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19.12.2014

Test: Anlage Cambridge Azur 851

Formel „Eins“

Cambridge gilt generell als ein „Best Buy“ für wenig Geld. Was, wenn man etwas mehr investiert und die Flaggschiffe ins Auge fasst?

Von Tom Frantzen

Sieht man sich die Generation 851 aus dem Hause Cambridge an, so beschleicht einen das Gefühl, dass hier eine ganze Schippe mehr draufgelegt wurde als bei den bereits hervorragenden 840er-Komponenten. Auch wenn etwa mit den dekorativen Lüftungselementen auch optisch gezaubert wurde: Solch eine Haptik diesseits der 2000 Euro ist kaum das, was wir erwarten, nur selten findet sich diese bei entsprechenden Komponenten um die 3000 Euro. Wie die Konzernmutter Audio Partnership freimütig einräumt, werden die Geräte nach wie vor in Großbritannien entwickelt, gleichwohl aber in China gebaut. Anders wäre der gebotene Gegenwert auch kaum erklärbar. Offensichtlich gibt Cambridge den Preisvorteil indes auffallend großzügig an den Endkunden weiter. Das finden wir lobenswert.

Spezialität Upsampling

Im Player wurde das bereits aus dem DAC Magic Plus bekannte und in Kooperation mit den Schweizer Digitalexperten von Anagram entwickelte Upsampling der zweiten Generation implementiert. Intern arbeitet das Gerät mit 32 Bit und rechnet das Eingangssignal zudem auf 24 Bit/384 Kilohertz hoch. Dafür setzt der 851 nicht wie in kleineren Cambridges „nur“ auf Wolfson-, sondern Analog Devices AD1955-Wandler, die vor allem bei Bühnenabbildung, Fokus und Tiefenstaffelung punkten sollen. Und das, so viel vorab, tun sie im Gesamtkontext tatsächlich. Der 851 hat auch im Vergleich zum 840 an Aura, Charme und Flair zugelegt, sprich: an Emotion, ohne tonal dem akkuraten Vorgänger untreu zu werden. Das war ja auch keineswegs notwendig. Für eine wunschgemäße klangliche Beeinflussung stehen mit „Linear Phase“, „Minimum Phase“ und „Steep“ nun drei verschiedene Filtercharakteristika zur Verfügung. Die Bezeichnungen mögen vielleicht etwas verwirren. Festzuhalten sind Unterschiede, je nachdem, ob ein Filter eher auf die Optimierung des Frequenzgangs oder des Zeitverhaltens abzielt. Bei letzterer Auslegung ist zwar das Timing optimal, dafür muss man aber einen geringfügigen Pegelabfall in den obersten Lagen in Kauf nehmen.

Wie bereits beim 840er steht die aufwändige Wandler- und Upsamplingtechnologie auch externen Digitalquellen zur Verfügung, da der neue Player von AES/EBU über S/PDIF (Koax) und Lichtleiter (Toslink) bis hin zum sogar 24 Bit/192 Kilohertz-geeigneten USB-Anschluss für Mac/PC sämtliche Optionen bietet. Das macht dieses Gerät zum universellen Killer! Auf Wunsch lassen sich am Player darüber hinaus digital die Lautstärke sowie die Kanalbalance justieren, wobei dank 32 Bit Wortbreite genug Reserven zur Verfügung stehen, um diese „Vorverstärkerfunktion“ zu nutzen.

TECHNIK: ATF2 UPSAMPLING (ANAGRAM)

Auf der Jagd nach dem bestmöglichen, nicht nur im Messlabor, sondern zusätzlich in kontinuierlichen Hörsitzungen angestrebten Klang, hat sich Cambridge mit den Digitalexperten von Anagram aus der Schweiz zusammengetan.

Das spezielle „adaptive“ Upsampling ist für fast alle Digital-Audio-Signale anwendbar, die hochgerechnet, von Artefakten und Jitter (Zeitfehlern) befreit und neu getaktet werden können, um eine höhere Detailgenauigkeit und Präzision zu erreichen – und das zu vergleichsweise günstigen Preisen. Alle eingehenden Signale werden dabei in optimaler Kombination mit den verwendeten D/A-Wandlerbausteinen (Analog Devices) auf 24 Bit und 384 Kilohertz hochgerechnet, speziellen, das Rauschen und Zeitverhalten optimierenden Algorithmen unterworfen und praktisch jitterfrei in ein Analogsignal konvertiert.

