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25.10.2014

Test: iPod-Dock Parrot ZIKMU

Kunst und Technik im Einklang

Der französische Hersteller Parrot ist Spezialist für Bluetooth- und Funkvernetzungen. Da verwundert es kaum, dass seine iPod-Anlage KIZMU fast vollständig ohne Strippen auskommt. Doch das pfiffige Designer-Dock hält noch mehr Überraschungen bereit

von Carsten Barnbeck

Sie sollten äußerst vorsichtig sein mit Bemerkungen wie „Apples iPod hat endlich Design in die Unterhaltungselektronik gebracht“. Immerhin entstammen Kunstwerke wie Grundigs Audiorama-Lautsprecher Schnittmustern aus den frühen Siebzigern, einer Zeit, zu der Brauns legendäre Kompaktanlagen bereits seit einer Dekade am Markt waren. Das allseits beliebte Tivoli-Radio verweist in seinen optischen Ursprüngen sogar auf die Fünfziger. Man handelt sich mit solchen Aussagen also nur Ärger ein und fordert HiFi-Veteranen zu vierzigminütigen Ansprachen belehrenden Inhalts heraus.

Ungleiche Geschwister

Die beiden Stereo-ZIKMUs sind unterschiedlich aufgebaut. Während eine Säule das iPod-Dock enthält (l.), ermöglicht die zweite Quellauswahl und Steuerung (r.). Die beiden Lautsprecher bieten integrierte Verstärker und kommunizieren ausschließlich via Funk. Auch die Anbindung an einen PC, dem sie praktisch als Sound-Interface dienen, geschieht kabellos und vollautomatisch

Und trotzdem schlug Apples Porti eine tiefe Schneise ins schwarz-silberne 43-Zentimeter-Einerlei, das in HiFi- und AVKetten anno 2001 noch vorherrschte. Dieser Hieb wirkte offenbar inspirierend auf viele Hersteller, denn die Zahl design - orientierter Komponenten nimmt seither beständig zu. Leider wird dabei gelegentlich übersehen, dass zwischen „Design“ und „gelungenem Design“ ein feiner Unterschied besteht.

Parrots iPod-Dock ZIKMU liefert uns reichlich Indizien dafür, was eine gelungene Design-Anlage auszeichnet: Das schlanke, etwa hüfthohe iPod-Dock vereint sein ausgefallenes Äußeres mit einem hohen Maß an Funktionalität und einer genial simplen Bedienung. Das ist der Stoff für HiFi-Legenden.

Die Franzosen wollten nichts dem Zufall (oder ihren eigenen Entwicklern) überlassen und baten den bekannten Designer Philippe Stark um einen Gehäuse- und Konzeptentwurf.

Durchdachter Aufbau

Über dessen Vision eines säulenförmigen, sich nach unten öffnenden Multifunktions-Aktivlautsprechers, ausgeführt in solidem Kunststoff, lässt sich kaum diskutieren. Mit seiner klassisch-eleganten Formgebung fügt sich das Parrot-Dock dezent in jedes stilvoll-moderne Wohnambiente ein. Zwischen zwei Bauernschränken in einem rustikalen Fachwerkhaus platziert dürfte es dagegen eher einen interessanten Kontrast setzen. Die markante Retro-Formgebung ist eben Geschmackssache.

Was hingegen immer und in jeder Umgebung passt, ist das überaus gelungene Gesamtkonzept: ZIKMU besteht aus zwei Säulen, die je einen Downfire-Subwoofer am Boden, einen Hoch-Mittelton-Lautsprecher am Kopfende sowie die nötigen, ausreichend dimensionierten Verstärker beinhalten. Die beiden Stereo-Wandler vernetzen sich nach dem Einschalten kabellos via Funk und völlig ohne umständliche Setup-Editierung. Abgesehen von den beiliegenden, ebenfalls überraschend hochwertigen Netzkabeln sind für den Betrieb der Docks keine weiteren Strippen nötig. Mit einer Ausnahme: Will man die externen Eingänge nutzen, die an der Unterseite der beiden Gehäuse liegen, muss man natürlich Cinch-Kabel einstöpseln. Aber schon die unbequeme Lage der beiden Inputs gibt uns das Gefühl, dass der Hersteller das als „unsaubere“ Lösung ansieht. Die ZIKMUs nehmen externe Signale lieber via WLAN oder Bluetooth entgegen. Beide Funkstandards können als Eingang dienen.

