(Bild: High End Society)
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Interview mit Stefan Dreischärf von der High End Society

Die High End Messe in München wurde auf den 09.-12. September 2021 verschoben. STEREO hat den Geschäftsführer der High End Society, Stefan Dreischärf, dazu interviewt und gewährt spannende Einsichten in die Pläne der wohl wichtigsten High-End-Audio-Messe der Welt.

Interview mit Stefan Dreischärf

STEREO:  Herr Dreischärf, Sie haben bereits Anfang Dezember die nächste High End-Messe auf den 09. bis 12. September 2021 verschoben. Haben Sie irgendwelche Informationen, die uns anderen nicht vorliegen?

Dreischärf: (Lacht) Nein, letztendlich liegen uns die gleichen Informationen vor, wie Ihnen auch. Mit unseren Planungen muss man sich das so vorstellen: Die High End-Messe ist ein Block von zehn Tagen, in denen wir das komplette MOC brauchen. Bei der Planung 2021 sind wir daher vorerst bei unserem angestammten Termin im Mai geblieben. Zwischenzeitlich haben wir uns natürlich die Entwicklung der Pandemie sehr genau angesehen, mit dem RKI regelmäßig telefoniert, und wie wir alle heute wissen, ist die zweite Welle deutlich stärker als die erste.

Zurück zu dem Zehn-Tage-Slot. Wir hatten die Aussteller nicht nur zum Termin im Mai eingeladen, sondern parallel zu einem alternativen Termin im Dezember. Wir hatten diesen ausgewählt, falls es im Mai doch zu eng werden sollte und weil der Slot im Dezember noch frei war. Man kann sich leider nicht beliebig Termine aussuchen. Das MOC hat mit vielen anderen Messen Rahmenverträge, das können auch deutlich kleinere Veranstaltungen sein als unsere, aber bestehende Verträge haben Vorrang. Wir waren aber weiter mit den MOC im Gespräch, weil der Dezember als Alternative nicht unser Wunschtermin war. Dann haben wir den möglichen Slot im September bekommen, über den wir jetzt auch reden. Wir haben den Termin sorgfältig geprüft, er ist für alle Beteiligten perfekt, wir müssen aber eine Kröte schlucken. Dazu komme ich später.

Im September sind wir wesentlich weiter weg von der augenblicklich schwierigen Corona-Situation, als im ursprünglich vorgesehenen Mai. Das bedeutet, ein Impfstoff hat bis dahin mehr Chancen, die Pandemie zu bekämpfen. Zudem liegen wir dann hinter dem Sommer. Was haben wir im letzten Jahr gelernt? Im Sommer gab es die niedrigsten Infektionszahlen, man konnte problemlos reisen, auch mit dem Flugzeug. Ich glaube, dass diese Kombination aus sommerlichen Temperaturen, sich mehr draußen als drinnen zu bewegen und dem zu erwartenden Impfstoff uns im September die größtmögliche Sicherheit gibt, die Messe durchzuführen.

Nun zu der Kröte: Es findet gleichzeitig eine andere Messe in München statt, die IAA. Nun werden viele sagen: Oje, das ist doch ein Riesending mit einer Million Besuchern! Die IAA 2021 wird jedoch ebenfalls komplett anders durchgeführt, als es die letzten zehn Jahre oder noch länger in Frankfurt der Fall war. Die Veranstalter haben die gleiche Deckelung wie wir, also wie viele Personen pro Quadratmeter dürfen in die Hallen. Die Veranstaltung wird demnach nur ein Bruchteil dessen sein, was sie gewesen ist. Ja, wir werden Kollisionen in der Stadt haben, aber die meisten werden es gar nicht mitbekommen. Natürlich wird das eine oder andere Hotel die Preise etwas anziehen, das ist halt die Kröte, die wir schlucken mussten.

STEREO: Sie haben die Impfstoffe, die gerade in der Diskussion sind, erwähnt. Die lassen ja zumindest darauf hoffen, dass schon bald wieder etwas mehr Normalität eintreten könnte. Was ist denn, wenn es im Mai so aussieht, dass die Messe doch stattfinden könnte? Sind Sie dann der Buhmann der Industrie, die ja dringend darauf wartet, sich mal wieder zu präsentieren, sich mit Handel und Kunden aus aller Welt zu treffen und Geschäfte zu machen?

