Margret Köll (Bild: Armin Linke)
Margret Köll (Bild: Armin Linke)

5 Fragen – 5 Antworten: Margret Köll

Margret Köll begann mit der Harfe der Tiroler Volksmusik, studierte dann Konzertharfe und vertiefte sich in die Aufführungspraxis der Alten Musik. Sie lehrt an der Hanns-Eisler-Hochschule in Berlin und gilt als Spezialistin für historische Harfen.

1. Ein Stück, das Ihnen viel bedeutet, das aber viel zu wenig bekannt ist: Giovanni Maria Trabaci: „Toccata Seconda e Ligature per l’Arpa“ – Ein explizit für die mehrreihige Harfe (Arpa doppia) geschriebenes Stück aus dem Umfeld von Carlo Gesualdo. Der verwegene Kompositionsstil fasziniert mich, von stoischer Ruhe bis hin zu überraschend chromatischen Kaskaden.

2. Ein Stück, das alle/die meisten anders spielen als Sie: Es liegt in der Natur der Interpretation, gerade im Bereich der Alten Musik, über die historische Auseinandersetzung hinaus eine persönliche Note für jedes Stück zu finden. Ansonsten hätte ich ja nichts zu sagen und sollte meine Aufmerksamkeit einem anderen Stück widmen.

3. Ein Stück, das Sie nie wieder spielen wollen (aber früher spielen mussten): Die Serenade von Elias Parish-Alvars. Die Ästhetik der Komposition hat mich weder begeistert noch berührt. Aber natürlich ist der berühmte Harfenvirtuose und Komponist nicht aus der Harfengeschichte wegzudenken!

4. Das letzte Musikerlebnis, das Sie umgehauen hat (als Interpret oder als Zuhörer): Auf der Suche nach einem Lyrichord (gestrichenes Tasteninstrument) bin ich auf die Aufnahme von Sławomir Zubrzycki „The Da Vinci Sound“ gestoßen, der das Instrument selbst nach einem Design von Leonardo gebaut hat. Nie zuvor hatten meine Ohren einen solchen Klang vernommen, eine neue Galaxie hat sich vor mir aufgetan. Ich habe Sławomir sofort zu meinem neuen Projekt „Wondrous Machine“ eingeladen. Händels berühmtes Harfenkonzert ist hier in einer äußerst seltenen Version für Harfe, Laute, Lyrichord und Orchester zu hören.

5. Ein Stück, das Sie nie verstanden haben: „Der Himmel über Berlin“ von Wim Wenders, kein Musikstück, sondern ein Stück Filmgeschichte. Vielleicht sollte man diesen schwebenden Film aber auch gar nicht verstehen wollen …

Frisch erschienen: Auf einer walisischen Tripelharfe lässt Margret Köll Musik von Dowland und Purcell in sentimentaler Leichtigkeit durch ihre Sichtweise gleiten.

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