Als willkommener Nebeneffekt des „Digital Signal Processings“ kann zur Wiedergabe aus drei verschiedenen Filtercharakteristika gewählt werden: Das „Steep“-Filter beschneidet das Signal oberhalb von 22,05 Kilohertz sehr steilflankig, erzeugt dabei ein leichtes Vor- und Ausschwingen. Bei „Minimum Phase“ wird das in der Natur nicht vorkommende Vorschwingen unterdrückt, während „Linear Phase“ mit für alle Frequenzen konstanter Laufzeit arbeitet.

Puristen müssen das natürlich trotzdem nicht tun und können den Cambridge selbstredend auch als „konventionellen“ CD-Player betreiben. Aber man bekommt somit hier für sein Geld einen sehr guten Player, einen hochkarätigen Wandler und sogar eine puristische Digitalvorstufe. Unter der Motorhaube glänzt er mit einem üppigen Ringkerntrafo sowie der eigens für Audio-Laufwerke optimierten S3-Servosteuerung. Im Zusammenhang mit der massiven Bauweise sollen zudem die zweilagig bedämpften Spezialfüße die Voraussetzungen für einen unverfälscht resonanzarmen Auftritt liefern.

Sein Verstärkerkonzept vermarktet Cambridge als eigene Klasse: Class XD. Die Technologie soll beim klassischen (A)B-Gegentaktverstärker mit seinen permanent zwischen PNP- und NPN-Leistungstransistoren umgeschalteten Zuständigkeiten für besonders geringe Übernahme- oder Schaltverzerrungen, also besonders weiche Übergänge sorgen. Vereinfacht gesagt findet hier schon vor den Wendepunkten der Sinuskurve gewissermaßen eine Arbeitsteilung samt kontrolliertem, schwachem Stromfluss statt, was die „harte Zäsur“ verhindert. Dass dies eine besonders aufwändige Steuerung erfordert, im Ansatz vielleicht vergleichbar einer mikroprozessorgesteuerten Zündfolge bei einem Zwölfzylinder, liegt ebenso auf der Hand wie die Unabdingbarkeit streng selektierter Bauteile. Der „Staffellauf“ nebst Übernahme muss ja millionenfach reproduzierbar in Sekundenbruchteilen funktionieren. Die Idee ist zweifellos superb, wenn auch nicht gar so neu, wie man meinen könnte. Die Herausforderung ist das Timing.

Der hohe Anspruch der Geräteklasse wird nicht zuletzt durch die symmetrischen Anschlüsse offensichtlich. Eine deutliche Aufrüstung gegenüber der 840er-Generation stellt der HD-fähige USBPort für Mac/PC dar. Die hochwertige DAC-Sektion steht auch anderen Quellgeräten zur Verfügung

Praxisgerechte Vernunft

In Sachen Leistung verhält sich der neue Vollverstärker ähnlich einem hochkarätigen Sportwagen. Bevor er überhaupt und spät in seinen Grenzbereich vorstößt, wird er sanft abgeregelt. Was an NADs „Soft Clipping“ erinnert, ist auch als Anlehnung noch sinnvoll, denn insbesondere die Hochtöner werden so vor dem gefürchteten Party-Exitus bewahrt. Schaltet man die Begrenzung aus, hat man zwar ein paar Watt mehr zur Verfügung, aber eben auch keine eingebaute, erweiterte Schadensverhütung mehr. Wir meinen, dass man mit 100/150 Watt pro Kanal in aller Regel gut klarkommt und diese Funktion aktiviert lassen sollte.