Dreischärf: Wir können ganz klar sagen, dass die Rückmeldungen, die wir bekamen, als wir in den September verschoben haben, ausnahmslos positiv waren. Es gab keine negativen Stimmen, die gesagt haben: Lass uns bitte 2021 an dem Mai-Termin festhalten. Ja, es wäre der frühere Termin, aber der bewegt sich eben auf deutlich dünnerem Eis als der September-Termin. Die Industrie braucht Sicherheit, und die ist im September deutlich größer als im Mai.

STEREO: Besteht durch die lange „Auszeit“ der High End-Messe, das sind ja dann immerhin zweieinhalb Jahre, nicht die Gefahr, dass die Industrie sich mittlerweile andere Wege der Kommunikation und Präsentation ausgesucht hat? Solch eine Messe kostet ja richtig viel Geld mit den ganzen Reisen und Messeständen. Da könnten viele Aussteller auf die Idee kommen, sich vielleicht die Messe in Zukunft zu sparen...

Dreischärf: Es gibt natürlich dahingehend Erkenntnisse und auch Positives aus der Corona-Pandemie. Die Industrie hat gelernt, dass virtuelle Kommunikationswege durchaus gut funktionieren. Es wird geskypt, gezoomt und anderes mehr. Ich habe von vielen gehört, dass sie ihre Vertriebspartner jetzt häufiger gesehen haben als in den letzten Jahren. Per virtueller Konferenzen auf Web-Plattformen versteht sich. Ich finde es auch gut, dass die Industrie sich dahingehend modernisiert. Es wird uns aber ebenfalls gesagt, dass sich diese Kommunikation ausschließlich im Kreis derer bewegt, die auf der High End die ersten Verbindungen miteinander geknüpft haben. Doch wo und wie werden nun weitere, neue Partner gefunden? Vielleicht haben noch einige ein paar Visitenkarten auf dem Tisch liegen, einen Kontakt in Skandinavien, in Amerika oder wo auch immer. Aber diese Joker werden immer weniger.

Um das zu füllen, dafür sind eben die Messen da. Sich zu treffen und neue Kontakte herzustellen, all das bringt kein Skype-Meeting. Da kommt mal einer am Stand vorbei, den man vorher nicht auf dem Schirm hatte. So entstehen neue Kontakte, und das passiert nur live auf Messen. Das ist die Rückmeldung, die wir immer wieder bekommen. Ergo: Die Branche hat sich perfekt, also wirklich sehr, sehr gut auf die jetzige Situation eingestellt. Sie wird sicherlich in den nächsten Jahren konzentrierter Messen machen und nicht mehr jeder Veranstaltung hinterherrennen. Was die High End München betrifft, haben wir, das kann ich jetzt schon sagen, nahezu volles Haus.

STEREO: Wenn also alles gut geht und die Messe im September klappt, das hoffen wir natürlich alle, wie wird es denn in 2022 weitergehen? Wird die Messe dann wieder im Mai, mit relativ kurzer Auszeit oder dauerhaft September stattfinden?

Dreischärf: Wir werden das mit unseren Ausstellern besprechen, bekommen auch schon jetzt Rückmeldungen dazu. Es gibt einige, die uns sagen, der alte Termin im Mai sei doch gut gewesen, warum also den September als generelles Datum festlegen? Andere sagen, es sei ihnen eigentlich egal. Die Messe ist im Mai groß geworden, und die allermeisten unserer Aussteller waren mit dem Datum zufrieden. Und somit ist dieser Termin für uns so etwas wie eine heilige Kuh. Da brechen wir jetzt nichts übers Knie. Formal haben wir mit dem MOC einen Rahmenvertrag bis 2023 für den Termin im Mai, und den behalten wir vorerst bei. Aber wie gesagt, darüber sprechen wir noch mit unseren Ausstellern und entscheiden dann.

STEREO: Abschließend hätten wir noch eine Frage zu der regionalen Messe World of HiFi in Neuss. Die soll ja am Wochenende 06.+07. März stattfinden. Das ist ja mehr als zwei Monate vor der High End in München. Wie passt das denn zusammen?

Dreischärf: Auch da suchen wir schon einen neuen Termin, aber auch das ist eine komplizierte Sache. Es gibt viele, die denken, das sei alles ganz einfach und es gäbe immer freie Termine. Aber das ist beileibe nicht so. Dadurch, dass die High End im September stattfindet, gäbe es für uns organisatorisch auch die Möglichkeit, die World of HiFi ins Frühjahr zu schieben. Und das ist genau das, was wir jetzt gerade versuchen. Es gibt leider noch keinen gesetzten Termin dafür, aber wir arbeiten daran.

STEREO: Vielen Dank für die Stellungnahme, wir wünschen Ihnen und der gesamten Messe-Mannschaft alles Gute für 2021.

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