Barockgambist und wissbegierige Altphilologe Jordi Savall erfreut seit Jahren mit Programmen, die der Musik in den Weltkulturen gewidmet sind. In letzter Zeit befasst er sich jedoch wieder mit der fruchtbaren Klassik der Donauregion, die er mit derselben Akribie und Inspiration beherrscht. Nach dem Programm von 2021 mit dem Titel Folias & Romanescas kehrt er als Dirigent des Concert Des Nations und seinen jungen Orchestermusikern zurück. Mit zwei richtungsweisenden Stücken aus Schuberts Katalog, den Sinfonien die Unvollendete und die Große.

Wer Kammermusik liebt, sollte sich den 30. September vormerken, wenn das Modigliani-Quartett auftritt. Als dieses Quartett 2003 in Paris gegründet wurde, war schnell klar, dass es sich von der Routine unzähliger Kammermusikgruppen lösen und auf den spirituellen Inbegriff des gemeinsamen Musizierens konzentrieren würde. Doch am besten vergewissert man sich dessen gleich selbst. Das Streichquartett La malinconia von Beethoven und zwei echte Perlen aus dem Katalog von Schubert sind vielleicht der beste Beweis dafür.

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