Hörbare Perfektion

Was im Hörtest, der überwiegend im Zusammenspiel mit der T+A TCD310S stattfand, gleich auffiel, war die extreme Ruhe und souveräne Gelassenheit dieser Kombination. Hier scheint die besonders ausgeprägte Verzerrungs- und Rauscharmut „durchzuschlagen“. Präzision, Plastizität und die Feinzeichnung der Klangfarben mit dem natürlichen Pinsel stehen hier im Vordergrund und wurden keinem brachialen Effekt oder der vorsätzlichen „Koffeinisierung“ per generiertem Klirr geopfert. Das Gespann ist schnell, es folgt der Partitur auch mal völlig unbeeindruckt in die Steilkurve und wieder auf die Gerade, aber es sprüht nicht über vor Temperament, sondern wahrt stets und im besten Sinne die Contenance, sprich: die stabile Straßenlage. Das darf hier aber beileibe nicht als gepflegte Langeweile interpretiert werden, so gern ich auch mal ein Haar in der Suppe finde.

Die facettenreiche und plastische Stimme von Katja Maria Werker bei der Interpretation von Peter Gabriels „Here Comes The Flood“ (Album „Mitten im Sturm“/Stockfisch) sorgt im Gegenteil buchstäblich für Gänsehauteffekte, aber auch die härtere Gangart à la „Who Made Who“ von AC/DC hält, von dieser Kombi vorgetragen, niemanden auf den Sitzen, bei dem noch Puls feststellbar ist. Selbst feine Unterschiede wie etwa beim Wechsel von Lautsprecherspikes (!) machen die Cambridges unmittelbar erlebund nachvollziehbar.
Nun sind 3600 Euro zweifellos bereits eine Ausgabe, die schon ambitionierte Ansprüche voraussetzt. Diese werden mit dem Cambridge-Duo weitaus mehr als nur erfüllt. Alternativlos? Das gibt es bei HiFi ebenso wenig wie anderswo. Ganz sicher aber dürfte es nicht leicht sein, für das gleiche Geld etwas Besseres zu finden.

Cambridge Azur 851 A

um €1800
Maße: 43x12x43 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre

Ein Vollverstärker wie aus dem Bilderbuch des Verstärkerbaus. Der Cambridge klingt ausgesprochen akkurat, plastisch und fein, völlig frei von unerwünschten Artefakten, dabei kraftvoll und charmant mit moderner, durchdachter Ausstattung.

Ausstattung: Getrennte Ringkerntrafos für Vor- und Endverstärker, unsymmetrische wie symmetrische Anschlüsse, Fernbedienung, Klangregelung.

Cambridge Azur 851 C

um €1800
Maße: 43x12x40 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre

Dieser Player ist zweifellos ein Überflieger. Für 1800 Euro bekommt man hier 3000-Euro-Haptik, einen musikalischen CD-Spieler, einen HD-fähigen, superben DAC, eine externe Soundkarte für Mac/PC und dank Lautstärkeregelung eine digitale Vorstufe. Top!

Ausstattung: Fernbedienung, Upsampling, drei (messtechnisch wie klanglich) verschiedene Filter-Algorithmen, DAC mit Digitaleingängen (je 2xKoax/Toslink und 1 xAES/EBU) und USB für externe Digitalquellen und Mac/PC, digitale (Koax/Toslink, AES/EBU), Cinch- und XLR-Ausgänge, digitale Lautstärkeregelung.

Die Architektur des Cambridge-Verstärkers ist ausgefuchst, denn sie gewährleistet die angestrebte räumliche Trennung von Vor- und Endstufe, separiert beide Kanäle, zentralisiert dabei die Stromversorgung und schirmt zugleich den Trafo ab
Für einen CD-Spieler diesseits der 2000-Euro-Brandmauer ist der Cambridge sehr massiv gebaut und besitzt zudem eine Top-Servo-Steuerung sowie einen üppigen Ringkerntrafo
Der tiefere Blick auf die Motorisierung des Amps offenbart den Einsatz japanischer Sanken-Transistoren des bipolaren Typs, die einen besonders guten Ruf genießen. Auch die für die Impulswiedergabe wichtige Siebkapazität (die weißen Kondensatoren) ist großzügig ausgelegt
Das „Herz“ des Players ist zweifellos der vielbeinige DSP, an dessen Entwicklung der Schweizer Spezialist Anagram maßgeblichen Anteil hatte. Er beinhaltet besonders clever ausgelegte Upsampling-Funktionen

Kontakt

Kontakt: Taurus High End GmbH
Tel.: 040/5535358
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