Während Säule A an ihrer Oberseite die wohlbekannte Aussparung für Apples iPod-Modelle bereithält, bietet Säule B die nötigsten Bedienelemente zur Quellenwahl und zur Anpassung der Lautstärke. Will man tiefer ins Klanggeschehen eingreifen, sollte man den Computer starten und Parrots Steuerungsanwendung herunterladen. Genau genommen handelt es sich bei dem kleinen Gratisprogramm um keine reine Steuerung, sondern um einen Treiber, der dem Rechner befiehlt, die ZIKMUs als Sound-Interface zu akzeptieren. So kann man sämtliche Tonausgaben des Betriebssystems auf die beiden Docks umleiten und Mediaplayer wie iTunes oder J.River über die Parrots genießen. Das Fernbedienen geschieht dabei – wie bei vielen anderen „Streamern“ auch – über ein Plugin, das in einem handelsüblichen Browser wie Firefox, Safari oder dem Internet Explorer ausgeführt wird.

Auch hier greift übrigens die Setup-freie Einrichtung. Einmal installiert, sucht das Programm über den Netzwerkrouter alle in der Nähe befindlichen ZIKMUs und vernetzt sich selbstständig. Man hat danach Gelegenheit, die gefundenen Modelle zu benennen, um mehrere Paare besser unterscheiden zu können. Im Browser-Plugin hat man schließlich die volle Kontrolle über den angedockten iPod (inklusive Coverdarstellung), kann einen Equalizer programmieren oder im Audio-Set up verschiedene sinvolle Lautsprecher-Parameter verändern.

In der Praxis besticht ZIKMU durch unerhörtes Klangvolumen, natürliche Farbgebung und seine bestechend offene 360-Grad-Abbildung. Natürlich geht die Rundum-Beschallung auf Kosten der Fokussierung. Dafür leuchtet das Dock selbst größere Räume flächendeckend aus und garantiert an allen Positionen ein druckvolles Klangerlebnis. Hörspaß und Emotionen werden bei Parrot größer geschrieben als kompromisslose Detailzeichnung. Und irgendwie passt das Vorzüglich ins Konzept dieser intelligenten Designer-Docks.

Stichwort

Plugin
Als Plugin bezeichnet man Programmroutinen, die nicht selbstständig laufen, sondern einen „Host“, also eine andere Anwendung benötigen, um zu funktionieren.

Dieser Artikel wurde in STEREO 12/2010 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Profil

Parrot ZIKMU
Preis: um Euro 1300 (Paarpreis)
Garantie: 2 Jahre
Maße: 32 x 75 x 29 cm (BxHxT)
Vertrieb: TAD
Telefon: 09945/902707
Web: www.tad-audiovertrieb.de

Fazit

Parrot wandelt mit seinem ZIKMU auf dem schmalen Grat zwischen iPod-Dock und Design-Anlage. Doch so recht passen will die Aktivbox in keine der beiden Schubladen. Aber gerade das macht Philippe Starcks Konzept so genial und eigenständig. Stilvoll gestaltet, einfach zu bedienen und in jeder Hinsicht funktional ausgelegt, kann auch der sphärische, überaus druckvolle 360-Grad-Klang überzeugen. Die Integration der Computersoftware zum tieferen Eindringen in die Klangabstimmung ist ebenfalls intuitiv gelöst.

Ausstattung

Anschlüsse etc.: iPod-Dock (passend für die Modelle iPod Touch, iPod Classic, iPhone sowie iPod Nano), Netzanschlüsse, zwei externe Eingänge (Chinch), Bedienelemente (Pegelwahl, Eingänge, Funkautomatik, Bluetooth und Standby), WLAN integriert, Bluetooth zur Vernetzung mit kompatiblen Portis, Handys und Smartphones.

Software: Gratis-Anwendung inklusive Treiber für die Ansteuerung von einem Computer (Apple und Windows) als Download auf der Hersteller-Homepage erhältlich (alle notwendigen Details sind in der Anleitung dokumentiert).

Zubehör: Multilinguale Bedienungsanleitung, Netzkabel, Fernbedienung.

Philippe Starck, Jahrgang ‘49, stammt aus Paris. Der renommierte Industrie-Designer betätigt sich nebenbei auch gern als Innenarchitekt. Die meisten seiner Werke, am bekanntesten ist wohl seine „raketenförmige“ Orangenpresse aus den frühen Neunzigern, bestechen durch extrem einfache Formgebung und teilweise ungewöhnliche Materialkombinationen wie Metall und Plüsch. Außerdem, so sein wichtigster Vorsatz, will Starck seine Anspruchsvollen Design-Lösungen trotz guter Verarbeitung zum bezahlbaren Preis möglich machen.

Das ZIKMU ist in vier Farben erhältlich. Besonders die Sorbet-Ausführung (l.) bricht mit allen HiFi-Gewohnheiten. Natürlich wird die Fernbedienung (u.) im passenden Ton mitgeliefert