Keine MP3-Rezensionen in STEREO
Nichts ist so alt wie die Nachricht von gestern. Das war schon immer so im Journalismus, gilt aber ganz besonders im Zeitalter des Internet. Jeder will mit einer wichtigen Meldung der Erste sein, niemand einen Trend verschlafen. Mit dem Effekt, dass die intensive Auseinandersetzung mit einem Thema immer häufiger zu kurz kommt. Auch im Musikteil vieler Zeitschriften ist zu beobachten, dass aus Zeitgründen verstärkt lobhudelnde Promotion-Texte der Plattenfirmen übernommen werden – Qualitätsjournalismus sieht anders aus.
Die letzten Jahre hat sich dieses Problem durch eine geänderte Bemusterungspraxis noch verschärft. Wurde früher Printredaktionen bereits Wochen vor dem offiziellen Erscheinungsdatum die jeweilige CD zugeschickt, so dass der Redakteur ausreichend Zeit hatte, sich mit der Musik zu befassen, erhält man heute sein Muster oft erst, wenn es bereits im Laden steht. Nachteil: Aufgrund der redaktionellen Vorlaufzeiten eines Monatsmagazins erscheint die Besprechung mit Verspätung.
Als Notnagel bieten die Plattenfirmen den Redaktionen deshalb im Vorfeld zunehmend digitale Files an, die aber meist nur in datenreduzierter Auflösung vorliegen – sprich im MP3-Format – und somit schlechter klingen. Dieser gravierende Nachteil in puncto Soundqualität scheint kaum mehr ein Medium ernsthaft zu stören, selbst HiFi-Zeitschriften sind längst dazu übergegangen, aus Aktualitätszwang heraus auf Grundlage von MP3-Files zu schreiben: Eine unseriöse Klangbewertung nehmen sie dabei in Kauf.
Die STEREO-Musikredaktion distanziert sich von solchen Gepflogenheiten. Bei uns findet eine Rezension nur dann statt, wenn die CD tatsächlich vorliegt. Ausnahmen – wenn zum Beispiel in einer von der Plattenfirma veranstalteten Session gehört wurde – werden auch so benannt. Dies bedeutet aber zugleich, dass gerade populäre Themen von Springsteen, Sting & Co. in STEREO oft später stattfinden als in anderen Blättern. Diese Kröte schlucken wir, weil wir glauben, dass auch Ihnen Seriosität wichtiger ist als Aktualität um jeden Preis.
Die Redaktion
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